Klaus-Jürgen Bruder – interviewt von Anneliese Fikentscher

Vorbe­merkung der Redak­tion: Mit fre­undlich­er Genehmi­gung von Klaus-Jür­gen Brud­er veröf­fentlicht der Freie Funke dieses wichtige, zuerst in der NRhZ erschienene Inter­view samt der dor­ti­gen Einleitung.

 

Das zurzeit fast weltweit laufende Coro­na-Manöver wird immer bedrohlich­er und muss deshalb drin­gend durch­leuchtet wer­den. Eine entschei­dende Frage ist eine psy­chol­o­gis­che: was führt dazu, dass der weit über­wiegende Teil der Bevölkerung, darunter erstaunlicher­weise Men­schen, die sich als „links“ definieren, sich in ihr Schick­sal fügt statt aufzubegehren? Für die „marx­is­tis­che“ Tageszeitung junge Welt war zum The­ma Coro­na ein Inter­view mit dem Psy­cholo­gen Klaus-Jür­gen Brud­er ent­standen. Doch es ist nicht erschienen. Warum nicht? Autorität­shörigkeit ist für ihn nicht der richtige Weg. Autori­taris­mus bedeute, der Parole der Autorität des „Her­rn“ zu fol­gen, sie sich der­art zu eigen machen, dass man sie für sich übern­immt im Gefühl, sel­ber Herr zu sein. Zu einem der­ar­ti­gen Ver­hal­ten ist er selb­st dann nicht bere­it, wenn er – wie von der jun­gen Welt – zu hören bekommt, er rel­a­tiviere die Gefahren, die von der „Pan­demie“ aus­ge­hen. Doch die Gedanken des Vor­sitzen­den der Neuen Gesellschaft für Psy­cholo­gie sind ein Schlüs­sel zu wichti­gen Ein­blick­en in die Manip­u­la­tion­s­meth­o­d­en, die von den Strate­gen und Hand­langern des Coro­na-Manövers einge­set­zt wer­den. Z. B. stellt er die Frage: was soll die Bevölkerung tun, wenn sie sog­ar von denen im Stich gelassen wird, die sich bish­er als Oppo­si­tion ange­boten hat­ten? Die NRhZ hat nachgefragt.

 

Wie ste­ht es um die Glaub­würdigkeit in Coro­na-Zeit­en? So wie uns die Maß­nah­men der Gesund­heitsvor­sorge präsen­tiert wer­den, lässt sich da eine glaub­würdi­ge Absicht erken­nen, wenn gle­ichzeit­ig Men­schen um ihre Exis­tenz ban­gen müssen?

Die man­gel­nde Glaub­würdigkeit zeigt sich in der Inkon­sis­tenz der Maß­nah­men, die mal so oder so durch/um/gesetzt wer­den. Anfangs bei dem US-Manöver Defend­er Europe 2020 hieß es, mit Mund­schutz seien Mil­itärübun­gen über­haupt nicht durchzuführen. Bis vor kurzem ist auch die Polizei nicht mit Mund­schutz aufge­treten. So dass man denkt, gilt das jet­zt oder gilt das nicht? Ist das eine Gefahr der Ansteck­ung oder nicht? Zu Anfang wurde gesagt, es ist eine zu erwartende grauen­hafte Krankheit, und deshalb muss man alles auf den Kopf stellen. Und was sich dann her­ausstellt, ist, dass es zu diesen großen Zahlen von Todes­fällen über­haupt nicht kommt, die prog­nos­tiziert wor­den sind. Und dann ist die Diskus­sion mit den Zahlen auch sehr unser­iös. Ich kann mit absoluten Zahlen nicht hantieren, denn – jed­er Tote kann man sagen ist zuviel, aber aus­sagekräftig sind die Zahlen bloß im Ver­gle­ich mit anderen Epi­demien zu anderen Zeit­en. Warum wird das nicht gemacht, son­dern nur gesagt: um Gottes Willen, heute wieder hun­dert Tote. Warum wird so operiert? Gerd Bos­bach, Autor des Buch­es „Lügen mit Zahlen“ kri­tisiert den „ständi­gen Wech­sel der Bezugs­größen“ in der Berichter­stat­tung über die Zahlen der mit Coro­na Infizierten und der daran Gestor­be­nen. Dies erzeuge den Ein­druck von Willkür.

