„Kühe, Schweine, Ostdeutschland“. Warum ich die Antifa verlassen habe.

Kritik eines Häretikers. Ein Meinungsbeitrag

Im folgenden Essay werde ich aufzeigen, wie ein Freund-Feind-Denken und Dialog-Verweigerung nicht zum linken Traum von Utopia führt, sondern zurück in dunkelste Barbarei.

Man könnte mich als Häretiker und Ketzer des linken Dogmatismus beschreiben, aber mein Anliegen ist keinesfalls die Diffamierung linker Werte, sondern der Ruf nach höheren Standards und Authentizität.

Ein Häretiker ist jemand, der nicht mit einer etablierten Einstellung, Doktrin oder einem Prinzip konform geht. In der Theologie wird Häresie wie folgt definiert: Ein bekennender Gläubiger, der religiöse Ansichten vertritt, die im Gegensatz zu denen stehen, die von seiner Kirche akzeptiert werden oder Lehren ablehnt, die von dieser Kirche vorgeschrieben werden.

Folgen wir dieser religiösen Definition und dehnen sie auf sie auf politische Parteien aus, so wäre ein Häretiker jemand, der öffentlich von den Doktrinen seiner eigenen Gruppe abweicht.

In diesem Sinne bin ich ein Häretiker der linksautonomen Szene, der ich mich für über ein Jahr zugehörig gefühlt habe.

Vielleicht war es durch das Lesen von Marshall B. Rosenbergs Buch „Gewaltfreie Kommunikation, dass ich meine Meinung fundamental änderte, oder es waren Begegnungen mit radikalen Israel-Fans, welche den Namen eines Panzers als ihren Wiedererkennungscode nutzten und lautstark „Bomber Harris do it again” skandierten.

Ketzer hatten es zur Hochzeit der katholischen Kirche nicht einfach und auch heute droht jedem Häretiker, der die vorherrschende Meinung infrage stellt, die maximale Strafe – die Verbrennung auf dem digitalen Scheiterhaufen.

Eine Kritik wie diese läuft Gefahr, sehr viel Applaus oder Schmähung zu erhalten, nur der aufmerksame Leser ist in der Lage, sich an der gemeinsamen philosophischen Aufgabe zu beteiligen, vorgefertigte Meinungen zu hinterfragen und Ideen nicht nur oberflächlich zu betrachten, sondern ihnen auf den Grund zu gehen.

Ein Mensch, der sich tief in seiner Seele nach einer besseren Welt sehnt, darf nicht achtlos mit diesem Wunsch verfahren, sondern muss sorgfältig prüfen, was zu Fortschritt führt und was uns in düstere Barbarei zurückfallen lässt.

In diesem Sinne muss der ernsthaft Suchende sich auch mit den Argumenten beschäftigen, die ihm auf den ersten Blick unangenehm erscheinen.

Der Philosoph Walter Kaufmann beschreibt es wie folgt:

Die Verwendung von ‚Glauben‘… beruht auf der Annahme, dass ein Mensch, der sich intensiv kümmert, genügend Interesse haben kann, um sich mit Themen, Fakten, Argumenten zu beschäftigen, die einen entscheidenden Einfluss auf das haben, was er glaubt. Insgesamt gibt es zwei Arten von Glauben: den Glauben eines wahren Gläubigen und den Glauben eines Häretikers.“ (1)

Genauso wie die radikalen Katholiken im Mittelalter jeden Häretiker, der nicht an die Karikatur des bärtigen, allmächtigen Mannes im Himmel glaubte und die Bibel nicht als einzige wahre Wahrheit anerkennen wollte, als die Inkarnation des Anti-Christen brandmarkten schlimmer noch, der Häretiker ist angeblich im Bunde mit dem Teufel höchstpersönlich genauso läuft jeder Kritiker der Linken Gefahr, als „rechter Spinner“ abgetan zu werden.

Der katholischen Kirche war es egal, was der Häretiker letztendlich tief in seiner Seele glaubte, vielleicht hatte man lediglich eine agnostische Vorstellung. Genauso wenig kümmerte es die Kommunisten unter Stalin, ob jemand eine alternative Version des sozialistischen Traums anstrebte oder Karl Marx zumindest teilweise zustimmte, alles was zählte und auch heute zählt ist: „Entweder du bist mit oder gegen uns“ das ist das ultimative Motto jedes Fanatikers.

