von Jan Veil

Dieser Text beab­sichtigt keine Aus­gren­zung; er soll vielmehr ein Ange­bot sein, den Blick auf vom Leser etwaig selb­st vorgenommene Aus­gren­zun­gen Ander­s­denk­ender ein­er kri­tis­chen Prü­fung zu unterziehen. Aktueller Anlass hierzu: bes­timmte Details aus meinem Bericht ‚Berlin im Som­mer 21’ in Tatein­heit mit eini­gen Vor­wür­fen, mit denen die Freie Linke oder zumin­d­est ein Teil von ihr bere­its seit ger­aumer Zeit kon­fron­tiert ist; insofern hat fol­gende Erk­lärung etwas eben­so Grund­sät­zlich­es wie dur­chaus auch Prophylaktisches:

Mir ist bewusst, dass einige beim Namen Björn Banane oder auch Arne Schmitt die ide­ol­o­gis­che Stirn run­zeln oder deren Erwäh­nung im genan­nten Bericht gar als einen Beleg dafür sehen (möcht­en), die Freie Linke oder zumin­d­est Teile von ihr ‚mache/machten sich gemein’ mit ‚recht­en’ Aktivis­ten, ja dies sei gar ein Beweis dafür, sie sei/en selb­st mit­nicht­en links, son­dern, wie hie und da zu lesen war, lediglich so etwas wie die (in deren Lesart i.d.R. natür­lich pseu­do-) linke Frak­tion von Quer­denken. Dazu Folgendes:

1. Ich habe – wed­er am 03.08. noch am 06.08. – von den Her­ren Schmitt und Banane auch nur eine Äußerung gehört, die sich nicht auf dem Boden des Grundge­set­zes – wie immer man dazu ste­hen mag, doch das ist ein anderes The­ma – und der in diesem ver­brieften Grun­drechte bewegt hätte. Fern­er ist es vor allem ihrem entschlosse­nen, im Bericht beschriebe­nen Vorge­hen am 06.08. zu ver­danken, dass die dort pein­lichst operierende Exeku­tive sich let­ztlich gezwun­gen bzw. evtl. zudem provoziert sah, sich expres­sis ver­bis – und somit klar ersichtlich für jed­er­mann – zu extrem weitre­ichen­den, in meinen Augen offen­sichtlich unrecht­mäßi­gen und noch nicht ein­mal der regierung­seige­nen Verord­nungslogik bzw. den behör­deneige­nen Ver­bot­ser­fordernissen genü­gen­den Grun­drecht­sein­schränkun­gen zu beken­nen – ein Vor­gang, der die momen­tane, im Nieder­gang begrif­f­ene Ver­fass­theit unseres behaupteten Rechtsstaates jed­er­mann, der es wirk­lich wis­sen will, vor Augen zu führen geeignet ist.

Dies ist objek­tiv ein auf der Straße errun­ge­nes Ver­di­enst. Ger­ade Leute, die die Bewe­gung vornehm­lich aus ihren Ses­seln her­aus bere­ich­ern und sich zugle­ich an Pro­tag­o­nis­ten wie Banane stören, soll­ten hier mal drüber nach­denken. Das heißt nicht, dass ich behaupte, die genan­nte Per­son habe über­all und zu jed­er Zeit stets das Richtige bzw. nie etwas ‚Falsches’ gesagt. Erken­nt, dass genau hier das (in diesem Fall ‚endo­gene’) Kon­tak­tschuld-Nar­ra­tiv begin­nt. Erken­nt, dass genau hier eine mögliche Weit­er­en­twick­lung die in ein total­itäres Denken ist!

2. Fern­er ist das The­ma ‚Kon­tak­tschuld’ (‚mit dem/der wollen wir nicht in Zusam­men­hang gebracht wer­den, denn der/die hat mal zusam­men mit dem/der auf ein­er Bühne ges­tanden’ oder war mal zusam­men auf einem BILD usw.) nicht nur eines, das uns aus den Leitme­di­en lei­dlich bekan­nt ist; vielmehr fall­en auch Leute aus der Demokratiebe­we­gung und ja, eben­so von der Freien Linken auf dieses die Spal­tung der Gesellschaft weit­er forcierende Fram­ing here­in oder ver­wen­den es mehr oder weniger bewusst, aus welchen Grün­den auch immer, in immer neuen Vari­a­tio­nen oder Abspal­tungserzäh­lun­gen. Nir­gends funk­tion­ieren sich selb­st erfül­lende Prophezeiun­gen bess­er als in einem der­art arrang­ierten Gesin­nungs-Ter­rain der ‚Lin­ien­treue’ und des ver­meintlichen ‚Ver­räter­tums’. M.E. liegt hier ein großer Fehler: Es wird unter­lassen, zwar im Außen struk­turell erkan­nte, von den Massen­me­di­en instal­lierte und beständig aus­geweit­ete Denk- und Ver­hal­tens­muster = ‑gren­zen mal kri­tisch AUF SICH SELBST zu beziehen.