In die Augen sticht die Lin­ien­treue der mei­n­ungs­bilden­den Medi­en, wie wir sie auch in anderen Fra­gen ken­nen, wie bei der Kriegspoli­tik, aber hier noch totaler, rig­oros nur eine Lin­ie zulassend, die Behand­lung des The­mas in immer der gle­ichen Rich­tung, Dauerbeschal­lung, Desin­for­ma­tion, Hof­berichter­stat­tung. Alles dies dient der Angst­steigerung und der Förderung des Autori­taris­mus.


Da gibt es aus Expertenkreisen (Ärzten, Epi­demi­olo­gen, …) Kri­tik­er, die aber mund­tot gemacht wer­den, die ins Lächer­liche gezo­gen oder verächtlich gemacht wer­den und – Achtung: Zauber­formel! – als Ver­schwörungs­the­o­retik­er abge­tan wer­den.

Man kann sagen, dass es tat­säch­lich darum geht, der Bevölkerung Angst zu machen.

Es wur­den ja pausen­los und in Dauer­berieselung die Gefahren einge­häm­mert und dadurch die Angst in Panik getrieben. Die Panik zeigt sich u.a. daran, dass andere Sichtweisen niedergeschrien wur­den sowie an den tausend Gerücht­en darüber, was alles gefährlich sein soll und was man alles machen müsse, um sich zu schützen.

Angst ist nicht ein­fach „natür­lich“! Hier mis­cht sich sogen. Realangst mit neu­ro­tis­ch­er Angst. Neu­ro­tis­che Angst ist nicht wie Realangst Warnsignal vor ein­er realen Gefahr, son­dern „kommt aus der Ver­gan­gen­heit“ wie Freud sagte, ist eine Erin­nerung an früher erlebte Bedro­hun­gen und ver­hin­dert das Erken­nen der realen Bedro­hung. Sie wird durch „Angst­mache“ alarmiert. Angst­mache wird immer wieder als Herrschaftsmit­tel einge­set­zt. Das wurde nach­weis­bar spätestens mit Bekan­ntwer­den der „Ver­schlusssache“ aus dem Bun­desin­nen­min­is­teri­ums BMI von 2020, in dem dieses Mit­tel Ang­sterzeu­gung direkt vorgeschla­gen bzw. vere­in­bart wor­den sind.

Zum Beispiel wurde das Bild eines trau­ri­gen niedergeschla­ge­nen Kindes ver­wen­det, mit dem erk­lären­den Text: ich habe meine Oma angesteckt, ich bin schuldig an ihrem grausamen Tod, das werde ich nicht mehr los mein ganzes Leben. Es ist wie die Warntafel vorm schwarzen Mann am Ein­gang zu Kinder­spielplätzen. Die Ironie dabei: der häu­fig­ste „Täter“ war der Vater, Stief­vater, Onkel, nicht der Fremde, der aus dem Busch vor­springt. Wer ist bei dieser jet­zi­gen Panikmache der Stief­vater, der dieses Mal sich hin­ter dem Täter aus dem Busch ver­steckt? Wir wer­den ja schon wieder durch lautes Wis­pern von ein­er ver­heeren­den Wirtschaft­skrise, Rezes­sion vor­bere­it­et.


Wie ange­bracht empfind­en Sie diese Maß­nah­men, denen sich kaum jemand entziehen kann?


An die wichtig­sten Maß­nah­men halte ich mich natür­lich sel­ber: z. B. Hän­de­waschen. Hab‘ ich aber auch früher schon gemacht. Beim Mund­schutz ist die Mei­n­ung einiger Experten, dass der nicht nur unnütz, son­dern auch gefährlich sein kann. Also werde ich den nur anziehen, wenn ich einkaufen gehen will und der Ladenbe­sitzer sagt: hier kommst Du nur rein mit Mund­schutz. Dann muss ich den eben anziehen. Oder ich geh wieder. Selb­st ser­iöse Medi­zin­er sagen: so geht es über­haupt nicht. Man gefährdet sich eher.


Es gibt Men­schen, die Angst vor der Krankheit haben. Das ist eine Angst, die auf Heil­barkeit hofft. Auf Impf­stoff. Was aber ist mit der anderen Angst vor dem Unvorstell­baren, wenn die Strate­gi­es­tu­di­en der Rock­e­feller-Foun­da­tion, KTDI (Häring: Known Trav­el­er Dig­i­tal Iden­ti­ty), oder eine von Konz­er­nen geleit­ete Welt-(Impf)passbehörde in den Blick ger­at­en. Clau­dia von Werl­hof spricht in diesem Zusam­men­hang vom MMK, einem medi­zinisch mil­itärischen Kom­plex.


