Wie idyllisch und wie abstrakt darf eine Freie Linke sein?

von Walter Grobe
Vorbe­merkung der Redak­tion: Wir ori­en­tieren uns an The­o­rien, die vor 50 bis 150 Jahren zu den Ver­hält­nis­sen  der Zeit gepasst haben. Wie real­is­tisch ist das? Reicht das als the­o­retis­che Basis, um solch einen nie dagewe­se­nen weltweit­en Angriff auf die Lebensver­hält­nisse der Men­schen angemessen reagieren zu kön­nen? Müssen wir nicht unsere the­o­retis­chen Konzepte aus der Wirk­lichkeit der Gegen­wart ableit­en? Diese Fra­gen stellt Wal­ter Grobe in den Raum und damit zur Diskus­sion.  Der Beitrag ist als Ein­stieg zu dieser Diskus­sion zu ver­ste­hen. Wir freuen uns auf viele Kom­mentare und ein bre­ites Meinungsspektrum.

 

Seit­dem ich Anfang Jan­u­ar 2021 den Aufruf der FL gese­hen habe, arbeite ich hoff­nungsvoll mit, weil hier ein guter Ansatz vor­liegt. Aber ich beobachte mit­tler­weile auch einige grundle­gende poli­tisch-ana­lytis­che Defizite, die sich hal­ten und an deren Über­win­dung, meinem Ein­druck nach, nicht ger­ade mit Nach­druck gear­beit­et wird.

Hierzu im Fol­gen­den einige kri­tis­che Bemerkun­gen: Immer­hin hat die FL mit­tler­weile einige konkrete Anschau­un­gen über die Ursachen der Coro­n­apoli­tik gewon­nen, wie sie sich vor allem in Europa und den USA entwick­elt. Sie kann mit­tler­weile diese Poli­tik auf die krisen­hafte Entwick­lung des Kap­i­tal­is­mus, genauer gesagt: des „west­lichen“ Kap­i­tal­is­mus, beziehen und hat das maß­nah­menkri­tis­che poli­tis­che Spek­trum bere­ichert um eine grund­sät­zliche Kamp­fansage an den Kapitalismus.

Das muss angesichts der vor­ange­gan­genen Anpas­sungstrends fast der gesamten „Linken“ anerkan­nt werden.

Es gibt aber eine ganze Rei­he wesentlich­er Wider­sprüche und Neuheit­en in der glob­alen gesellschaftlichen Entwick­lung, die bish­er bei der FL nicht erfasst, ja kaum  erah­nt werden.

Dazu gehören bspw. die  Wider­sprüche zwis­chen west­lichem und chi­ne­sis­chem Kapitalismus.

Dazu gehört fern­er die bere­its seit Jahrzehn­ten voran­schre­i­t­ende men­tale Umfor­mung der Bevölkerun­gen. Ich meine hier in erster Lin­ie die  Prozesse, durch welche die direk­te Auseinan­der­set­zung  human­er Organ­is­men mit der Real­ität zunehmend erset­zt wird durch die Auseinan­der­set­zung mit dig­i­tal­en Repräsen­ta­tio­nen der Real­ität. In diesen Abbil­dun­gen steck­en kap­i­tal­is­tis­che Ide­olo­gie und so etwas wie eine Dena­turierung der ständi­gen Nutzer dieser virtuellen Real­ität von Grund auf schon drin. Die dig­i­tal­en Kanäle wer­den zwar von kri­tis­chen, linken oder son­st wie oppo­si­tionellen Kräften heftig genutzt, um dem Main­stream ent­ge­gen­zuar­beit­en, aber auch diese zweifel­los notwendi­ge Arbeit ist selb­st ange­bun­den an die prinzip­ielle, erken­nt­nis­the­o­retisch rel­e­vante Ten­denz, dass dig­i­tale Maschiner­ie immer mächtiger zwis­chen die Men­schen und die Real­ität geschoben wird.

