Offener Brief für mehr Menschlichkeit in der Corona-Krise

Wir veröf­fentlichen hier mit Zus­tim­mung der Ini­tia­toren den Offe­nen Brief an alle Schulleitun­gen und Kol­legien der Waldorfschulen.

Ein Brief an die Schulleitun­gen und Kol­legien der Wal­dorf­schulen bundesweit.

Das Ziel ist es, diesen Brief auszu­druck­en und an soviele Schulen wie möglich zu schick­en und zwar via Post.

Wenn du die Men­schlichkeit in der Coro­na-Krise fördern möcht­est, dann unter­schreibe jet­zt den offe­nen Brief und schicke ihn via Post an deine lokale Schule.

Bitte teilt den Brief, der hier als PDF-Datei zu find­en ist, in eurem Fre­un­des- und Bekanntenkreis!

Offen­er Brief für mehr Men­schlichkeit in der Corona-Krise

An die Schulleitun­gen und Kol­legien der Wal­dorf­schulen bundesweit.

Wir als ehe­ma­lige und aktive Schüler und Eltern der freien Wal­dorf­schulen sor­gen uns um das Beste­hen eines human­is­tis­chen, ganzheitlichen Men­schen­bildes und befürcht­en einen neuen Anti­hu­man­is­mus, welch­er Gesund­heit als Abwe­sen­heit von Krankheit definiert und den Men­schen einzig und alleine auf den Kör­p­er reduziert.

Die Coro­na-Sit­u­a­tion hat nicht nur zu den stärk­sten Ein­schränkun­gen der Grun­drechte seit dem Beste­hen der Bun­desre­pub­lik geführt, son­dern auch zum Entste­hen eines Men­schbildes beige­tra­gen, welch­es auf der Angst vor allem Men­schlichem gegrün­det ist.

Wir befind­en uns in ein­er exis­ten­ziellen Sinnkrise, was bedeutet es am Leben zu sein?

Beste­ht der Sinn des Lebens darin zu überleben?

Oder geht es darum, das Leben auszu­drück­en, indem man viel draußen in der Sonne ist und dem Leben Leben ver­lei­ht mit Tanz, Spiel, Musik und Lachen und Gemeinschaft?

Die Angst vor Andersdenkenden

Feind­bilder wer­den aufge­baut, der Ander­s­denk­ende wird als Bedro­hung gese­hen, als Covid­iot, als gefährlich­er Coro­na-Leugn­er, als poten­zieller Großel­tern-Mörder und nicht mehr als Men­sch wie du und ich.

Der Ander­s­denk­ende wird nicht mehr als füh­len­des Wesen gese­hen, son­dern als ein poli­tis­ches Objekt, sein Grun­drecht auf Ver­samm­lungs­frei­heit wird infrage gestellt, seine Träume und Wün­schen und Gefüh­le wer­den ignori­ert und sein Men­sch­sein einzig und alleine auf seine Grup­pen­zuge­hörigkeit reduziert.

Wir soll­ten davon abse­hen, andere Men­schen mit unser­iösen und undif­feren­zierten Etiket­ten zu verse­hen, lasst uns aufeinan­der zuge­hen und ins Gespräch kom­men, lasst uns eine ruhige und besonnene Debat­te führen, hart in der Sache, aber mod­er­at im Ton (for­titer in re, suaviter in modo).

Dies fordern auch namhafte Intellek­tuelle in einem Man­i­fest ‘Für die offene Gesellschaft’, welch­es in der Wochen­zeitung ‘Der Fre­itag’ erschienen ist.

Die Unterze­ich­n­er, darunter auch Sven­ja Flaßpöh­ler, Chefredak­teurin des Philoso­phiemagazins, rufen zu einem besonnenen Aus­tausch jen­seits von Kon­for­mitäts­druck, Schwarz-Weiß-Denken und Lager­bil­dung auf.

[Quelle: https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/fuer-die-offene-gesellschaft‑1]

Lasst uns die Kinder nicht wie poten­zielle Krankheit­süberträger, wie Massen­spread­er und Gefährder behan­deln, diese Sicht auf den Men­schen ist zutief­st unmen­schlich und ver­nach­läs­sigt das spir­ituelle Poten­zial der Kinder Krisen zu überwinden.

Der 5. Artikel der all­ge­meinen Erk­lärung über Bioethik und Men­schen­rechte legt fest: ‘Die Frei­heit ein­er Per­son, selb­ständig eine Entschei­dung zu tre­f­fen, für die sie die Ver­ant­wor­tung trägt und bei der sie die Entschei­dungs­frei­heit ander­er achtet, ist zu acht­en’, somit ist die in mehreren Bun­deslän­dern kür­zlich einge­führte Testpflicht an Schulen ein nicht hin­nehm­bar­er Ver­stoß gegen die all­ge­meine Erk­lärung über Bioethik und Menschenrechte.

Ein Lock­down der Unmenschlichkeit

Wir bit­ten sie, das seel­is­che Leid der Kinder mit in Betra­cht zu ziehen, wenn es um die Umset­zung des dig­i­tal­en Unter­richts geht.