Die Angst vor der Krankheit oder der Ansteck­ung ist bei dieser Infor­ma­tions- oder Maß­nah­men­poli­tik dur­chaus ver­ständlich. Eben­so ver­ständlich ist die Angst die entste­ht, wenn man sich klar­ma­cht, was da alles für Inter­essen dahin­ter­steck­en bis hin zur Imp­fung, von der man ja weiß, dass sie, wie jede Imp­fung etwas sehr Prob­lema­tis­ches sein kann. Wenn man in ein­er Sit­u­a­tion ist, wo man tat­säch­lich Leben ret­tet, kann man dem zus­tim­men. Aber wenn man ganze Bevölkerungs­grup­pen, die über­haupt kein­er­lei Prob­leme und keine Krankheitssymp­tome haben, wenn man die zwangsweise impfen wollte, ist das etwas, was einem tat­säch­lich Angst macht.


Die Mehrzahl der Bevölkerung scheint sich in die Angst vor Krankheit zu flücht­en, die Angst vor den dahin­ter­ste­hen­den Pro­gram­men aber gar nicht an sich ranzu­lassen, wom­it aber die Gefährlichkeit des Virus in Zweifel gezo­gen wer­den kön­nte.


Ich denke, dass die Angst vor der Krankheit maß­los gesteigert wurde durch die Poli­tik. Und dass hin­ter der Poli­tik im besten Fall die Vorstel­lung ste­ht, wir müssen dieses Virus auss­chal­ten, also eine total­itäre Vorstel­lung. Eine Vorstel­lung von vol­lkommen­er Clean­li­ness (Sauberkeit), in der es keine Viren mehr gibt, was an Hybris oder Total­i­taris­mus gren­zt. Davor muss man tat­säch­lich Angst haben, dass dieser Total­i­taris­mus weite Kreise zieht. In ein­er unsicheren Sit­u­a­tion gibt es Experten, die sagen: „höch­st­ge­fährlich!“. Und es gibt Experten, die sagen: „es ist ver­gle­ich­bar mit anderen Krankheit­en, die wir bish­er ohne diese rig­orosen Maß­nah­men beherrschen kon­nten“, dann ist es eine Frage der Entschei­dung welch­er Seite ich glaube. Welch­er Seite ich glauben soll, erfordert zusät­zliche Infor­ma­tio­nen.

Und wenn ich diese Infor­ma­tio­nen nicht habe, muss ich mich für die Seite entschei­den, der ich schon vorher geglaubt habe, um mich auf diese Seite bewe­gen zu kön­nen. Wenn die Infor­ma­tio­nen über die Gefährlichkeit des Virus einan­der wider­sprechen und wenn ich mich danach für die Seite der Macht entschei­de, kann man das Autori­taris­mus nen­nen.

Es ist nicht die Angst vor dem Tod, die die Leute hin­ter die Coro­na-Strate­gie des Diskurs­es der Macht, der Regierung treibt – son­dern der Autori­taris­mus.

Machen wir fol­gen­des kleines Gedanken­ex­per­i­ment: Nehmen wir an, die Verteilung der Argu­mente Pro und Con­tra wäre gle­ich stark. In Wirk­lichkeit ist ja unter den Experten die Seite der Kri­tik­er des Pro-Diskurs­es in der Mehrheit, und trotz­dem sind über 90 % der Bevölkerung für die Pro-Seite ein­genom­men- so jeden­falls die offiziellen Dat­en. Bere­its dieses (Miss-)Verhältnis wäre ein starkes Indiz für Autori­taris­mus. Dieser Autori­taris­mus scheint allerd­ings nicht die Hal­tung der Mehrheit der Bevölkerung darzustellen. Bodo Schiff­mann, ärztlich­er Leit­er der Ambu­lanz für Schwinde­lan­fälle in Sin­sheim, stellt in ein­er Analyse der Dat­en der wichtig­sten Erhe­bun­gen fest, dass die Zahl der Ablehnun­gen die der Zus­tim­mungen weit über­steigt.

Aber nehmen wir an, bei­de Seit­en hät­ten gle­ich viele Experten zu ihrer Vertei­di­gung, dann ist die Tode­sangst immer noch nicht der entschei­dende Grund für die Tat­sache, dass die über­wiegende Mehrheit der Bevölkerung sich der Pro-Seite zuneigt, denn mit der Tode­sangst kön­nen bei­de Seit­en „punk­ten”, denn wenn die Regierungs­seite behauptet, das Coro­na-Virus sei von tödlich­er Gefahr, so kann die Gegen­seite mit der eben­so tödlichen Gefahr der Schutz­maß­nah­men gle­ichziehen (die Atem­maske ist im All­t­ag bei „unsachgemäßer“ Benutzung gefährlich).

