von Leo Landauer

Wenn die deutschen Staatsmedien die Nazikeule gegen uns schwingen, ducken wir uns nicht nur weg, sondern schreiten zur Entwaffnung.

Seit 09.11.2021, um 06:25 Uhr liest man auf tagesschau.de über uns, wir würden den Nationalsozialismus relativieren:

 

»Das JFDA [Jüdisches Forum für Demokratie und gegen Antisemitismus] ist bei zahlreichen Demonstrationen vor Ort und dokumentiert die Geschehnisse. NS-Relativierungen seien bei nahezu allen Akteuren aus dem heterogenen „Querdenken“-Milieu zu beobachten, so das JFDA – sowohl von rechtsextremen und rechtspopulistischen Kreisen als auch „Freien Linken“ sowie alternativ-esoterischen Milieus. „Diese Gleichsetzungen haben sich mittlerweile bei nahezu jeder Kundgebung und Demonstration sowie im Internet verfestigt.“ Stephan Kramer, Präsident des Thüringer Verfassungsschutzes, sagt im Gespräch mit tagesschau.de, dass die verbreitete NS-Verharmlosung im „Querdenken“-Milieu ein „deutliches Zeichen für den Einfluss und die Übernahme der Szene durch Rechtsextremisten“ sei.« 1

Mit der »NS-Relativierung« sind eindeutig auch wir, die „Freie Linke“ gemeint. Der Text erregt den Verdacht einer Verleumdung, da Belege für die Behauptung nicht geliefert werden – während wir hingegen sehr wohl unsere antifaschistische Position kennen. Und gerade diese ließ und lässt uns gegen das Corona-Diktat aktiv werden.

Wenn nun mit Relativierung die Verharmlosung gemeint ist, worauf der Kontext hindeutet, so sagt das über den Sender ein Entscheidendes mehr aus:

Um zum Urteil der Verharmlosung zu gelangen, muss er wohl zwangsläufig selbst Vergleiche von heute zu damals anstellen, kommt nur lediglich zu einem anderen Ergebnis. Vergleiche kann er uns also schlecht vorwerfen. Autor und mutmaßlich Redaktion scheinen überzeugt, dass eine Gleichsetzung des Pandemie-Regimes mit der Zeit des Nationalsozialismus voll und ganz absurd sei.

Wir möchten zu der Einsicht gratulieren, denn eine Gleichsetzung wäre in der Tat absurd.

In erster Linie zeigt sich hier doch, was eigentlich schon vorher offensichtlich war: Nicht den Nationalsozialismus bewerten der Sender und wir sehr unterschiedlich, sondern die aktuelle Lage.

Aus unserer Sicht wird umgekehrt nämlich die Bedrohung und Gewalt des Corona-Kults sowie die mitunter brachialen Übergriffe des Staats auf seine Bürger verharmlost, wenn man jegliche Feststellung von Parallelen mit dem Nationalsozialismus und dem Weg, der in ihn hinein führte, von vorn herein kategorisch ausschließt.

Die Bekämpfung von politischen Gegnern mittels Verleumdung ist in der Tat schon selbst solch eine Parallele. Ebenso ist es der Versuch, Kritik am Corona-Diktat durch Tabuisierung zu verhindern oder davon abzulenken.

Es gehört zudem zum Wesen des Antifaschismus, dass er beim »Wehret den Anfängen« immer vor etwas zu warnen hat, was noch nicht eingetreten ist und auch im Zweifel darauf eingeht. Niemand weiß, wohin uns die Entwicklungen seit »Pandemiebeginn« führen.

Doch wir können nicht anders, als auf staatlich organisiertes Unrecht, Demokratiefeindlichkeit, gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit, Hetze, Gewalt und eine fortschreitende Tendenz hin zu Autoritärem, alles Nonkonforme bekämpfende aufmerksam zu machen und den nötigen Widerstand zu organisieren.

Keiner weiß, wo das endet. Keiner kann in die Zukunft blicken. Wir alle können nur aus Vergangenem mögliche Zukunftsszenarien ableiten. Lieber werden wir uns geirrt haben, als uns nachher vorwerfen zu müssen, nicht ausreichend gewarnt und gehandelt zu haben. Denn wenn ein totalitäres System erst einmal errichtet ist und es letztendlich auch der letzte vor sich selbst zugeben muss, dann ist es längst zu spät.

Teile der Bewegung fallen in der Tat durch antisemitisches und rassistisches Gedankengut und Narrative auf. Diese lehnen wir selbstverständlich entschlossen ab und leugnen solch eine Beteiligung auch nicht. Mehrheitlich besteht die sehr heterogene Bewegung jedoch aus Menschen unterschiedlichster Gesellschaftsschichten, politischer und religiöser Zugehörigkeit und Nationalität. Ein Großteil war zuvor politisch nie aktiv.

Gerade dadurch macht die Beteiligung linker Gruppen und Organisationen Sinn, möchte man die Menschen nicht rechten Strukturen und deren Propaganda überlassen.

 

¹  https://archive.md/6jKoz bzw. https://www.tagesschau.de/investigativ/antisemitismus-querdenken-ns-verharmlosung-101.html