Was heißt Vergesellschaftung?

von Hanns Graaf

Die hier geäußerten Ansichten geben nur die Meinung des Autors und nicht unbedingt die Position der Freien Linken wieder.

Die Freie Linke ist weder politisch noch organisatorisch gefestigt – sie befindet sich im Aufbau, in der Entwicklung. Früher oder später wird sie mit der Frage konfrontiert werden, wie eine zukünftige Gesellschaft aussehen soll. Dafür möchte ich hier einen Beitrag zur Frage der Vergesellschaftung zur Diskussion stellen. Aufgrund der gebotenen Kürze kann er natürlich nur einige Aspekte ansprechen. Eine Vielzahl von weiteren Beiträgen zum Thema findet Ihr auf www.aufruhrgebiet.de.

Allgemein bedeutet Vergesellschaftung, dass die Verfügung über die Produktionsmittel (PM) und die Produktionsverhältnisse (PV) der Gesellschaft bzw. sozialen Kollektiven unterliegen und nicht minderheitlichen Gruppen, egal ob Gilden oder Ständen, Feudalherren, Kapitalisten, Rentiers, Aktionären oder dem Staatsapparat. Wie alle Klassengesellschaften beruht auch der Kapitalismus darauf, dass es eine herrschende Minderheit gibt, welche die ökonomische und staatliche Macht innehat und damit über die PK und die PV bestimmen, um sich einen überproportionalen Anteil am gesellschaftlichen Reichtum und an der administrativen Macht zu sichern.

Der Kapitalismus hat eine Periode der forcierten Entwicklung der PK eingeleitet. Gewinnstreben und Konkurrenz treiben die Entwicklung der PK voran – im Rahmen der kapitalistischen Produktionsweise. Das Bank- und Finanzkapital entstand und große Konzerne bildeten sich heraus, die das wirtschaftliche und soziale Leben der ganzen Welt bestimmen. Die wirtschaftlichen und sozialen Verflechtungen werden immer globaler und komplizierter. Daher wird der Staat als „Regulator“ der Widersprüche der kapitalistischen Gesellschaft immer bedeutender.

Die Grundlage des Kapitalismus ist die Ausbeutung von Lohnarbeit durch die Besitzer der PM. Zwar nehmen Produktion und Distribution im Kapitalismus immer stärker gesellschaftlichen Charakter an, doch die Verfügungsgewalt darüber bleibt trotzdem wesentlich privat. Dazu kommt, dass die Bourgeoisie sich immer weiter vom realen Produktionsprozess, der immer mehr von Managern bestimmt wird, entfernt und oft nur noch als „Cuponschneider“ (Lenin) agiert.

Vergesellschaftung?

Diese „Vergesellschaftung“ im Kapitalismus verbleibt in den Grenzen des Systems und verringert den Zugriff des Proletariats und der Massen auf Produktion und Verteilung und stellt daher keine „echte“ Vergesellschaftung dar. Für Marx bedeutet Vergesellschaftung v.a. Überwindung der Entfremdung, der Unterordnung der ProduzentInnen unter eine „fremde Macht“ und die Beendigung der tradierten Formen von Arbeitsteilung. Marx ging es um die allseitige Befreiung von jeder Form von Unterdrückung, Ausbeutung und Entfremdung; es ging ihm darum, „an die Stelle der alten bürgerlichen Gesellschaft mit ihren Klassen und Klassengegensätzen (…) eine Assoziation, worin die freie Entwicklung eines jeden die Bedingung für die freie Entwicklung aller ist“ zu setzen. (Kommunistisches Manifest)

Die „unechte“, kapitalistische Vergesellschaftung wurde von vielen Theoretikern der II. Internationale an der Wende zum 20. Jahrhundert einseitig als „fortschrittlich“ interpretiert und daraus der Schluss gezogen, dass die Wirtschaft verstaatlicht werden müsse, wobei die Funktionäre der Arbeiterbewegung den Staatsapparat leiten sollten. Diese Strategie ging damit einher, dass der „Weg zum Sozialismus“ nur als eine Summe von Reformen angesehen und der qualitative, revolutionäre Bruch unterschätzt oder abgelehnt wurde. Der Klassenkampf wurde nur noch als ein parlamentarischer und gewerkschaftlicher angesehen. Die von Marx postulierte Zerschlagung des bürgerlichen Staates wurde aufgegeben und durch die Position der Übernahme des Staatsapparats ersetzt. Die „sozialistische“ Wirtschaft sollte eine Staatswirtschaft sein.