Die Schü­lerin Liv McNeil hat die Auswirkun­gen der sozialen Iso­la­tion, verur­sacht durch den Lock­down und dig­i­tal­en Unter­richt, sehr ein­drück­lich und berührend in einem Kurz­film aus­ge­drückt. Den Film sollte jed­er Päd­a­goge gese­hen haben, sie find­en den Film, indem sie “numb liv mcneil’ in die Such­mas­chine eingeben oder unter fol­gen­dem Link.

[https://www.youtube.com/watch?v=iSkbd6hRkXo]

Wis­senschaftliche Stu­di­en bestäti­gen, was viele schon lange ver­muten, dass soziale Iso­la­tion im höch­sten Grade unge­sund ist, sie führt zu Demenz [1] zu erhöhter Inflam­ma­tion [2] und zu Depres­sion [3].

Laut Dr. Lis­sa Rankin erhöht sich das Ster­berisiko durch Luftver­schmutzung um 6%, durch Adi­posi­tas um 23%, durch Alko­holmiss­brauch um 37% und durch Ein­samkeit um 45%. [4]

Wie der amerikanis­che Autor Charles Eisen­stein schreibt:

Ein Großteil des öffentlichen Diskurs­es, von der Gesund­heitsver­sorgung bis zur Außen­poli­tik, dreht sich um Sicher­heit, Schutz und Risiko. Auch in der Covid-19-Poli­tik geht es darum, wie man möglichst viele Todes­fälle ver­hin­dern kann und wie man die Men­schen sich­er hält. Werte wie die uner­messlichen Vorteile des Spie­lens, des gemein­samen Sin­gens oder Tanzens, der kör­per­lichen Berührung und des men­schlichen Miteinan­ders sind nicht Teil der Berech­nun­gen. Warum eigentlich?”

(Quelle: https://charleseisenstein.org/essays/numb/)

Ich denke, wir stim­men alle zu, dass es wichtig ist Men­schleben zu ret­ten, die Frage, die Eisen­stein in seinem Essay ‘Numb’ aufwirft, soll­ten wir nicht vergessen: Was ist der Sinn des Lebens?

Ist der Sinn des Lebens das bloße Über­leben, die bloße Fort­dauer der Exis­tenz, oder geht es mehr darum, das Leben zu leben, es mit schö­nen Erin­nerun­gen zu füllen, mit Lachen und Musik und Berührung und Fre­und­schaft und Gemein­schaft. Dür­fen wir diese Werte vol­lends aufgeben für ein ster­iles und ein­sames Dasein?

Der Men­sch ist kein abtrennbares Indi­vidu­um, son­dern immer ver­woben in eine Gemein­schaft, in diesem Sinne ist die Spal­tung der Gesellschaft auf­grund der Coro­na-The­matik eine ele­mentare Gefahr für das gesunde Zusam­men­leben der Men­schen in unser­er Zivilisation.

Der Dia­log als Fahrzeug des Fortschritts

Der Dia­log ist eine der fun­da­men­tal­sten Ent­deck­un­gen der Men­schheit, mit dem Rad began­nen die Men­schen sich über weite Strecke fortzube­we­gen, aber erst mit der Erfind­ung des Dialoges blühte der Han­del und geistiger Fortschritt auf.

In diesem Sinne lasst uns runde Tis­che bilden und eine ruhige, besonnene Debat­tenkul­tur etablieren, jen­seits ober­fläch­lich­er Etiket­tierun­gen und Schuldzuweisun­gen, gegrün­det auf der gewalt­freien Kom­mu­nika­tion von Mar­shall B. Rosen­berg und inspiri­ert von Rudolf Stein­ers Philoso­phie des freien Geisteslebens.

Was haben wir zu ver­lieren? Wollen wir in dieser Krise als Einzel­gänger unterge­hen oder als Gemein­schaft wach­sen? Es ist unsere Entscheidung.

Quellen:

1: https://www.news-medical.net/news/20190803/Social-contact-could-play-an-important-role-in-staving-off-dementia.aspx

2: https://www.pnas.org/content/112/49/15142

3. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/16594799/

4: The #1 Pub­lic Health Issue Doc­tors Aren’t Talk­ing About | Lis­sa Rankin | TEDxFargo

2 Kommentare

  1. Jordan

    Ich bin ganz der Mei­n­ung dieses Schreibens und fordere eben­falls die Men­schlichkeit in den Vorder­grund zu stellen.
    Über­leben über alles zu stellen und den wichtig­sten Men­schen, den Kindern ihr Leben zu nehmen ihrer Erfahrun­gen im Umgang mit anderen uneingeschränkt zu berauben. Lasst dem Leben seinen Lauf mit durch­lebten Infek­tio­nen wie es schon immer funktionierte.

  2. Alexandra rEUTER

    ich bin ganz Eur­er Mei­n­ung was ihr hier mit viel Engage­ment geschrieben habt. Dieser Brief für die Wal­dorf­schule ist sehr gut. Wir haben im let­zten Jahr schon einen Brief an die Lehrer u. Eltern­schaft gemailt. Die Res­o­nanz war eine Katas­tro­phe. U. auch jet­zt erre­iche ich nur eine Hand voll Men­schen die sich an unser­er Schule posi­tion­ieren. Trotz­dem werde ich weit­er­ma­chen. Danke für euer Engagement.
    Gruß
    A. Reuter

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