Man kön­nte dieser Ten­denz vielle­icht aufs erste begrif­flich näherkom­men unter Rück­griff auf die Kat­e­gorie „Natür­lichkeit“ – ohne zu vergessen, dass die men­schliche Natür­lichkeit  durch die konkrete Geschichte der men­schlichen Gesellschaft ver­mit­telt wird. Ver­lust und Wiedergewin­nung von Natür­lichkeit sind immer auf einen bes­timmten his­torischen Zus­tand der Gesellschaft bezo­gen.  Die heutige Mas­chine, die KI, die kap­i­tal­is­tis­che bürokratis­che Ver­flachung und Ver­ar­mung des Lebens ist m.E. dabei, die zen­trale Stel­lung im Leben zu erobern und das Leben selb­st nach ihren eige­nen Forderun­gen neu zu erfind­en. Das dürfte geschichtlich beispiel­los radikal sein. Im West­en wie in Chi­na scheint in dieser Hin­sicht Ähn­lich­es im Gang zu sein.

Es gehören –  in Steigerung des hier Umris­se­nen – gewisse Umwand­lun­gen dazu, die mit­tels direk­ter biol­o­gis­ch­er Ein­griffe, bspw. der  Bil­dung von Men­sch-Mas­chine-Schnittstellen, und/oder mit­tels Ein­grif­f­en ins Erb­ma­te­r­i­al und den Stof­fwech­sel neue extreme Dimen­sio­nen von Gehor­sam, Abhängigkeit und Ser­vil­ität eröff­nen. Das human­is­tis­che Men­schen­bild, aus dem die bish­eri­gen linken Ide­olo­gien, auch ger­ade der Marx­is­mus, sich ableit­eten, wird damit ten­den­ziell ausgehebelt.

So viel fürs erste all­ge­mein zu Einigem, was heute m.E. sich an radikal Neuem in der Gesellschaft entwick­elt und von ein­er FL zur Ken­nt­nis genom­men und analysiert wer­den müsste.

Etwas konkreter: Die FL hat sich bish­er bspw. kaum mit den inter­na­tionalen Wider­sprüchen befasst. Es reicht nicht, „west­liche“ Ver­suche zu kri­tisieren, uns gegen Rus­s­land und/oder Chi­na in Stel­lung zu brin­gen. Des­gle­ichen ist nur ein Nebe­naspekt des inter­na­tionalen Geschehens. Was ist der west­liche Kapitalismus/Imperialismus, was sind die USA, die EU, was ist Rus­s­land, was Chi­na, was entwick­elt sich zwis­chen ihnen und anderen bedeu­ten­den Teilen der Welt­ge­sellschaft? Wenn man darüber nichts weiß und sich nicht für Aufk­lärung inter­essiert, kann man den Anspruch FL gle­ich streichen.

Chi­na  ist auch Kap­i­tal­is­mus, auch in Chi­na scheint es in den kap­i­tal­is­tis­chen Struk­turen eine Dif­feren­zierung zwis­chen den unteren Eta­gen und ein­er enor­men finanzkap­i­tal­is­tis­chen speku­la­tiv­en Über­wöl­bung des Ganzen zu geben, doch ist der Kap­i­tal­is­mus dort in ein­er der unsri­gen ver­gle­ich­baren Krise? Expandieren der chi­ne­sis­che indus­trielle Sek­tor und dessen Welt­mark­t­gel­tung nicht seit Jahrzehn­ten ziem­lich unver­drossen weit­er, im Gegen­satz zu den Entwick­lun­gen in den USA und Europa?

