Offener Brief an den Bundesvorstand der Partei Die Grünen

Hallo Leute,

Ich bin Mitglied im KV Kreuzberg-Friedrichshain. Seit Jahren beobachte ich Tendenzen bei den Grünen, die mit dem, was ich unter „Grün“ verstehe, nichts zu tun haben. Aus der einstigen Friedens- und Umweltpartei mit sozialem Anspruch ist ein Karriere- und Machtnetzwerk geworden, dem wirkliche politische Anliegen fehlen. Das schließt nicht aus, dass Aussagen moralisch begründet werden. Nur: Es ist geheuchelt, die innere Betroffenheit und der Wunsch nach Veränderung, der die Gründung der Grünen trug, ist einer pseudomoralischen Selbstdarstellung, der Wunsch nach Frieden, nach ökologischer Lebens- und Wirtschaftsweise, nach sozialer Gleichheit und Basisdemokratie einer kapitalismuskonformen, zynischen Kommunikationsstrategie gewichen.

Diese Veränderung der Grünen spiegelt sich natürlich auch in der Programatik und dem praktischen Tun wider. So sind z. B. Bundeswehreinsätze im Ausland schon o. k., Friedenspolitik heißt jetzt Sicherheitspolitik (welch ein Hohn, Orwell lässt Grüßen), Russland ist böse, und die Lösung der ökologischen Frage soll jetzt im Elektroauto liegen. Alles prima, alles toll, dann klappt’s auch mit den Konzernen und Mächtigen dieser Welt, und eine Mitgliedschaft in der Partei ist auch kein Karrierehindernis in der schönen, neuen Welt des neoliberalen Turbokapitalismus.

Und dann wurde auch noch die Basisdemokratie geopfert. Schlimmer und für mich verstörender als die Streichung von Plebisziten aus dem Grundsatzprogramm ist für mich die Begründung, die, natürlich nur hinter vorgehaltener Hand, von vielen gegeben wird: Man hat Angst vor den Entscheidungen des Volkssouveräns. Da kann ich dann nur sagen: Wer so denkt, ist kein Demokrat – Demokraten verstehen die ihnen verliehene Macht als hohes Gut, das ihnen vom Volk anvertraut wird. Genau so tragen Parteien laut Verfassung zur politischen Willensbildung bei, es ist aber nicht ihre Aufgabe, diese Willensbildung zu dominieren und mit verlogenen, manipulativen Kommunikationsstrategien zu beeinflussen. Diese Haltung ist antidemokratisch, und so kann ich nur bedauernd feststellen: Ich bin Mitglied einer antidemokratischen Partei.

Die Rolle der Grünen in der aktuellen „Corona-Krise“ hat dann dem Fass den Boden ausgeschlagen. Wo früher mal Toleranz gegenüber anderen Meinungen herrschte, regiert jetzt eine abwertende, totalitäre Rhetorik der „Aluhüte“, „Verschwörungstheoretiker“ und „Corona-Leugner“. Solche Abwertungen gegenüber Menschen sind unterstes Springer-Niveau, sie vermeiden augenscheinlich eine inhaltliche Auseinandersetzung, und sie sind Ausdruck einer völlig elitären, antidemokratischen Haltung, die Andersdenkende ausgrenzt statt ihre einzelnen Argumente zu prüfen, und bei Stichhaltigkeit die eigene Haltung zu überdenken. Gut, um in einer von kapitalistischen Medienkonzentrationen beherrschten Gesellschaft mitzuschwimmen, schlecht für den demokratischen Anspruch.

Und so bleibt mit aus Gewissensgründen eigentlich nur der Schritt, den ich aus sentimentalen Gründen schon viel zu lange vor mir herschiebe: Ich trete aus diesem antidemokratischen Scheißverein endlich aus. Und Euch zum Abschied noch ein Gruß, und der von ganzem Herzen:

Fickt Euch, Ihr rückgratlosen Büttel der Reichen und Mächtigen. Möge Euch der Anus des Kapitalismus zur warmen, wohligen Heimstatt werden, bis ihr Eure Aufgabe erfüllt habt und nach der Verdauung den Lokus des entfesselten Kapitals hinunter gespült werdet.