Ich kann dich bereits jetzt beruhigen: Meine Kritik der modernen Linken entstammt nicht dem sektiererischen Geist eines nationalistischen Volkspropheten, aber aus der Feder eines kosmopolitischen Freidenkers, der nichts mehr verabscheut als simplistische Lösungen, rückwärtsgewandte Nostalgie und Ethnozentrismus.

Meine Kritik der modernen Linken zielt auf das vorherrschende Schwarz-Weiß-Denken und den Dogmatismus und vielleicht am stärksten auf die inflationäre Verwendung von Fahnen, Symbolen, plakativen Parolen und die Uniformierung als schwarzer Block.

Es dreht sich alles um in meinem Bauch, wenn ich eine Gruppe von schwarz gekleideten, vermummten Menschen sehe, die im Chor Parolen brüllen und Fahnen schwenken; vielleicht ist das eine Untertreibung, es ist vielmehr so, dass meine Innereien mit Lichtgeschwindigkeit rotieren und es mir schlecht wird, wenn ich sehe, wie junge Menschen ihrer Individualität zugunsten der Zugehörigkeit zu einer Gruppe vollkommen aufgeben. Sprichwörtlich: „Alleine bist du nichts, in der Gruppe bist du stark“.

„Es ist ein erschreckender Gedanke, dass der Mensch auch eine Schattenseite in sich hat, die nicht nur aus kleinen Schwächen und Marotten besteht, sondern aus einer geradezu dämonischen Dynamik. Der Einzelne weiß selten etwas davon; für ihn als Individuum ist es unvorstellbar, dass er jemals unter irgendwelchen Umständen über sich hinauswachsen sollte. Aber laßt diese harmlosen Geschöpfe eine Masse bilden, und es entsteht ein wütendes Ungeheuer; und jeder Einzelne ist nur eine winzige Zelle im Körper des Ungeheuers, so daß er es auf Gedeih und Verderb auf seinen … Streifzügen begleiten und ihm sogar bis zum Äußersten helfen muß. Mit einer dunklen Ahnung von diesen düsteren Möglichkeiten verschließt der Mensch die Augen vor der Schattenseite der menschlichen Natur.“

Carl Gustav Jung (2).

 

Kühe, Schweine, Ostdeutschland. Wie die Antifa die Menschen in die Hände rechtsextremer Demagogen treibt

Die Antifa-Demonstration vom 1. Mai 2015 in Tröglitz ist beispielhaft für alles, was in der linksautonomen Szene falsch läuft.

Während die schwarzvermummten Jugendlichen und Studenten durch das Dorf ziehen, werden im Chor Parolen gerufen wie: „Kühe, Schweine Ostdeutschland“ oder „Oohh es kommt die Zeit wenn die Elster wieder steigt“ (ein Fluss) und „Scheiß Drecksnest! Scheiß Drecksnest!“.

Die Transparente zieren Parolen wie: „Deutschland verrecke“, „Landflucht fördern”, “Dorfgemeinschaft zerstören“ und „Raus aus der Scheiße und rein in die Stadt! Tröglitz denen, die es verdienen“ und „Bomber Harris do it again“ (Anspielung auf die Bombadierung Dresdens).

Ein Video, das dieses Schauspiel dokumentiert, ist auf YouTube zu finden und wurde von der „Kommunistischen Initiative Deutschlands“ hochgeladen (3).

Der Kommentator merkt passend an: „Bessere Parolen hätten die Nazis nicht bestellen können… mit Antifaschismus hat das nicht mehr viel zu tun, es wirkt, als würden hier Großstadthipster im Kolonialherrenstil über die Eingeborene richten“.

Treibt man mit solchen Parolen die Menschen nicht erst Recht in die Hände rechtsextremer Demagogen? Rosa Luxemburg würde sich in ihrem Grab umdrehen, denn ist es nicht das Ziel von Kommunisten, die Arbeiter auf ihre Seite zu bringen, anstatt im Stile von Kolonialherren über sie zu richten?