Hier „bei uns“ scheint es einen Grundtrend des Abbaus von pro­duk­tiv­en Kapaz­itäten, von tech­nis­chen Kom­pe­ten­zen, einen Grundtrend der Ero­sion der wis­senschaftlichen und bil­dungsmäßi­gen Niveaus zu geben – einen bere­its seit langem wirk­samen und weit­er­hin ziem­lich unge­broch­enen Abwärt­strend, eine all­ge­meine Degen­er­a­tion und Dekadenz,  während wir es in Chi­na anscheinend mit einem Gegen­trend in manch­er Hin­sicht zu tun haben. Hier, bei uns,  geht anscheinend u.a. auch die Bere­itschaft in der arbei­t­en­den Bevölkerung zurück, sich im Beruf zu engagieren, Über­durch­schnit­tlich­es zu leis­ten, während in Chi­na anscheinend eher die Grun­de­in­stel­lung vorherrscht, alle möglichen Härten, auch die  eigene Aus­beu­tung durchzuste­hen, um der Nation zu helfen, den Weg an die Welt­spitze zu schaffen.

Was hat diese Gegenüber­stel­lung – grob und vere­in­facht, wie sie hier erst ein­mal unver­mei­dlich aus­fällt – mit  bes­timmten  ide­ol­o­gis­chen Prä­gun­gen fast aller unter uns in der FL zu tun?

Prä­gun­gen durch Kat­e­gorien des Wach­s­tumsverzichts? Weltweit gibt es keinen Wach­s­tumsverzicht, nicht ein­mal in grober quan­ti­ta­tiv­er Form, und es kann und darf auch keinen geben. Wed­er anerken­nt Chi­na etwas Der­ar­tiges (und zieht damit inzwis­chen große Teile des Globus an sich her­an), noch wäre Wach­s­tumsverzicht im Hin­blick auf die ele­mentare Not eines großen Teils der Men­schheit auch nur ent­fer­nt vertret­bar. Die Predigt des Wach­s­tumsverzichts  ist impe­ri­al­is­tis­che Raublogik nach außen; nach innen ist sie intellek­tuelle Kas­tra­tion der poten­tiellen Kapitalismuskritiker.

Prä­gun­gen durch Kat­e­gorien der „Frieden­spoli­tik“? Durch Vorstel­lun­gen von der finalen Erre­ich­barkeit glob­aler Rival­itäts-Entschär­fung, wodurch Krieg zukün­ftig als poli­tis­ches Instru­ment entwertet, zurückge­drängt und über­flüs­sig gemacht wer­den könne? Ver­schließt man die Augen vor der Erken­nt­nis, dass die Welt und die Gesellschaften auch in Zukun­ft durch Kriege umgestal­tet wer­den? Nicht nur durch Kriege, das ist selb­stver­ständlich, aber eben auch durch Kriege, in denen es auch und ger­ade für Linke darauf ankommt zu erken­nen, wer gewin­nt, welche neuen Dinge entste­hen, um ggf. Partei zu ergreifen.

Im Reich des sozialen Kampfes find­en sich weit­ere überkommene Grund­kat­e­gorien bei den meis­ten Men­schen in der Freien Linken: man sieht die Radikalisierung der Klassenspal­tung oder auch den Klassenkampf, bspw. Arbeit con­tra Kap­i­tal; man hegt die Hoff­nung auf all­ge­meine soziale und kul­turelle Emanzi­pa­tion der Arbei­t­en­den und Entrechteten. Ich teile diese Grund­kat­e­gorien und freue mich über jede reale der­ar­tige Regung in der Gesellschaft, sei es in Europa, in den USA, in Asien oder wo auch immer.

Wie ver­hal­ten sich aber solche Kat­e­gorien zu bes­timmten Beobach­tun­gen über die zunehmende poli­tis­che Apathie, die durchgängige Kon­sumori­en­tierung großer Teile eben dieser arbei­t­en­den Bevölkerung, in der wir uns in Deutsch­land aufhal­ten? Ein­wand: die kön­nte, so depres­siv sie sich auch derzeit auf uns auswirken mag, vielle­icht doch etwas Vorüberge­hen­des, vielle­icht auch nur etwas „typ­isch Deutsches“ sein (bei den Deutschen dauert es ja meist länger, bis sie ein­mal rev­o­lu­tionär wer­den  – dann aber mit Wucht, s. die Bauernkriege, die 1848er Rev­o­lu­tion, die Novem­ber­rev­o­lu­tion 1918 ff.).