Gerd

11 Kommentare

  1. Anonymous

    Hallo Gerd,

    Du sprichst mir aus der Seele!

    Danke

  2. hanns graaf

    Gute Einschätzung! Die Aufgabe der Linken wäre es gewesen, die falsche Methodik, die Unwissenschaftlichkeit der „grünen“ Politik, des Club of Rome usw. aufzudecken. Das hat sie nicht vermocht, stattdessen bewegt sie sich in deren Windschatten. Der Unsinn der Klimakatastrophe und die fatale Energiewende werden von Linken unterstützt, statt sie abzulehnen. Das ist ein Grund, warum die Linke so schlecht dasteht.

  3. Rheeno Berlin

    Hört auf mit Eurem Geluller die Kieze zu versiffen und verwendet nicht Worte wie Solidarität. Eure Demo war der blanke Witz und der traurige Haufen war eher lächerlich anstatt bewegend oder aufklärend. Das Querdenken Gelaber will hier kaum einer hören. Ihr nennt Euch freie Linke, ihr seid also freiere Linke als andere Linke? Was is das für ein Witz? Schnappatmungsreden, Pseudoinfornationen und wieder genug ohne Maske und Co, die Polizei hat super reagiert und super gearbeitet auch wenn ihr immer nach Verhältnismässigkeit gegrölt habt. Wo wir bei dem Wort sind:was ihr zu den Massnahmen auslegt als Argumente ist genauso Unverhältnusmässig wie Eure Schnappatmungstiraden unsinnig waren. Geht woanders demonstrieren, nächstes mal fliegen Eier! Das Ihr das durchziehen könnt ist Demokratie. Aber auch das Leute Euch asozial und dumm finden ist Demokratie. Die lächerlichen 50 Hampelmänner am Ende der Demo sind ein Beweis dass ihr weder denken noch adequat demonstrieren könnt. Geht jemand anderem wo anders auf die Kette und klöppelt Euch Euren Telegram Schund zusammen. Von Konzernen reden aber bei Rewe einkaufen und einmal die Woche Flaggen bei Amazon bestellen…
    100 mal ausgelacht. Ihr schränkt das Leben derer ein, die sich den ganzen Samstag euer Gelaber anhören müssen daheim. F…. off!

    • hanns graaf

      Ich war auch auf der Demo. Was Du hier schreibst, hat mit der Realität nichts zu tun. Wenn Du die Corona-Politik von Merkel und Co. so toll findest, solltest Du in die CDU eintreten und Dich von linken Demos fernhalten.

  4. Rheeno Berlin

    Hallo Gerd,
    Fick Dich doch einfach selbst und schreib nich so ne Gülle als offizielle Briefe an ne Partei. Polemisches Stammtischgebrabbel und nenn Deine Mitmenschen nicht Büttel die Deine ranzig stinkende Lokusmeinung nicht mitgrölen. Onanier doch eindach mehr und verbring weniger Zeit unter Deinem zu stramm gezwirbelten Kapitalismus Aluhut. Der Brief ist so lächerlich wie Deine Pseudolinke Antikapital Schwurbelei und Klimakeise Leugnung. Steck Dir das quer in Deinen zu engen Anus!

    • Tony

      Das Daueronanieren darf wohl dir überlassen werden, das sich selber Ficken ist dir mangels Beweglichkeit nicht möglich. Vergiss nicht beim Wichsen manchmal die Hand zu wechseln.

  5. Tony

    Die heutigen Armani-Grünen haben mit der ursprünglichen Bewegung nichts mehr zu tun. Die grüne Bewegung des 20. Jahrhunderts entstand aus umweltbesorgten und friedensbewegten Menschen, aus Anti-AKW, aus Ant-Pershingraketen, z. T. aus der antiäutoritären Bewegung und solchen Gruppen. Die heutigen Grünen dagegen sind kapitalismustreue Neoliberale mit einer leichten Tendenz zu Klimaschutz, so dieser neoliberal verwertbar ist, wo nicht, steht er nicht auf der Agenda. Eine Baerbock, ein Habeck sind die neuen Schröders und Merkels.

    • scilla

      die GRÜNEN haben Angst vor Corona und würden als Regierung noch viel stärker einschränken, als es Merkel tut

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