 

Ein fehlgeleiteten Menschenbild

Der Aktivismus der Antifa basiert meiner Ansicht nach in großen Teilen auf einem fehlgeleiteten Menschenbild.

AfDler hätten: „Ihr Menschsein verwirkt“, schreibt der Sozialdemokrat Igor Levit auf Twitter – diese Einstellung ist auch in der Antifa weit verbreitet.

Ist die Würde des Menschen antastbar? Und welche Beispiele aus der Geschichte kennen wir, in denen Menschen ihr Menschsein abgesprochen wurde?

Der andere Mensch wird nicht als Individuum, sondern als ein rein politisches Subjekt gesehen, sein Potenzial, sich zu verändern, wird vernachlässigt, seine Träume und Wünsche und Gefühle werden ignoriert und sein Menschsein einzig und alleine auf seine Gruppenzugehörigkeit reduziert.

Der Dialog wird abgeblockt, die Fähigkeit des Menschen, rational zu argumentieren, wird verneint und andere Meinungen mit allen Mittel bekämpft.

Während ich Teil der Antifa war, galt das Dogma: „Mit Rechten spricht man nicht“. Doch schon damals überwog mein Interesse an einer lebhaften Debatte und ich diskutierte stundenlang mit AfD- Abgeordneten.

Ich realisierte, dass ich der AfD wohl nie zustimmen werden, aber dass diese Abgeordneten keine blutrünstigen Monster sind, sondern auch ganz normale Menschen, und ich konnte verstehen, wie sie zu ihren Vorstellungen gekommen waren.

Ich bin der tiefen Überzeugung, dass der Dialog das zentrale Mittel zum Fortschritt unserer Zivilisation ist – wie sonst soll jemals der linke Traum des Utopias entstehen, wenn wir nicht in der Lage sind, mit vielen verschiedenen Menschen zu einem gemeinsamen Ziel zu kommen?

Ich realisierte, dass wir durch unser aggressives Auftreten genau das Gegenteil des utopischen Geistes repräsentierten. Wie sollten wir jemals das friedliche Utopia erreichen, wenn unsere politische Logik auf Kampf und letztendlich Vernichtung des politischen Gegners aufgebaut ist?

Der Dialog als Mittel zur friedlichen Koexistenz wird abgelehnt – doch selbst in kriegerischen Auseinandersetzungen lässt man sich die Option, offen mit dem Feind zu verhandeln; alles andere ist Wahnsinn, alles andere führt zu endlosem Krieg.

Der Dialog ist genauso wie das Rad eine fundamentale Entdeckung. Mit dem Rad begannen die Menschen sich physisch über weite Strecken fortzubewegen, aber erst mit der Erfindung des Dialoges begannen der friedliche Handel und der geistige Fortschritt aufzublühen.

Wer wagt es, das Rad zu verbieten, weil sich auch die Falschen damit fortbewegen könnten?

Es wäre interessant herauszufinden, wie die Welt aussehen würden, wenn wir kooperieren würden, anstatt uns gegenseitig zu bekämpfen.

Vielleicht ist es Zeit für eine neue undogmatische „Antifaschistische Aktion“? Eine „friedliche Aktion“, die zu Recht von sich sagen könnte, in der gewaltfreien Tradition von Martin Luther King und Mahatma Gandhi zu stehen.

Sei du selbst die Veränderung, die du in der Welt sehen möchtest“, könnte unser Motto sein und jeden Menschen als Menschen zu sehen, unser Ziel.

Arroganz könnte unser größter Feind sein und Bescheidenheit unsere Tugend, denn letztendlich hat der russische Literaturnobelpreisträger Aleksandr Solzhenitsyn recht, wenn er sagt, die Linie zwischen Gut und Böse verläuft durch das Herz eines jeden Menschen:

Wenn nur alles so einfach wäre! Wenn es nur irgendwo böse Menschen gäbe, die heimtückisch böse Taten begehen, und es wäre nur notwendig, sie vom Rest von uns zu trennen und sie zu vernichten. Aber die Linie, die Gut und Böse trennt, schneidet durch das Herz eines jeden Menschen. Und wer ist bereit, ein Stück seines eigenen Herzens zu zerstören?“

Aleksandr Solzhenitsyn(4)

 

Zu oft sind wir gefangen in einem Schwarz-Weiß-Denken, in welchem wir uns als Engel und die anderen als Teufel sehen, mit Jean Paul Sartres Worten: „Die Hölle sind die anderen“ – aber nichts ist ferner von der Wahrheit entfernt.