Also ist die Entschei­dung für die Regierungs­seite nicht nur durch die Tode­sangst bes­timmt, son­dern zugle­ich durch das Ver­trauen darauf, dass die Regierung schon für uns sorgt (die „gute” Regierung ist ja ein ural­ter Traum, siehe die Gemälde im Palaz­zo Pub­li­co in Siena; bis hin zum Kose­na­men „Mut­ti“ für die Kan­z­lerin).

Autori­taris­mus ist das „Kreb­s­geschwür“ (Alfred Adler) in ein­er Gesellschaft, die durch Herrschaft zusam­menge­hal­ten wird, ein­er Gesellschaft der Ungle­ich­heit, der ungle­ich verteil­ten Frei­heit, der durch Feind­seligkeit durchtränk­ten „Brüder­lichkeit“.

Autori­taris­mus bedeutet der Parole der Autorität des „Her­rn” fol­gen, sie sich der­art zu eigen machen, dass man sie für sich übern­immt im Gefühl, sel­ber Herr zu sein (statt „geschla­gen­er Hund“ laut Adler), „Sklave, der sich als Herr fühlt“ wie Lacan sagte.

Autori­taris­mus ist die psy­chis­che Dis­po­si­tion, das psy­chis­che Pen­dant zum Diskurs der Macht.


Macht ist bekan­ntlich auch Macht über Infor­ma­tion. Daher gibt es kaum wider­sprechende Infor­ma­tio­nen, die öffentlich zuge­lassen wer­den. Kri­tis­che Stim­men wer­den wegges­per­rt .


Natür­lich liegt das an der Infor­ma­tion­spoli­tik. Aber diese Infor­ma­tion­spoli­tik müsste mich ja mis­strauisch machen.


Nor­maler­weise schon. Aber mehr als 90% der Bevölkerung macht das wie es scheint nicht mis­strauisch. Eine verdächtige Steigerung dieser Poli­tik zeigt sich in der Psy­chi­a­trisierung von Kri­tik­ernIn­nen. … Sach­sen, Baden-Würt­tem­berg, Schweiz …

Das wäre ja unge­heuer­lich. Die Fälle der Recht­san­wältin Frau Bah­n­er und des Schweiz­er Arztes haben mich in höch­stem Maße alarmiert. Ich kenne allerd­ings die genauen Umstände nicht.


Was aber macht die Angst mit uns? Masken­zwang ist auch eine Form der Gewal­tein­wirkung. Sie kön­nen als eine Art Erstick­ungs- oder Ohn­macht­sübung emp­fun­den wer­den.


Das schwierige an der Sit­u­a­tion ist, dass dies als Rück­sicht­nahme gegenüber anderen hingestellt wird. Damit wird der Vertei­di­gung mein­er per­sön­lichen Integrität ein Riegel vorgeschoben. Ich muss Rück­sicht nehmen auf andere und damit muss ich mich unter Umstän­den in Gefahr begeben. Die gegen­wär­tige Pan­demie oder Epi­demie ist als poli­tis­ches Instru­ment sehr geschickt.


Genial kön­nte man sagen. Hat Intel­li­gence-Charak­ter …


Wenn man die wis­senschaftlich nicht abgesicherte Basis dieser Maß­nah­men in Frage stellt, dann wird man als ver­ant­wor­tungs­los beze­ich­net.


Kann man das ganze Geschehen auch unter dem Aspekt eines Psy­cho-Manövers betra­cht­en? Das Mil­gram-Exper­i­ment zum Beispiel ist nur eines von vie­len. Was wird für die Betreiber des Exper­i­ments deut­lich? Gehor­samkeit?


Beim klas­sis­chen Mil­gram-Exper­i­ment wird das Ver­hal­ten der Ver­suchsper­son unter­sucht. Dieser Per­son wer­den Anweisung, Befehle gegeben, die Fehler eines anderen, der sich in einem anderen Raum befind­et mit Strom­stößen zu bestrafen. Da gibt es die Gewöh­nung und die Steigerung mit jedem Befehl. Die Exper­i­mente wur­den abge­brochen, wenn die Ver­suchsper­so­n­en zusam­menge­brochen sind oder die Ver­suchsper­son nicht bere­it war, trotz Befehl weit­erzu­machen. Es geht also um das Befol­gen von Befehlen oder die Frage, gibt es einen moralis­chen Maßstab dessen, was ich vor mir ver­ant­worten kann.