Aber wir erleben auch die ersten realen Ansätze der ökonomis­chen Ver­drän­gung  selb­st solch angepasster men­schlich­er Wesen – mit allen ihren bish­er doch noch gegebe­nen Entwick­lungsmöglichkeit­en – durch men­tal dauer­haft reduziertes „Humankap­i­tal“, das in sein­er Funk­tion­sweise den kom­menden Cyborg vorwegnimmt.

Sind wir möglicher­weise Zeu­gen der Entste­hung eines ganz anderen ele­mentaren Kräfte-Tableaus als es in den his­torischen Mustern frei­heitlich­er und rev­o­lu­tionär­er Bewe­gun­gen wirk­sam war? Entste­ht eine neue Wirk­lichkeit – zumin­d­est in unserem “west­lichen“ Bere­ich?  Entste­ht ansatzweise eine posthu­mane gesellschaftliche Sub­stanz, aus der in Zukun­ft in der Masse kaum noch frei­heitliche und rev­o­lu­tionäre  Bewe­gun­gen mehr erwach­sen kön­nen? Angesichts ein­er solchen Kon­sti­tu­tion entschei­den­der ökonomisch pro­duk­tiv­er Ele­mente der Gesellschaft würde das Kap­i­tal auf direk­te Repres­sion verzicht­en kön­nen. Es kön­nte kri­tis­chen Intellek­tuellen und Utopis­ten, die es vielle­icht weit­er­hin noch einige Zeit lang geben wird, ohne große Risiken bes­timmte gesellschaftliche Nis­chen zuweisen,  aus denen nie wieder der Funke in eine ten­den­ziell rev­o­lu­tionäre  Masse über­sprin­gen kön­nte, denn die gäbe es nicht mehr.

Selb­stver­ständlich müssten wir solche Gedanken­ex­per­i­mente auch für Chi­na und andere große Gesellschaften – mit wiederum anderen ökonomis­chen und  kul­turellen Voraus­set­zun­gen (z.B. Indi­en) – durch­führen. Im Gegen­satz zu der his­torischen Entwick­lung von bürg­er­lichen Recht­en und all­ge­meinen Emanzi­pa­tion­sansprüchen, die sich in Europa seit min­destens 500 Jahren die Bahn gebrochen hat­ten und jet­zt kassiert zu wer­den dro­hen, ist die chi­ne­sis­che Gesellschaft tra­di­tionell eine Unter­ta­nenge­sellschaft, die keine bürg­er­lichen Rev­o­lu­tio­nen durchgemacht hat; die bedeu­ten­den sozial­is­tis­chen emanzi­pa­tiv­en Ansätze des 20. Jahrhun­derts (Agrar­rev­o­lu­tion, anti­im­pe­ri­al­is­tis­che Kriege, Grün­dung der VR Chi­na 1949 und sozial­is­tis­che Ökonomie) wur­den rel­a­tiv rei­bungs­los durch die neuen kap­i­tal­is­tis­chen Machthaber seit etwa 1980 unterge­but­tert, und ein erneuertes, teil­weise extremes Gehor­samssys­tem, nun­mehr unter kap­i­tal­is­tis­chen Bere­icherungs-Vorze­ichen, greift rel­a­tiv bruch­los auf die alten Herrschaftsmuster zurück.

Doch wenn man in Chi­na ander­er­seits gezwun­gen ist, im Kampf um die Stel­lung des kün­fti­gen Welthege­mons auf alle kreativ­en Poten­tiale zurück­zu­greifen, in Indus­trie und Wis­senschaften, und diese Poten­tiale sys­tem­a­tisch zu erweit­ern und voranzutreiben: wer­den solche Prozesse ihrer­seits nicht auch massen­hafte emanzi­pa­tive Ten­den­zen her­vor­brin­gen, wie das in der europäis­chen Geschichte (incl. der USA) anscheinend ein Grundge­setz war? Wird Chi­na in dieser Hin­sicht Befreiun­gen erleben, wie man sie im west­lichen Kap­i­tal­is­mus nun ein für alle­mal durch tran­shu­man­is­tis­che Manip­u­la­tio­nen aus­rot­ten will?

