Glosse von G.G. Plethon

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder sagt nach Corona nun auch HIV den Kampf an! „Es ist nicht hinzunehmen“, sagte Söder auf einer eigens einberufenen Pressekonferenz, „dass dieses Virus noch immer wütet! Wir müssen die Zügel anziehen und brachial durchgreifen.“

Söder kündigte ein von ihm und Gesundheitsexperte Karl Lauterbach entwickeltes umfassendes Maßnahmenpaket an, das vor allem strengere Kontrollen beinhaltet. In öffentlichen Gebäuden und Verkehrsmitteln muss durchwegs Kondom getragen und alle zwanzig Minuten die Hose zum Lüften heruntergelassen werden. Sexismusvorwürfen begegnete Söder durch eine Ausweitung der Kondompflicht nun auch für Frauen. Supermärkte müssen künftig per Blick in die Unterhosen überprüfen, ob ihre Kunden ein Kondom tragen. Hubert Aiwanger forderte, diese Kontrollen mittelfristig zu digitalisieren: neben Überwachungskameras am Eingang von Supermärkten könnten künftig Mikrochips ein Verrutschen mittels eines Signaltons melden. Söder will den Ordnungsämtern Befugnis erteilen, stichprobenartige Kontrollen durchzuführen, ob das Präservativ sitzt und beim Sex der Mindestabstand von 1,50 Metern eingehalten wird. Dass es von den Bürgern als unangenehm empfunden werden könnte, bei intimen Tätigkeiten unterbrochen oder, falls solche gar nicht stattfinden, auf Verdacht aus dem Schlaf gerissen zu werden, sei, so Söder, nicht nachvollziehbar. Schließlich müsse jeder geplante Koitus ohnehin zwei Wochen im Voraus mit den Daten aller Beteiligten dem zuständigen Gesundheitsamt gemeldet werden.

In Krankenhäusern gilt die Kondompflicht auch für invasive Behandlungen. Die Kassenärztliche Vereinigung kritisiert, dass etwa Betäubungsspritzen wenig Sinn hätten, wenn sie in ein Kondom verabreicht würden. „Dann wählen Sie doch die AfD!“, erwiderte Söder und beklagte die zunehmende Radikalisierung deutscher Mediziner. Unterstützung für den Ministerpräsidenten kam ausgerechnet vom ehemaligen Amtsarzt Dr. Friedrich Pürner, der vorschlug, dann auch die von der Firma FrankeNstein Industries entwickelte und im Teleskopverfahren geprüfte Impfung sicherheitshalber nur in ein Kondom zu verabreichen.

Um die flächendeckende Versorgung zu sichern sagte Söder, er stehe in Verhandlungen mit einer großen Modekette. Diese habe bereits die Lieferung von einer Million weiß-blauen Kondomen zugesagt. Produktionsort ist Schloss Herrenchiemsee. Wissenschaftler untersuchen noch, ob möglicherweise das Infektionsrisiko weiter verringert werden kann, wenn mehrere Kondome übereinander getragen werden. „Wir reden hier nicht von irgendeinem Jux“, sagte Söder. „Das ist eine patriotische Pflicht.“

HIV-Leugnern, Gummiverweigerern, spontan oder mit anderen als offiziell gemeldeten Sexualpartnern kopulierenden Unzüchtigen droht künftig ein saftiges Bußgeld. Um den geringen Kapazitäten der Ordnungsämter Rechnung zu tragen, sollen auch Polizei und Bundeswehr für die Schleierfahndung herangezogen und mit nagelneuen Maschinenpistolen ausgestattet werden. Unbestätigten Gerüchten zufolge soll eine eigene Sittenpolizei im Gespräch sein, im Volksmund bereits boshaft „Gespapo“ („Geheime Spanner-Polizei“) genannt. Dazu empfing Söder gestern Spezialisten aus Saudi-Arabien. Außerdem wurde ein Portal zur Meldung von Verstößen eingerichtet, falls Nachbarn beim Herunterziehen fremder Hosen auf nackte Haut stoßen sollten. Einwände von Urologen, das stundenlange Kondomtragen selbst auf der Toilette könne Pilzerkrankungen, Latexallergien und Harnwegsinfektionen fördern, schmetterte Söder „Alles Rechtsradikale!“ entgegen und schloss mit den Worten: „Gott schütze unser schönes Bayernland und seine südlichen Regionen!“