Lässt sich das in verän­dert­er Form auf das laufende Coro­na-Manöver über­tra­gen? Was gibt es für die Ver­such­sleit­er zu beobacht­en, wie die Bevölkerung sich ver­hält bzw. „mit­spielt“ oder auch wer auf welche Weise nicht mit­spielt?


Es ist ein Exper­i­ment über das mögliche Ver­hal­ten der Bevölkerung, wenn man sie kon­fron­tiert mit ein­er gefährlichen Sit­u­a­tion und dafür Hand­lungsan­weisun­gen gibt. Was man beobacht­en kann ist erschreck­end: die über­wiegende Mehrheit der Medi­en stimmt den Maß­nah­men kri­tik­los zu, bis hin zu der sich als linksradikal ver­ste­hen­den jun­gen Welt und verurteilt die, die sich nicht an die Maß­nah­men hal­ten. Zugle­ich scheint die Bevölkerung sich diesem Bild nicht ohne weit­eres anzu­passen: die Manip­u­la­tion der Zahlen habe ich bere­its erwäh­nt. Wir haben also wieder die Sit­u­a­tion, die wir zum The­ma des Kon­gress­es 2019 gemacht hat­ten, als wir die Rolle der Intellek­tuellen als „Stützen der Gesellschaft“ unter­sucht haben.

Trotz­dem artikuliert sich kein Wider­stand: die „Maskenpflicht“ wird ger­adezu ver­bis­sen befol­gt. Das Ganze läuft ja nicht direkt über Befehl. Die Maß­nah­men haben zwar Befehlsqual­ität, es läuft aber psy­chol­o­gisch wesentlich über die Schiene, nicht nur sich sel­ber zu schützen, son­dern zugle­ich auch darüber, Rück­sicht nehmen zu müssen auf andere. Das ist ein ganz wichtiges Moment. Deshalb auch das Argu­ment gegen die Kri­tik­er, die seien ver­ant­wor­tungs­los. Es ist das Moment der Ver­ant­wor­tung, das hier einge­führt wird, dieses ist entschei­dend für die com­pli­ance (Vorschriftenein­hal­tung) der Bevölkerung. Im Unter­schied zum klas­sis­chen Mil­gram-Exper­i­ment reagieren die Men­schen nicht auf den Befehl allein. Es ste­hen nicht Befehl und ethis­che Norm „Ich darf nie­mand quälen” einan­der gegenüber. Das Gebot, „nie­mand zu quälen“ ist sowieso aus­gelöscht in diesem Exper­i­ment, das wir jet­zt vor uns haben. Der Befehl wird abgeschwächt durch die Vorstel­lung, du sollst ver­ant­wortlich sein für andere. Und das wird ja soweit durchex­erziert, dass manche über­legen, aus Rück­sicht auf andere, Ein­schränkun­gen frei­willig schon aufzunehmen bevor sie ange­ord­net wer­den.


Was ist aber mit den Proban­den, die sich in dieser Sit­u­a­tion erlauben, ihre Grun­drechte einzu­fordern? Die es wagen, die Verord­nun­gen nicht wider­spruch­s­los hinzunehmen?


Das hat­ten wir vorhin bere­its: die „Ver­weiger­er“ fol­gen nicht dem Autori­taris­mus. Sie sehen: es gibt zwei gegen­sät­zliche Posi­tio­nen, die sie her­aus­fordern, selb­st zu denken und ihrem eige­nen Gewis­sen entsprechend zu entschei­den. Für sie ist es auss­chlaggebend, dass sie nicht überzeugt sind, weil es Gegen­mei­n­un­gen gibt, die die Gefahr sehr viel geringer ein­schätzen als behauptet wird und die die Wirk­samkeit der Maß­nah­men, die Gefährlichkeit der Maß­nah­men, mitein­beziehen. Die gehen also anders ran an die Sache, nicht autoritär. Sie ver­trauen nicht ein­fach den offiziellen Behaup­tun­gen und Vorschriften.


Hal­ten Sie diesen Wider­stand für gerecht­fer­tigt?


Ja, natür­lich.