Und wie entwick­eln sich Gesellschaften und Kul­tur, Arbeit­er­be­we­gung etc. in den großen Bere­ichen, die wed­er dem chi­ne­sis­chen noch dem niederge­hen­den west­lichen Macht­bere­ich solide unter­ge­ord­net sind, bspw. Indi­en und Lateinameri­ka, und die möglicher­weise ihre eige­nen – vielle­icht rev­o­lu­tionären – Wege gehen?

Wie kann eine FL sich vornehmen, Strate­gien für den Kampf gegen den kap­i­tal­is­tis­chen Moloch zu for­mulieren, wenn sie der­gle­ichen Fra­gen bish­er sich kaum vergegenwärtigt?

Wie idyl­lisch erlaubt sie sich zu sein, wenn bspw. in dem – aus dem „Rubikon“ über­nomme­nen – Auf­satz von Eric Anger­er der Stil des 19. Jahrhun­derts kopiert und von der Umwand­lung ein­er Arbeit­erk­lasse „an sich“ in eine „für sich“ gesprochen wird, als könne man von fast allem abse­hen, was mit­tler­weile his­torisch sich entwick­elt hat: von der Spal­tung des inter­na­tionalen Pro­le­tari­ats in die große Masse der Kulis im „Süden“ ein­er- und eine rel­a­tiv sat­uri­erte Rest­masse in den reichen Län­dern ander­er­seits? Von der allmäh­lichen Erset­zung auch dieses vielle­icht doch noch vir­u­len­ten Restes durch ein „Humankap­i­tal“ in dem oben skizzierten Sinne?

Wie abstrakt erlaubt eine FL sich zu sein, wenn sie the­o­retis­che Ausar­beitun­gen wie „Dark Win­ter“ vorgelegt bekommt – dankenswert­er­weise -, worin die kon­se­quente Aus­rot­tungslogik bes­timmter US-impe­ri­al­is­tis­ch­er Spitzen verge­gen­wär­tigt wird, aber sich dann weit­ge­hend unfähig zeigt, die mögliche und erforder­liche Diskus­sion zu führen, in der die konkreten inter­na­tionalen Kräfte- und Inter­essenkon­flik­te eingeschätzt und abge­wogen wer­den, um Ansätze für real­is­tis­che linke Strate­gien zu definieren?

Der Schreiber dieser Zeilen ist kein Fre­und von Trau­rigkeit und res­ig­na­tivem Herumthe­o­retisieren, son­dern nimmt nach Maß­gabe sein­er Kräfte gern und vor­rangig an Aktio­nen des Wider­stands teil. Er hält aber die the­o­retis­che und strate­gis­che Schwäche der FL für ärg­er­lich und gefährlich und erlaubt sich, diese durch gele­gentlich auch pro­voka­tive Sätze möglichst allen zu verdeutlichen.

6 Kommentare

  1. Kiallitas

    Ehrlich gesagt ist jet­zt nichts für mich neu, und wurde mal mehr oder weniger auch in der FL the­ma­tisiert. Wie kommst Du darauf, wir wür­den alle nix davon erahnen? 

    Die FL ist aber mit dem Auf­bau und deren (und anderen) Widrigkeit­en ein­genom­men, so dass ins­ge­samt zu wenig Zeit und Energie mal wirk­lich inten­sivst mit Analy­sen zu beschäfti­gen. Ansätue gab es mehr als genug. Arbeits­grup­pen bzw pri­vat eröffnete Pro­jek­te. Sie müssen nur inten­siv­er genutzt werden.

    Und Bedin­gun­gen dafür geschaffen.