Dieser Art von ide­ol­o­gis­chem Hygien­e­denken (in ver­schiede­nen Schw­ere­graden auf dem ‚Freien Markt’ erhältlich) trete ich hier­mit klar ent­ge­gen. Im Gegen­satz zu anderen stelle ich für gemein­same – geplante oder auch spon­tan sich ergebende – Aktio­nen mit anderen Bewe­gun­gen bzw. Per­so­n­en nicht zur Bedin­gung, diese anderen müssten als Gesellschafts­bild DEN Sozial­is­mus anstreben [wobei sich fern­er bere­its hier die Frage stellt, wie dieser im Detail denn aus­gestal­tet sein sollte … auch dies ist ja für einige ‚Strö­mungsüber­greifende’ wiederum ein Grund für eine weit­ere Spal­tung – qua­si auf ‚interner­er’ Ebene (man hat ja son­st nix zu tun) – in diesem Zshg. mal kurz an das schöne Stich­wort ‚Lokalder­by’ denken: Man kommt bere­its aus einem ähnlich(er)en Umfeld, aber Haupt­sache: Aus­rufen der Geg­n­er­schaft sowie Beto­nung der UNTERSCHIEDE anstatt der GEMEINSAMKEITEN (was eben nicht gle­ichzuset­zen ist mit der Leug­nung wichtiger Dif­feren­zen!) etc.].

Mein Cre­do: Wer gewisse Unter­schiede unter poten­ziellen (auch Bünd­nis-) Part­nern nicht ‚erträgt’ (was oft auch mit der Befürch­tung ein­herge­hen mag, eige­nen Ein­fluss zu ver­lieren), der spielt, ob er will oder nicht, das Spiel der supra­na­tionalen Eliten im Ver­bund mit mark­t­be­herrschen­den Medi­en-Konz­er­nen sowie das der meis­ten inter­na­tionalen Führungskräfte im poli­tis­chen Sek­tor: näm­lich mit der­lei anti­demokratis­chen ‚Diskurs’- bzw. Auss­chluss- und Stig­ma­tisierungs-Mech­a­nis­men let­ztlich nur von den eigentlichen Frontlin­ien der anste­hen­den gesellschaft­spoli­tis­chen Auseinan­der­set­zun­gen abzulenken.

3. Jed­er Autor, der im Freien Funken pub­liziert, das ist der Sta­tus quo, ste­ht per­sön­lich für seine Texte ein. Die jew­eils bezo­ge­nen Posi­tio­nen müssen nicht mit denen jen­er, welche der Redak­tion ange­hören, oder gar mit denen aller anderen, die sich der Freien Linken, welch­er ihrer Frak­tio­nen auch immer, zurech­nen, übere­in­stim­men, solange hier kein faschis­toides Gedankengut ver­bre­it­et wird. Das ist eigentlich eine Selb­stver­ständlichkeit. Anson­sten kann man sich das ‚Frei’ im Begriff ‚Freie Linke’ auch gle­ich sparen, eben­so wie das lobenswert­er­weise bere­its im Aufruf vom 01.01.21 stark betonte Attrib­ut ’strö­mungsüber­greifend’.

4. Schließlich zu früheren Vor­wür­fen von ‚außen’ wie von ‚innen’, die Freie Linke sei qua­si nichts anderes als die ‚(pseudo-)linke Frak­tion von Quer­denken’, was ja insinuiert, die Freie Linke sei ursprünglich aus der Quer­denken­be­we­gung bzw. aus deren Teil­nehmern (sprich: Per­so­n­eniden­tität) her­vorge­gan­gen: Das ist m.E. grober Schwachsinn, da m.W. keine/r der­jeni­gen, die in der F. L. von vie­len oder auch nur von einem Teil als ‚Opin­ion-Leader’ ange­se­hen wer­den oder wur­den, in der Quer­denken­be­we­gung 2020 eine irgend­wie nen­nenswerte pro­fil­ierte Rolle gespielt hat; und selb­st wenn dem so wäre: Entschei­dend sollte doch sein, wie sich eine konkrete Per­son in Text, Wort und Tat äußert, nicht, wem sie irgend­wann mal ein Vier­tel Diätkau­gum­mi spendiert hat – wenn Ihr ver­ste­ht, was ich meine.

An alle, die sich hier unan­genehm ange­sprochen fühlen soll­ten: Nehmt endlich Eure ide­ol­o­gis­chen, sich, so scheint’s zuweilen, vor allem über Abgren­zun­gen definieren­den Scheuk­lap­pen ab! Arbeit­et an Euren Bedenken, präzis­er Äng­sten, irgend­wie in den ‚falschen Topf’ sortiert zu wer­den – und zwar von Leuten, die entwed­er ihrer­seits in der­sel­ben massenpsy­chol­o­gisch- (freilich mit ein­er anderen ‚Farbe’ verse­henen, aber struk­turell gle­ichen) ide­ol­o­gis­chen Falle sitzen wie Ihr selb­st oder aber deren Geschäft das der pro­fes­sionellen Spal­tun­gen ist.

Andern­falls, das behaupte ich an dieser Stelle, wird es nie oder schw­er­lich zu dem Maß an wirk­lich­er Sol­i­dar­ität inner­halb der Gesellschaft(en) kom­men, das so bit­ter nötig ist, um die zen­tralen Kon­flik­te unser­er Zeit halb­wegs angemessen sukzes­sive nach vorn zu brin­gen. Eine dieser – noch viel zu schwachen – Sol­i­dar­itäten ist gegen­wär­tig die zwis­chen Geimpften und Ungeimpften hin­sichtlich der schle­ichen­den Ein­führung fak­tis­ch­er Impfnö­ti­gung – bzw.: sollte sie sein. Sowie ihre Propagierung und Ein­forderung. Auch durch uns, was z.T. ja schon passiert.

Frage ich da nach ‚dem Parteibuch’ (→ GESINNUNG) oder nach der Deu­tung des Zwis­chen­falls im Golf von Tonkin (→ HISTORISCHER ANSATZ)?