Ich bin natür­lich entset­zt, wie schnell und ohne Infragestel­lung auch in den maßgeben­den Medi­en alle möglichen einan­der wider­sprechen­den Erk­lärun­gen und Maß­nah­men angenom­men wur­den und in der Bre­ite, in der sie durchge­set­zt und gegen die leis­es­ten Bedenken und Kri­tik mit Zäh­nen und Klauen, unter Mis­sach­tung selb­st des ger­ing­sten Respek­ts vertei­digt wer­den. Dieses Aus­maß hat mich über­rascht und zeigt, wie sta­bil die Herrschaft ist und wie tiefge­hend sie inter­nal­isiert ist – vor dem Hin­ter­grund von Angst allerd­ings. Selb­stver­ständlich wird die CDU der große Gewin­ner sein …

Ich bin auch ent­täuscht, dass die Bewe­gun­gen, die sich in den let­zten Jahren gebildet haben, beson­ders FfF, Antifas usw. sich so wenig zu Wort gemeldet haben. Es hät­ten kri­tis­che Diskus­sio­nen organ­isiert wer­den müssen, die die Ver­ant­wortlichen in Poli­tik und Medi­en dazu aufzu­fordern, über die Ver­säum­nisse und falschen Entschei­dun­gen in der Gesund­heit­spoli­tik (Abbau der Kranken­häuser, Bet­ten­zahl, Per­son­al, let­ztlich auf Grund der jahre­lan­gen Pri­vatisierungswelle) und in der Präven­tion­spoli­tik (Vor­räten an Schutz­ma­te­r­i­al und Schutzmit­teln, Abbruch der phar­makol­o­gis­chen Forschung­spro­jek­te im Gebi­et der Pan­demien, usw.) Rechen­schaft abzule­gen. Eben­so wären Diskus­sio­nen mit unter­schiedlich aus­gerichteten Experten über die Fra­gen der Gefährlichkeit des Virus, der Diag­nose und Behand­lung zu fordern gewe­sen. Und es fehlt weit­ge­hend die Sorge darüber, wie not­stands­ge­set­zmäßig bürg­er­liche Rechte außer Kraft geset­zt wer­den.

Das alles hat nicht stattge­fun­den und so wer­den die extrem ein­schnei­den­den zer­störerischen Maß­nah­men wider­spruch­s­los akzep­tiert. Das hat mich dann nicht mehr über­rascht: was soll die Bevölkerung tun, wenn sie von denen im Stich gelassen wird, die sich bish­er als Oppo­si­tion ange­boten hat­ten?

Hin­ter­her wird gern die Forderung, seinem eige­nen Gewis­sen zu fol­gen, erhoben, das ken­nen wir ja aus unser­er Geschichte,  – Wenn der Zwang sozusagen vorüber ist. Nach dem Régime Change. In der Aufar­beitung des Nation­al­sozial­is­mus war das ein wichtiger Punkt. Das ist sog­ar im Grundge­setz ver­ankert. Die „Väter des Grundge­set­zes“ haben den Wider­stand gegen das Régime hero­isiert, bzw. dadurch sich selb­st. Darauf beziehen sich nun die Demon­stran­ten oder die Kri­tik­er – zum Teil jeden­falls. Heute, „in Zeit­en der Coro­na“, wer­den diejeni­gen, die sich auf das Grundge­setz beziehen, von der Mehrzahl, die den Vor­gaben der Regierung zus­timmt, im Stich gelassen. Das ist tat­säch­lich ethisch eine sehr hochste­hende Entschei­dung, sich gegen die über­wälti­gende Mehrheit auf sein eigenes Gewis­sen zu ver­lassen.


Han­nah Ahrendt: Nie­mand hat das Recht zu gehorchen. Auch die Geschwis­ter Scholl, die im jugendlichen Alter erkan­nt haben, Wider­stand leis­ten zu müssen. Auf den ver­bote­nen Demon­stra­tio­nen wer­den Jahreszahlen genan­nt oder gerufen: 1933 und 1984. Es kur­siert eine Nachricht, dass in Wasser­w­erken im Falle eines Aufruhrs Beruhi­gungsmit­tel beigemis­cht wer­den. Soma aus dem Wasser­w­erk.


Ich habe davon noch nicht gehört. Das geht aber auch in die Rich­tung, dass man aufmerk­sam sein muss und sich nicht ein­fach blind auf eine Seite schla­gen darf.


Wie ist schließlich die Angst über­wind­bar? Was ist zu tun?


Wir dif­feren­zieren ja zwis­chen ver­schiede­nen For­men von Äng­sten. Die Angst, die der Sit­u­a­tion gemäß ist, die also warnt vor der Sit­u­a­tion, die muss man unter­schei­den von der neu­ro­tis­chen oder der nicht der Real­ität angemesse­nen Angst. Die neu­ro­tis­che Angst, die im Moment vorherrscht, ist die Autorität­sangst, der Autori­taris­mus, die Unter­w­er­fung unter die Anord­nung der Regieren­den, der Autorität (s.o.). Wobei es sich bei ein­er denkbaren Psy­chother­a­pie um einen lang­wieri­gen Gene­sung­sprozess han­delt.