    • elRey

      „Die FL ist aber mit dem Auf­bau und anderen Widrigkeit­en ein­genom­men, so dass ins­ge­samt zu wenig Zeit und Energie [bleibt, sich] mal wirk­lich inten­sivst mit Analy­sen zu beschäfti­gen. Ansätze gab es mehr als genug. Arbeits­grup­pen bzw pri­vat eröffnete Pro­jek­te. Sie müssen nur inten­siv­er genutzt werden.”
      Ich ver­folge das Ganze seit vlt 3, 4 Monat­en über 2 Telegram-Grup­pen (und im Inter­net). „Arbeits­grup­pen bzw. pri­vat eröffnete Pro­jek­te”? – Wo soll man denn von denen Ken­nt­nis erlan­gen? Das arkane Leben der Eingewei­ht­en der trotzk­istis­chen Freien Linken! Auf­bau? Für mich sieht das aus wie eine Kopf­grün­dung einiger Leute und dann der Ver­such, über Telegram-Chats ?! nach unten einen Kör­p­er auszu­bilden. Ohne jede Struk­tur? Und schon geht’s los: Der All­ge­mein-Chat ist von Recht­en über­laufen, in der Region­al­gruppe ist dieser rechts, jen­er nation­al­is­tisch, ein ander­er sex­is­tisch… Zur Zeit läuft erst mal die Große Säu­berung an. Wenn Ihr Eure Zeit nicht mit Dauer-Chat­ten in Telegram ver­brin­gen würdet, hät­tet Ihr Zeit, Euch „inten­sivst mit Analy­sen zu beschäfti­gen”. So nicht! Der Freie Funken ist jeden­falls – für mich – nüt­zlich. Freie Gedanken, freie Mei­n­un­gen, über die man nach­denken kann und die einem ganz woan­ders auch nüt­zlich wer­den. Zum Artikel hätte ich noch ein Zitat von Robert Kurz, Gruppe Kri­sis, der in den 90er Jahren von der „Ver­hauss­chwei­n­ung der Arbeit­erk­lasse” schrieb.

  2. Jean-Marie Jacoby

    1) Die Linke krankt ganz all­ge­mein nicht an zu viel Marx, son­dern an zu wenig. Son­st wäre es vie­len klar, daß Marx die Geset­zmäßigkeit­en her­aus­gear­beit­et hat, die im Kap­i­tal­is­mus wirken und nach denen er funk­tion­iert. Sowohl die Ten­denz zur Konzen­tra­tion als auch die Über­nahme der total­en Macht durch das Finanzkap­i­tal nach Kan­ni­bal­isierung des Han­dels- und Indus­triekap­i­tals, hat Marx voraus­ge­se­hen – und exakt dort sind wir jet­zt auch gelandet.

    2) Ich finde es mehr als kühn, von chi­ne­sis­chem Kap­i­tal­is­mus zu sprechen. Würde gesagt, wir soll­ten uns die Unter­schiede zwis­chen „west­lichem” (USA/EU/japan) und rus­sis­chem Kap­i­tal­is­mus anschauen, würde mein­er Überzeu­gung nach ein Schuh daraus. Verkürzt: im West­en sagt das Kap­i­tal dem Staat, wo’s lang geht, in der Rus­sis­chen Föder­a­tion erk­lärt der Staat seit Putin dem Kap­i­tal, wo’s lang geht.

    3) Die Führung der KPCh erk­lärt, sie sei bemüht in einem Entwick­lungs­land einen entwick­el­ten Sozial­is­mus bis 2030 zu erre­ichen. Tat­säch­lich ist es bere­its gelun­gen, 800 Mil­lio­nen aus der Armut her­auszubrin­gen. Obdachlosigkeit, Anal­pha­betismus wie Malar­ia sind besiegt. Schön, in Sachen Räte-Demokratie, die für Marx sehr wichtig war (und es für mich auch ist), ist mir nichts bekan­nt. Ich bin aber (noch) bere­it, der KPCh wie sein­erzeit Lenin zuzugeste­hen, daß für eine funk­tion­ierende Räte-Demokratie Vorbe­din­gun­gen zu erfüllen sind, anson­sten das in eine Katas­tro­phe führt. Wie Räte-Demokratie funk­tion­ieren kann mit der Auswahl von Kan­di­da­turen für Wahlen über Basiskomi­tees sowie gesellschaftliche Organ­i­sa­tio­nen, mit imper­a­tivem Man­dat, Berichtsspflicht und Abwählbarkeit von Man­dataren ist am Beispiel Kuba zu studieren. 