Auch Lenin übernahm diese Strategie insofern, als er davon sprach, dass auch Sowjetrussland eine staatskapitalistische Wirtschaft brauche, diese jedoch – und das war die Differenz zur II. Internationale – der Regie eines proletarischen, nicht eines bürgerlichen Staates unterstehen solle. Für Lenin war dieser „Staat“ ein Rätesystem, das er aber nirgends genauer beschrieben hat. In der Praxis mutierte er schon bald zu einem bürokratischen Parteistaat. Ursachen dafür waren einerseits ungünstige objektive Verhältnisse (Bürgerkrieg), andererseits eine einseitig etatistische Wirtschafts-, Staats- und Gesellschaftskonzeption der Bolschewiki, die sich u.a. in der Unterschätzung bzw. Ablehnung von Strukturen proletarischer Selbstverwaltung zeigte.

Zwar trat Lenin im Unterschied zur II. Internationale für die Revolution und für die Enteignung des Kapitals ein, doch sein Ziel – eine Staatswirtschaft (zumindest für die Übergangsphase) – war sehr ähnlich dem der Reformisten. Die Folge dieser Strategie war, dass die Verfügungsgewalt des Proletariats über die PM, die es 1917 mit der Revolution begonnen hatte zu übernehmen, unterminiert und von Stalin schließlich beseitigt wurde. Es bildete sich eine Schicht von Bürokraten, die nun anstelle der enteigneten Bourgeoisie und des entmachteten Proletariats als neuer Manager auftrat und schließlich zur herrschenden Klasse in einem staatskapitalistischen System wurde.

Marx und Engels

Marx hat immer alle Konzeptionen, die das Proletariat „beglücken“ wollten, anstatt deren Selbstständigkeit und Selbstorganisation zu fördern, kritisiert. Im Kommunistischen Manifest heißt es dazu etwa: „Die Erfinder dieser Systeme sehen zwar den Gegensatz der Klassen wie die Wirksamkeit der auflösenden Elemente in der herrschenden Gesellschaft selbst. Aber sie erblicken auf der Seite des Proletariats keine geschichtliche Selbsttätigkeit, keine ihm eigentümliche politische Bewegung.“

Zwar haben Marx und Engels keine Konzeption einer nachkapitalistischen Ökonomie erarbeitet, doch unterschieden sich ihre Auffassungen grundsätzlich von denen der II. Internationale oder auch Lenins.

So schrieb Friedrich Engels: „Aber weder die Verwandlung in Aktiengesellschaften und Trusts noch die in Staatseigentum hebt die Kapitaleigenschaft der Produktivkräfte auf. Bei den Aktiengesellschaften und Trusts liegt dies auf der Hand. Und der moderne Staat ist wieder nur die Organisation, welche sich die bürgerliche Gesellschaft gibt, um die allgemeinen äußeren Bedingungen der kapitalistischen Produktionsweise aufrechtzuerhalten gegen Übergriffe sowohl der Arbeiter wie der einzelnen Kapitalisten. Der moderne Staat, was auch seine Form, ist eine wesentlich kapitalistische Maschine, Staat der Kapitalisten, der ideelle Gesamtkapitalist. Je mehr Produktivkräfte er in sein Eigentum übernimmt, desto mehr wird er wirklicher Gesamtkapitalist, desto mehr Staatsbürger beutet er aus. Die Arbeiter bleiben Lohnarbeiter, Proletarier. Das Kapitalverhältnis wird nicht aufgehoben, es wird vielmehr auf die Spitze getrieben. Aber auf der Spitze schlägt es um.