Die Angst selb­st kann man nicht nehmen, man muss die Gründe der Angst nehmen. Die Gründe der Angst liegen ja meis­tens in biographis­chen Fehlen­twick­lun­gen, die bewusst­gemacht wer­den. Wenn sie bewusst sind, ist die Angst nicht mehr nötig, weil sie keinen kom­pen­satorischen Zweck mehr hat. Sie kann nicht mehr ablenken von den eigentlichen Grün­den und auf etwas anderes ver­schieben wie Angst vor Spin­nen oder vor Viren.


Wenn wir ein­mal annehmen, dass das, was zur Zeit läuft, auch ein Gen­er­alan­griff auf die Demokratie ist, dass es um das Ende des „großar­ti­gen Exper­i­ments, das wir Demokratie nen­nen“, geht, von dem Gen­er­al Tom­my Franks, Kom­man­dant der US-Trup­pen bei den Über­fällen der USA auf Afghanistan 2001 und Irak 2003, in einem Inter­view im Mag­a­zin Cig­ar Afi­ciona­do 2003 spricht – wie muss man sich da ver­hal­ten?


Protestieren. Man muss protestieren und die Demokratie muss man vertei­di­gen. Das ist das einzige, was man machen kann. Man muss solche Ver­suche zurück­weisen. Was die Schwierigkeit ist: Man wird ja leicht in die Ecke der Ver­schwörungs­the­o­retik­er und unsachgemäßen Zeitgenossen ein­ge­ord­net, wenn man über­haupt 1 und 1 zusam­men­zählt. Es ist intellek­tuell sozusagen ver­boten, aus dem, was man sieht, Schlussfol­gerun­gen zu ziehen.


Neben der bil­li­gen All­round­waffe „Ver­schwörungs­the­o­retik­er“ für um Argu­men­ta­tion Ver­legene kur­sieren Schimpf­be­griffe wie „Wichtigtuer“, wenn Ärzte sich zu Wort melden, oder „Demokratieretter“ für die Grundge­set­zvertei­di­gerIn­nen.


Da gehen die Leute genau über die entschei­dende Gren­ze: Demokratieretter müssten ja gefeiert wer­den, mit dem Bun­desver­di­en­stkreuz aus­geze­ich­net. Dieses Wort „Demokratieretter“ ist ent­lar­vend. Denn es geht den Kri­tik­ern ja darum, die Demokratie gegen jeden Angriff zu ret­ten. Wenn das jemand dif­famiert, ent­larvt er oder sie sich eigentlich als Feind der Demokratie. Man muss jeden Angriff auf­greifen und zurück­weisen …


Was ist mit den Exis­ten­zen, die ver­nichtet wer­den. Das sind dann Kol­lat­er­alschä­den?


Aus der Sicht der Demokratie darf es Kol­lat­er­alschä­den nicht geben. Und auch nicht aus der Sicht der Human­ität.


Was spielt die zeitliche Unbe­gren­ztheit der Maß­nah­men für eine Rolle?


Das ist natür­lich ganz grauselig. Der Zeit­fak­tor ist wichtig für die Frage der Tolerierung. Diesel­ben Maß­nah­men kann man (die Regierung? die Autorität?) nicht ohne Begrün­dung ständig fort­set­zen. Bish­er ist ja die entschei­dende Begrün­dung, die gegeben wird, wenn wir die Vor­sichts­maß­nah­men auflock­ern, dann wird die Ansteck­ungs­ge­fahr sich ver­größern. In dieser Sache müsste man ein­fach wis­senschaftliche Ergeb­nisse (Belege?) fordern, denn son­st ist das ähn­lich, wie wenn eine Katze von links nach rechts läuft, dann passiert etwas Schlimmes. Auf diesem Niveau bewegt sich die Begrün­dung. Sie arbeit­et wieder mit der Angst, mit unbe­wiese­nen Behaup­tun­gen, die in ihrer Unbe­wießen­heit ger­ade die Unsicher­heit pro­duzieren, die der Angst­machende braucht. Ger­ade in der ständi­gen Fort­set­zung der Maß­nah­men steckt etwas, was erk­lärungs­bedürftig ist.

Ich erk­läre mir diese Maß­nah­men als „Schock­strate­gie“ im Sinne von Nao­mi Klein. Ich bin kein Experte, aber es gibt weltweit Experten, die ander­er Mei­n­ung sind, als die uns vorge­führten, die der Mei­n­ung sind, dass die Gefährlichkeit nicht höher ist als bei bekan­nten Grippe-For­men.