Wir müssen den Mut haben, den Dingen auf den Grund zu gehen, auch wenn das bedeutet, vorgefertigte Meinungen zu überdenken und vielleicht ist es notwendig, dass wir alle, anstatt falschen Propheten zu folgen, zu Häretikern und Ketzern werden.

Das ist nicht der Versuch, Diskussionen zu beenden, sondern sie zu entfachen, denn nur durch den Dialog können wir demütig voneinander lernen, nur durch ständiges Hinterfragen können wir wachsen, auf dass wir alle weiter nach vorne stolpern, für eine bessere Welt.


1. Walter Kaufmann: „The Faith of a heretic”(1959). S.3

2. C. G. Jung: „Über die Psychologie des Unbewussten” (1912). In CW 7: Zwei Aufsätze zur analytischen Psychologie. S. 35

3. https://youtu.be/snyhQMfbfgo, siehe auch alternatives Videomaterial, nicht von Kommunistischen Initiative: https://www.youtube.com/watch?v=v1J8h6k4jUs

4. Aleksandr Solzhenitsyn: “The Gulag Archipelago”(1973).

4 Kommentare

  1. hanns graaf

    Die autonome Antifa ist ein politisch und tw. auch sozial degeneriertes Milieu, das sich zum größten Teil aus der lohnabhängigen Mittelschicht (zu der auch Studierende gehören) rekrutiert. Es ist subjektiv wie objektiv von der Arbeiterklasse und -bewegung isoliert. Es ist Ausdruck einer kleinbürgerlichen „Militanz“ wie bei Teilen des Anarchismus oder früher der RAF. Für die Linke und den Klassenkampf ist dieses Milieu unbrauchbar, ja schädlich. Es ist fatal, dass die „radikale Linke“ sich nicht deutlicher von diesen dümmlichen Radikalinskis distanziert und z.B. den Schwarzen Block nicht konsequent aus linken Aktionen heraus hält. An dieser Einschätzung ändert auch die Tatsache nichts, dass es im Antifa-Milieu durchaus auch vernünftige Menschen gibt. Sie müssen mit dem „Autonomismus“ brechen. Einen wesentlicher Teil der „autonomen Szene“ stellt heute die „links-grüne“ Bewegung (Ende Gelände, FFF, XR usw.). Diese Kräfte sind objektiv die nützlichen Idioten der „grünen“ Fraktionen des Kapitals und ihrer ideologischen Einpeitscher in Politik, Medien, bürgerlichem Staat und „Wissenschaft“, die unwissenschaftliche Behauptungen von einer drohenden Klimakatastrophe verbreiten und damit begründen, dass jedes Jahr weltweit ca. 100 Milliarden Euro für die aberwitzige Energiewende ausgegeben bzw. den Massen aus dem Kreuz geleiert werden.

  2. Zombienation

    afa

    früher gingen wir noch ins hippy-haus, die reil78. deren dogmenscheisserei und arrogantes von oben herab-behandeln ging uns schon immer auf die nerven, aber man lebte nebeneinander. wenn ich mit denen redete, stellte ich fest, ab einem gewissen punkt beißt du bei denen auf granit, stößt auf eine art fundamentalistische kognitive barriere. die entziehen sich einem weitern dialog und gehen einfach. es wurde immer sinnloser mit denen über die jahre und irgendwann gingen wir dort garnichtmehr hin, es gab eh keine guten punk-konzerte mehr dort.
    im vl war es ähnlich, nur etwas später. einer der knackpunkte war das oi-plloi konzert. der sänger holte eine deutschlandfahne heraus, zündete diese an und die menge tobte. dann nahm er eine usa-flagge. erste skeptische blicke von den üblichen. wir jubelten. dann das sakrileg: eine israel-fahne. die eine hälfte am schäumen, wir am grölen. ab dem punkt, als katta dort das ruder übernahm ging es dann ganz schnell. die gesinnungs-moralisten übernahmen das ruder und ekelten suzessive auch alle anderen linken projekte heraus.
    das einzige domizil, das eh seit jahren anlaufpunk nummer 1 ist, was blieb war das gig. aber plötzlich fing die vl/reil-fraktion an, denen vorschreiben zu wollen, welche bands dort spielen dürfen, welche leute dort hausverbot haben sollen (ich z.b.).