Das Staatseigentum an den Produktivkräften ist nicht Lösung des Konflikts, aber es birgt in sich das formelle Mittel, die Handhabe der Lösung. Diese Lösung kann nur darin liegen, dass die gesellschaftliche Natur der modernen Produktivkräfte tatsächlich anerkannt, dass also die Produktions-, Aneignungs- und Austauschweise in Einklang gesetzt wird mit dem gesellschaftlichen Charakter der Produktionsmittel. Und dies kann nur dadurch geschehen, dass die Gesellschaft offen und ohne Umwege (sic!) Besitz ergreift von den jeder anderen Leitung außer der ihrigen entwachsenen Produktivkräften.“ (MEW 19, S. 221/222)

Nirgends haben Marx und Engels die Vorstellung geäußert, dass die nach-kapitalistische Wirtschaft eine Staatswirtschaft sein solle – schon deshalb nicht, weil sie davon ausgingen, dass der Staat im Kommunismus „abgestorben“ wäre. Auch die von ihnen durchaus geforderte Verstaatlichung (im Sinne von Enteignung des Kapitals) darf nicht so verstanden werden, da die Verstaatlichung nur einen ersten Schritt, die Enteignung der Kapitalisten, darstellt. Mehrfach betonte Marx auch, dass die ProduzentInnen (die ArbeiterInnen) direkten Zugriff auf die PM haben sollen, ohne dass ein „separater“, „abgehobener“ Staatsapparat dazwischen tritt. Staatseigentum aber bedeutet notwendig, dass das Lohnarbeitsverhältnis (wenn auch in modifizierter Form) bestehen bleibt. Auch Lenin betonte in „Staat und Revolution“, dass die Arbeiterklasse zu „Staatsangestellten“ werden solle.

Engels hingegen meinte: „Die deutsche Arbeiterpartei erstrebt die Abschaffung der Lohnarbeit und damit der Klassenunterschiede vermittelst Durchführung der genossenschaftlichen Produktion in Industrie und Ackerbau auf nationalem Maßstab.“ (ebenda)

Schon in seinen Frühschriften führt Marx aus, worauf Sozialismus und wirkliche Vergesellschaftung beruhen: auf „Individuen, die vereint sind auf der Grundlage der gemeinsamen Aneignung und Kontrolle der Produktionsmittel“. (Grundrisse der Kritik der politischen Ökonomie)

Engels hebt für den Sozialismus hervor: „Die eigene Vergesellschaftung der Menschen, die ihnen bisher als von Natur und Geschichte aufgezwungen gegenüberstand, wird jetzt ihre eigene freie Tat. Die objektiven, fremden Mächte, die bisher die Geschichte beherrschten, treten unter die Kontrolle der Menschen selbst. Erst von da an werden die Menschen ihre Geschichte mit vollem Bewusstsein selbst machen, erst von da an werden die von ihnen in Bewegung gesetzten gesellschaftlichen Ursachen vorwiegend und in stets steigendem Maße auch die von ihnen gewollten Wirkungen haben. Es ist der Sprung der Menschheit aus dem Reiche der Notwendigkeit in das Reich der Freiheit.“ (Anti-Dühring)

Eine „sozialistische“ Staatswirtschaft hingegen bedeutet, dass anstelle des Kapitals erneut eine  „fremde“, „aufgezwungene“ Macht statt der direkt demokratischen Organe der ProduzentInnen und KonsumentInnen entscheidet. Die Entfremdung, die Entmachtung bleiben bestehen – sie haben nur die Form gewechselt.

Eng mit Vorstellungen einer Vergesellschaftung verbunden war in der II. Internationale, im Bolschewismus und bei Stalin die Idee der Überwindung der Marktbeziehungen und der Konkurrenz durch eine geplante Wirtschaft. Auch Marx und Engels sahen das so. Doch verstanden sie darunter eine Planung durch Organe, die von den ProduzentInnen und KonsumentInnen demokratisch bestimmt werden und nicht von einer staatlichen Zentrale. Zumindest müsste der proletarische „Staatsapparat“, soweit er noch nötig ist, der Kontrolle der Basis unterliegen. In der UdSSR wurde diese Kontrolle ab 1918 jedoch immer weiter eingeschränkt und schließlich bis Ende der 1920er beseitigt.

Nach Marx wäre das Ziel einer geplanten proletarischen Ökonomie nicht mehr die Erwirtschaftung von Profit, sondern die Befriedigung der Bedürfnisse der Gesellschaft. Somit stehe auch nicht mehr der Tauschwert, sondern der Gebrauchswert im Zentrum. Anstatt von Geld und Preis würde der Verbrauch von Ressourcen, v.a. die Arbeitszeit, zum Vergleichsmaßstab.