Deshalb komme ich dazu, dass das Virus gemäß der Schock­strate­gie dafür her­hal­ten muss, andere Ziele durchzuset­zen: Dig­i­tal­isierung aller Bere­iche der Gesellschaft, Mark­t­bere­ini­gung, Abschaf­fung des Bargeldes, Überwachung der Bevölkerung, Einübung in die Nieder­schla­gung sozialer Kämpfe, die angesichts der Wirtschaft­skrisen in den näch­sten Jahren noch entste­hen wer­den.


Die „Ret­tung“ ist schon in Sicht. Die zeich­net sich am Fir­ma­ment ab: die ange­bliche Ret­tung heißt Impf­stoff.


Es ist ja erst­mal zu beobacht­en, dass die Anzahl der vom Tode Betrof­fe­nen abn­immt. Dass – wie der Pathologe Pro­fes­sor Klaus Püschel, Leit­er der Rechtsmedi­zin im Uni­ver­sität­sklinikum Ham­burg-Eppen­dorf, nachgewiesen hat – sehr wenige Leute an Coro­na ster­ben, son­dern an anderen Ursachen. Aber es wird alles unter Coro­na sub­sum­miert. Das müsste alles öffentlich disku­tiert wer­den, dass die Basis der Maß­nah­men schon jet­zt wegge­brochen ist. Und dann mit dem Impf­stoff zu dro­hen, hat etwas wie absolute Tilgung – wie vorhin schon gesagt, d. h. einen total­itären Anspruch, eine Welt ohne diesen Virus zu erzeu­gen, was unge­heure Schä­den, – vorhin hat­ten wir den Begriff Kol­lat­er­alschä­den – her­vor­rufen kön­nte, die völ­lig unnötig wären, die nur entste­hen, wenn wir das auf die Spitze treiben.


Kön­nen Sie aus per­sön­lich­er Sicht oder Beruf­ser­fahrung noch sagen, was unter dem Begriff Glück zu ver­ste­hen ist?

Glück wäre, wenn das alles wie ein Spuk ver­schwinden würde. Das ist ja auch eine Funk­tion der Strenge der Maß­nah­men, die jeglich­es gesellschaftliche aber auch per­sön­liche Leben auf einen Gefrier­punkt run­ter­drückt. Man ist schon für die leis­es­te Erle­ichterung dankbar. Kön­nte sein, dass die Men­schen das schon als Glück erleben. Glück ist abhängig von der Sit­u­a­tion, in der man lebt, und je mis­er­abler die Sit­u­a­tion ist, in der man lebt, desto weniger bedarf es glück­lich zu sein.

Coro­na ist nur wirk­lich gefährlich bei Vor­erkrankun­gen, und die haben mit miesen Lebens­be­din­gun­gen zu tun. Die haben die Men­schen in unser­er Gesellschaft durch unge­heuren Stress, durch ökonomis­che Bedro­hung, den Arbeit­splatz zu ver­lieren, durch ständi­ge Konkur­renz, durch ökol­o­gis­che Bedin­gun­gen. Das weiß man auch, dass der Fein­staub in der Luft, die Krankheit gefährlich macht (Stich­wort Ital­ien). Diesen Stress haben wir priv­i­legierten Psy­cholo­gen nicht.



Klaus-Jür­gen Brud­er ist Psy­cho­an­a­lytik­er, Pro­fes­sor für Psy­cholo­gie an der Freien Uni­ver­sität Berlin, Vor­sitzen­der der Neuen Gesellschaft für Psy­cholo­gie mit der er seit 10 Jahren inter­diszi­plinäre Kon­gresse organ­isiert, sowie unter anderem Her­aus­ge­ber der Schriften­rei­he »Sub­jek­tiv­ität und Post­mod­erne« im Gießen­er Psy­chosozial-Ver­lag. Seine Forschungss­chw­er­punk­te sind Geschichte der Psy­cholo­gie, Psy­cho­analyse, Prag­ma­tismus, Post­mod­erne, Jugend­kul­tur, Geschlechter­beziehun­gen, Diskurs der Macht. Kon­greßthe­men waren u. a.: „Dig­i­tal­isierung“ – Sire­nengesänge oder Schlachtruf der „Kan­ni­bal­is­tis­chen Wel­tord­nung“, „Krieg nach innen, Krieg nach außen. – Die Intellek­tuellen als Stützen der Gesellschaft?“, „Krieg um die Köpfe – Der Diskurs der „Ver­ant­wor­tungsüber­nahme“.