    3) Was Chi­na anlangt empfehle ich drin­gend sich die dazu auf der Inter­net­seite der Frei­denker zu find­en­den Texte anzuse­hen, begin­nend hier: https://www.freidenker.org/?p=9772 (und nicht Behaup­tun­gen aus der anti-chi­ne­sis­chen Pro­pa­gan­da, die großteils aus der Lügen­fab­rik der CIA und ähn­lich­er „Dien­ste” stammt nachzubeten).

    4) Prax­is ohne The­o­rie führt nir­gend­wohin außer in blind­en Aktion­is­mus, The­o­rie ohne Prax­is ver­sauert im Debat­ten­zirkel. Es gilt The­o­rie und Prax­is frucht­bar zu verbinden.

    Immer auf zu neuen Siegen !

    • Redaktion Freier Funke

      Du kannst davon aus­ge­hen, dass wir alle ver­suchen The­o­rie und Prax­is zu verbinden. Das gilt ger­ade für Wal­ter Grobe, der sehr aktiv im Demon­stra­tions­geschehen der FL ist.

    • Omen Nominandum

      „Die Linke krankt ganz all­ge­mein nicht an zu viel Marx, son­dern an zu wenig.”
      Diesem Abschnitt stimme ich unbe­d­ingt zu.
      Dem Rest nicht.
      Kap­i­tal­is­tisch ist jede Wirtschaft, die Kap­i­tal produziert.
      Die Sow­je­tu­nion eben­so wie die VR Chi­na waren nie etwas anderes als Entwick­lungs­dik­taturen unter dem ide­ol­o­gis­chen Vor­wand des Sozialismus.
      Die The­o­rie der „Über­gangs­ge­sellschaft” (Sozial­is­mus als Vorstufe, Kom­mu­nis­mus als Endziel und ver­heißenes Paradies) dient nur der ide­ol­o­gis­chen Rechtfertigung.

  3. Omen Nominandum

    „Hier, bei uns, geht anscheinend u.a. auch die Bere­itschaft in der arbei­t­en­den Bevölkerung zurück, sich im Beruf zu engagieren, Über­durch­schnit­tlich­es zu leis­ten, während in Chi­na anscheinend eher die Grun­de­in­stel­lung vorherrscht, alle möglichen Härten, auch die eigene Aus­beu­tung durchzuste­hen, um der Nation zu helfen, den Weg an die Welt­spitze zu schaffen.”
    Stimmt das denn? Es gibt keine authen­tis­chen Arbeit­er­stim­men aus Chi­na, nur chi­ne­sis­che Staat­spro­pa­gan­da. Andere Quellen gibt es ja gar nicht. Wal­ter Grobe kann als gebilde­ter Mit­teleu­ropäer bes­timmt kein Chi­ne­sisch (nehme ich an), und er ken­nt höchst­wahrschein­lich keine Chi­ne­sen außer Mao Tse-tung. 

    Ich gehe davon aus, dass gle­iche soziale Ver­hält­nisse auch gle­iche Men­tal­itäten (und poli­tis­che Ein­stel­lun­gen) her­vor­rufen, bei Deutschen, Russen, Amis und eben auch Chi­ne­sen. Deswe­gen gibt es auch keine Nation­alcharak­tere. Ich war zwar auch nie in Chi­na, aber lange genug im „Aus­land”, um zu dieser Mei­n­ung zu kommen.

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