    Nazi

    ich fing irgendwann an, meine wut in aktion umzuwandeln. aber anstatt wie üblich steine zu schmeißen oder autos anzuzünden, entschied ich mich, nachhaltig im geist der leute ein feuer zu entzünden. also ging ich auf die strasse und lernte, mit den menschen zu kommunizieren und ihnen wissen zu vermitteln. das entwickelte sich, ich lernte öffentlichkeitswirksamkeit und wurde gegenstand der lokalpresse.
    mit dem Maidan-putsch kamen die montags-demos, die ich natürlich freudig besuchte. menschen, die wie ich erkannt hatten, dass hierzulande etwas gehörig daneben läuft. mit der schleichenden anteilnahme vom liebich entfernte ich mich von der demo, stand am rand um nicht den kontakt zu den leuten zu verlieren und weiterhin meine sache zu vertreten. ab diesem zeitpunkt war dann auch die afa regelmäßige gegendemo. ich genau auf der frontlinie dazwischen. ich durfte die üblichen beißreflexe und anschuldigungen über mich ergehen lassen. für die afa war ich ab dahin nazi und ziel ihres hasses.

    hausverbot

    eine meiner einzelaktionen, eine störaktion beim mdr, war so erfolgreich, dass liebich darauf aufmerksam wurde und es auf seinem kanal hochlud(ps: danke für die 10.000+ views). das war dann der beweis für die afa’s: ich paktiere mir liebich, jetzt bin ich wirklich nazi und bereit für den abschuß. das erledigten sie aber nicht selber, nein, sie heuerten die leipziger schlägerjungs an. dummerweise kenne ich den typen, der das machen sollte, der sich natürlich bei mir erkundigte, was da abläuft und dann davon abstand nahm.
    ich versuchte es zu klären und ging ins offene plenum des vl. mir wurde keine chance gelassen, hitlerin katta verwies mich des grundstücks und erteilte mir hausverbot. ich kam wieder, abends zu einer party und blöckte meinen frust denen durch den zaun entgegen. mein kollege und ich bekamen dafür pfefferspray ins gesicht. eine party später, andere location, stand plötzlich ein schäumender mob junger gestalten vor mir. sie warfen mir vor, ich hätte das vl angegriffen und sei ja sowieso nazi und müsse jetzt gehen. letztlich musste ich gehen, die veranstalter ließen sich einschüchtern.

    scheisse

    darauhin ging ich am hellerlichten tag zum vl. zog mir meine hose herunter und setzte denen einen prachthaufen dessen vor die türe, was sie sind. ein hippy wollte gerade ins haus und fragte: du hast da jetzt nicht wirklich hingeschissen? – ich: ja, siehste de doch! – er: bist du eklig! – ich: na du erst, du gehst in diesen schuppen!

    verräter der linke

    so erging es mir auch in der hasi. kaum angekommen, steht ein junger anti*innen vor mir und faucht mich voll: du hast hier hausverbot, du musst gehen, du hast in keinem linken projekt was zu suchen, du verprügelst leute mit deiner fahrradkette!. der type war genauso gast wie ich. ich fragte ihn, ob er auch den rest der geschichte erzählen mag, nämlich dass ich von 5 leuten vor dem vl verprügelt wurde und daraufhin seinem kumpel mit meiner fahrradkette sein pfefferspray aus der hand schlug.
    so erging es mir auch in bitterfeld. an der kasse kam die katta schon angekrochen und veruchte den einlass zu überzeugen, dass ich hier nicht rein darf. der ließ mich trotzdem. kaum hatte ich mein 1. bier ausgetrunken, stand ein mob von ca. 15 leuten um mich und überredeten mich, doch zu gehen. zurück in halle besorgte ich mir ein strassenschild, ging zum vl und zerschlug das eingangsschild: Vereinte Linke.