Obwohl Trotzki, der mit Lenins politischer Strategie sonst übereinstimmte, einen energischen Kampf gegen den Stalinismus führte, vertrat auch er die Ansicht, dass eine Staatswirtschaft notwendig sei. Allerdings wollte er diese demokratisieren, d.h. die rätedemokratischen Elemente  stärken. Doch auch eine demokratisierte Staatswirtschaft bleibt eine Staatswirtschaft. Bis ans Lebensende weigerte sich Trotzki einzusehen, dass die UdSSR ein staatskapitalistisches Regime und die Bürokratie zu einer neuen herrschenden Klasse geworden waren. Infolge dessen plädierte er ab den 1930ern für den Sturz der Bürokratie durch eine politische – nicht eine soziale (!) – Revolution.

Die falsche Vorstellung von „Vergesellschaftung“, die mit Verstaatlichung „verwechselt“ wird, prägt auch heute noch große Teile der Linken und die Arbeiterbewegung. Die Notwendigkeit und Möglichkeit der Schaffung von proletarischer Selbstverwaltung in vielen Bereichen der Gesellschaft wird unterschätzt oder abgelehnt. Stattdessen wird nur nach dem Staat gerufen, wenn es darum geht, soziale, wirtschaftliche, ökologische u.a. Probleme zu lösen. Bestenfalls wird eine „Verstaatlichung unter Arbeiterkontrolle“ gefordert. Diese Orientierung verstärkt aber nicht nur die Illusionen in den (bürgerlichen) Staat, sie unterminiert auch das Klassenbewusstsein und die Versuche des Proletariats, sich ohne und gegen Staat und Kapital zu organisieren.Viele MarxistInnen behaupten absurderweise sogar, dass Marx und Engels Genossenschaften abgelehnt hätten. In der Programmatik der meisten linken Gruppen tauchen Genossenschaften nicht einmal als Begriff auf. Selbst auf die eigenen Erfolge, z.B. die Kinderladen-Bewegung, wird nicht Bezug genommen.

So kann der Kommunismus als freiheitlich-humanistische Alternative zum Kapitalismus, die praktisch in Angriff genommen werden muss, nicht dargestellt werden. Die Schaffung von genossenschaftlich-selbstverwalteten sozialen und wirtschaftlichen Strukturen schon im Rahmen des Kapitalismus und deren rätedemokratische Vernetzung ist ein wichtiger Bereich, in dem das Proletariat in Ansätzen gesellschaftliches und wirtschaftliches „Management“ erlernen kann und wo sich – wenn auch nur in Keimform – eine andere kooperative, solidarische Gesellschaftlichkeit entwickeln kann.

Unter dem Einfluss des Reformismus wurden Genossenschaften meist nur als ökonomische Selbsthilfe-Unternehmen angesehen. Sie können und müssen aber zugleich – und vor allem –Strukturen sein, wo sich tendenziell anti-kapitalistische Potentiale bilden, die mit dem Klassenkampf des Proletariats, der Arbeiterbewegung und dem Ziel der Revolution verbunden sind. Wer den Frontabschnitt der „sozialen Selbstorganisation“ nicht besetzt, wird den Klassenkrieg nicht gewinnen können.

7 Kommentare

  1. Valentina Zweifel

    Dieser Marx muss ein echter Spätzünder gewesen sein, wenn er mit 40 Jahren noch an seinen Frühschriften werkelte. Warum einer viele Jahre seines Lebens mit der Kritik der politischen Ökonomie zubringt, letztlich nur mit dem „Ziel einer geplanten proletarischen Ökonomie“, das seinen logischen Anfang und Ende in einer selbstausbeuterischen, genossenschaftlichen, staatsabhängigen Kinderladen-Bewegung hatte und fand, hat dieser Marx nicht irgendwo mal erklärt? Von Proll zu Autor: Schieb dir dein Erlernen von gesellschaftlichem und wirtschaftlichem „Management“ in den Arsch! Wenn´s doch dazu kommt, dass die Menschen wieder Gebrauchswerte statt Müll herstellen wollen, werden wir das Kind schon schaukeln – dafür brauchen wir Klugscheißer, wie dich, nicht. Und noch was: Du zitierst doch Engels selber, der schreibt: „Die deutsche Arbeiterpartei erstrebt die Abschaffung der Lohnarbeit und damit der Klassenunterschiede vermittelst Durchführung der genossenschaftlichen Produktion in Industrie und Ackerbau auf nationalem Maßstab.“ Keine Ahnung, welchen Maßstab du, Autor, dir so vorstellst für deine Nationen, in denen genossenschaftlich produziert und gearbeitet wird. Mir schwant, es wird ein Flickenteppich – da sind die gerade aktuellen Corona-Landkarten ein Scheißdreck gegen. Und noch was: Wenn du Probleme mit dem generischen Maskulinum hast, dann verwende, was immer du für richtig hältst, aber mache deine Probleme nicht zu denen von Marx. Zeige mir eine Stelle bei Marx, wo er von ArbeiterInnen spricht. Und sei bitte so konsequent und sprich dann auch von KapitalistInnen.