  3. c.w.

    ich kenn solche geschichten, bis auf die mit dem haufen, auch aus eigener erfahrung. du hast mich eben mit deinen daran erinnert.

    das mit dem, sich selbst abschottenden und sich überwichtig fühlenden gehabe, stimmt.

    und ich entdecke da durchaus parallelen zwischen gestern und heute.

    schon „damals“ – also 1980 bis 1990- kam nicht jede und jeder rein in die gruppen. da wurde man erst beobachtet, begutachtet, unter die lupe genommen, nicht nur einmal einem gespräch unterzogen.

    man musste sich ja das selbstbild der eigenen gefährlichkeit für das system erhalten.

    ich fand das damals schon befremdlich, seltsam, komisch, aber es gab leute, die mich interessierten. ich sympathisierte mit linken vorstellungen, die ich bei anderen gruppen nicht gefunden hatte, wollte mich an der veränderung der lebensverhältnisse durch sub- und soziokulturelle ansätze beteiligen, auch wenn ich das umkippen und abfackeln von mülltonnen als politische aktion offen in frage stellte und damit erstmal eher verdächtig war.

    trotzdem ging da mit der zeit, einiges an gemeinsamen aktionen und projekten, es war da zumindest auf die mehrheit bezogen, auf jeden fall weitaus mehr substanz als heute.

    und die mitläufer, dummschwätzer und wichtigtuer, säufer, krawallmacher und blöd auf dicke lippe macher, gab es damals auch schon.

    darüberhinaus gab es aber, von einigen, geistig und emotional richtig fähigen, auch enorm gute inputs und tragfähige impulse zur zusammenarbeit. auch das habe ich erlebt und es hat spass gemacht und für eine zeitlang stark zur veränderung der stadtstrukturen beigetragen.

    das war nach der zeit, als die räumung besetzer häuser schneller voranging als ihre nach- oder eine neubesetzung, als neue konzepte gesucht, und durchaus aus solidarischer not, mit den unterstützenden von außen, auch umgesetzt wurden.

    in dieser zeit setzten wir uns mit dem „bewegungslehre-buch“ der amsterdamer agentur bilwet auseinander. leider wurde dieser prozess des nachdenkens über die eigene ausrichtung, die eigenen ziele und das eigene selbstverständnis im verhältnis zur gesellschaftlichen response aufgrund der historischen ereignisse 89, ich würde fast sagen, zerstört.

    danach igelte sich der großteils des sog. schwarzen blockes, stärker noch als vorher, wieder ein. komischerweise liefen mir danach auch immer mehr braindeade oder auch superintelligente, aber emotional total verkümmerte leute über den weg, die plötzlich in irgendwelchen autonomen-wgs und wohnprojekten untergekommen waren. die abschottungsversuche zeugten so krude soziale experimente, wie rote zonen mit schwarztierigen stadttteilläden, die, auch wenn sie sich vom eigenen anspruch her noch als antikapitalistisch, internationalistisch und revolutionär definierten, bis auf die legendär 1x im jahr stattfindende knastdemo und das für alle linken anachronistische 1.mai-fest, die meiste zeit im jahr, nichts weiter als eine von außen belächelte kleine splittergruppe mit überhöhtem selbstanspruch war.

  4. JØRGEN

    Applaus Applaus.
    Nur gewaltfrei kann es gehen. Die Linke muss ENDLICH aus den grausamen, mörderischen Folgen ihrer radikalisierenden Kampfrhetorik lernen und verbal abrüsten. Hitler orientierte sich beim Aufbau seiner Bewegung an Ästhetik und Auftreten an der KPD-Militanz. In der DDR mit FDJ und Pionierorganisation der gleiche totalitäre Kampfmodus. 30 Jahre nach Zusammenbruch des zweiten deutschen Realsozialismus schon wieder „solidarische“ Parolen, Schläger, Fahnen. WANN setzt endlich der Lernprozess ein?

    „Sei du selbst die Veränderung, die du in der Welt sehen möchtest“

    1. karmisches Prinzip: Tu das, was du dir von der Welt wünschst, an einem anderen Menschen.

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