  2. hanns graaf

    Schade, dass Du nicht einfach etwas Sachliches zur Sache sagst. MfG HG

    • Valentina Zweifel

      Wer mit Polemik nichts anzufangen weiß, sollte mit Marx erst gar nicht versuchen zu argumentieren. Vor 150 Jahren, im Mai 1871, ersoff die proletarische Antwort auf die Frage der Vergesellschaftung der Produktionsmittel im Blut der Proletarier. Die sind beim heutigen Stand der Entwicklung der Produktivkräfte überflüssig, was und wie produziert wird, interessiert schon lange keinen mehr. Pohrt schrieb in seiner Vorbemerkung zur Neuausgabe seiner ‚Theorie des Gebrauchswerts – Über die Vergänglichkeit der historischen Voraussetzungen, unter denen allein das Kapital Gebrauchswert setzt‘: „Zum einen ist beispielsweise im Wort von der ‚Wegwerfgesellschaft‘ mehr als nur der Gebrauch von Einwegflaschen gefaßt. Es kennzeichnet das Verhältnis der Menschen zu einer Welt, an der sie nicht mehr hängen, weil diese Welt, ob nun, rein technisch betrachtet, Müll oder nicht, für sie unbrauchbar geworden ist – nicht unbedingt als Konsumtionsmittel schon, aber, was mindestens so wichtig ist, als ‚Domäne ihres Willens‘ (Marx).“
      Die Frage nach der Vergesellschaftung stellte sich erst wieder, wenn die Produktion des ganzen Plunders, mit dem sich die Menschen zumüllen lassen, gestoppt wurde. Es wäre also zu diskutieren, ob Marxens Kritik der Maschinenstürmerei nicht ihre Berechtigung nur für eine bestimmte Zeit hatte und heute schon deshalb nicht mehr gilt, weil wir vielleicht Zeugen des dialektischen Umschlags der Entwicklung der Produktivkräfte in reine Destruktivkräfte sind.

  3. hanns graaf

    „Die sind beim heutigen Stand der Entwicklung der Produktivkräfte überflüssig, was und wie produziert wird, interessiert schon lange keinen mehr.“

    Angesichts dessen, dass das Gros der Menschheit unter Mangel an fast allem leidet, was das Leben ausmacht, ist Deine Position zynisch. Marx hat sich immer für die Weiterentwicklung der Produktivkräfte ausgesprochen, daher auch seine Vorstellung des Kommunismus als Überflussgesellschaft. Das ist auch heute richtig. Erst die ganze „Öko“-Ideologie des Club of Rome u.a. bürgerlicher Kräfte, der sich fast die gesamte Linke angeschlossen hat, hat die reaktionäre Schnapsidee des „Fortschritts“ durch Verzicht salonfähig gemacht. Ziel muss aber nicht keine Produktion sein, sondern eine andere Produktionsweise. Das bedeutet Vergesellschaftung. Verstaatlichung ist keine wirkliche Vergesellschaftung. Wenn Du glaubst, Vergenossenschaftlichung bedeutet Selbstausbeutung, dann irrst Du. Natürlich müssen Genossenschaften aber in eine gesamtgesellschaftliche Planung eingebunden sein. Das steht im Text auch drin.

    • Valentina Zweifel

      Dann irre ich – wen interessierts?

      • Valentina Zweifel

        Die Irren werfen dem Irren das Irren vor. Die Irren erheben diesen Vorwurf, um sich ihr Irren durch und über die Welt nicht eingestehen zu müssen. Tatsächlich irren sie nie, weil sie nicht irren, dass das Irren zum Irren gehört. Es mag sein, dass nur der Irre imstande ist, den Irrsinn dieser Welt (also die Wirklichkeit) zu erkennen. Was folgte daraus, wäre es tatsächlich so? Die Irren werfen dem Irren das Irren vor.

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