Ich möchte mich mit diesem Artikel vor allem an diejenigen Leser wenden, die sich weitgehend als „links denkend“ oder „links fühlend“ einschätzen. Heute sind viele einstmals so wohldefinierte Begriffe ins Rutschen gekommen sind.

Es gibt Leute, die der Auffassung sind, dass die Begriffe „links“ und „rechts“ überholt seien und deswegen zu verwerfen seien.

Dieser Meinung bin ich ausdrücklich nicht. Im Propaganda-Sprech vor allem dem der Mainstream-Medien haben diese Begriffe oft ihre ursprüngliche Bedeutung verloren, oder die Bedeutung der Begriffe wurde geradezu ins Gegenteil umgepolt.

Verkürzt ausgedrückt: Wo „links“ dransteht, ist manchmal oder oft gar nicht mehr „links“ drin, und wo „rechts“ dransteht, gar zu oft auch nicht wirklich „rechts“.

Das schafft viel Verwirrung.

April diesen Jahres machte ich mich auf, die sogenannten „Hygiene-Demonstrationen“ in Berlin zu beobachten. Es handelte sich um Menschen entweder mit dem Grundgesetz in der Hand oder mit improvisierten Pappschildchen mit antikapitalistischen Losungen.

Eigentlich eine Ansammlung „linker Vögel“. Mainstream-Medien und halbamtliche Regierungsagenturen wie der Volksverpester (oder so ähnlich) behaupteten aber, da wären „Rechte“ am Werk. Ich vertraue und vertraute meinen Sinnesorganen mehr als irgendeiner Propagandaplattform. Aber so drastische Lügen müssen einen Grund haben. Es geht letztlich um Instrumentalisierung.

Ich habe seit 1971 an vielen Demonstrationen gegen den Vietnamkrieg teilgenommen, gegen AKWs, für Nicaragua, gegen die Irak-Kriege und natürlich auch gegen die NPD.

Es wäre übrigens in den 70er und 80er Jahren absurd gewesen, wenn irgendeine „Antifa“ gegen die Anti-AKW-Demos demonstriert hätten. Warum aber wäre das damals unmöglich gewesen? Weil die Kerngruppen an linken Aktivisten, die die Demos gegen AKWs organisierten, sich weitgehend überschnitten mit den jenen, die auch Anti-Nazi-Demos („Antifa“) durchführten.

Ich war selbst auch mal „Antifa“, etwa als Teil einer in asiatischen Kampfsportarten trainierten Gruppe, die sich in den 80ern mit Skinheads konfrontieren musste. „Antifa“ war nie eine Organisation, „Antifa“ war ein Thema.

2020 erlebten wir, dass als „die Antifa“ maskierte Vermummte sich aufführten wie Hilfspolizisten, um die seit April 2020 entstehende Bewegung gegen die C-Maßnahmen zu „bekämpfen“.

Ich möchte betonen: „Antifa“ ist ein Label, eine Marke, und zwar eine ungeschützte. Eine Fake-Antifa ist daher nicht schwer zu konstruieren.

Jeder verdeckt arbeitende Apparat, ob geheimdienstlich oder privat (auch das gibt es), hat keine Probleme, ein paar Youngsters in schwarze Kleidung mit „Hasskapp“ zu stecken, um Krawall zu machen. Der Begriff „Querfront“ wurde von irgendeinem „Think Tank“ dazu als passender Kampfbegriff konstruiert. Keiner aus dem Fußvolk ist in der Lage, diesen Begriff in seinem historischen Kontext zu verstehen oder gar zu erklären. Muss auch nicht sein. Es reicht, wenn sie glauben, sie wären „gegen rechts“.

Ein Stichwort, das sich für mich deshalb sofort aufdrängte, lautete COINTELPRO ( → Suchmaschine). COINTELPRO ist die Abkürzung für COUNTERINTELLIGENCE PROGRAM und war ein Maßnahmenkatalog für die Strategie der amerikanischen Bundespolizei FBI, die in den Jahren 1956 bis 1971 zum Ziel hatte, die damals überall in den USA aufsprießenden Bewegungen von unten (Black Panther, Bewegung gegen den Vietnamkrieg), vor allem aber linke und sozialistische Organisationen gezielt zu zersetzen und zu zerstören. In diesem Zusammenhang wurden – neben Mord und Totschlag – auch „sophisticated“ Methoden angewandt wie Unterwanderung durch Einflussagenten, die gezielte Spaltung von Gruppen, das Auslösen tödlicher Feindschaften. Das gipfelte sogar in der Gründung „eigener Gruppen“ (linker Fake-Organisationen).

All diese Aktivitäten wurden von der Church-Untersuchungskommission 1971 aufgedeckt, die entsprechenden „Operationen“ mussten veröffentlicht werden. Die entsprechenden Dokumente sind im Internet frei verfügbar (Englischkenntnisse nötig). Ihr Studium lohnt sich, man bekommt einen guten Überblick über die Instrumentarien des sogenannten „tiefen Staates“. Es sind international gängige Methoden der „Counter-Insurgency“ (Aufstandsbekämpfung).

Solche Operationen wurden schon Anfang des 20. Jahrhunderts von der zaristischen Geheimpolizei Ochrana angewandt. Diese erlangte dadurch die Kontrolle über den terroristischen Zweig der Partei der Sozialrevolutionäre und konnte ihn nach Belieben für eigene Zwecke einsetzen. Die russische Revolution wurde allerdings durch derart „sophisticated actions“ nicht verhindert.

Ist das alles nur bloß Geschichte?
Ich bin überzeugt davon, dass solche COINTELPRO-Programme heute eine Blütezeit wie nie zuvor erleben.

Die imperialistische Propaganda gibt sich meiner Beobachtung nach im 21. Jahrhundert sehr gern als „links“, „antirassistisch“, „feministisch“ und „progressiv“. Das ist pure PR-Strategie. Aber es kommt auch zu systematischen Instrumentalisierungen von „sich-links-fühlenden“ Menschen.

Es ist durchaus praktisch, neue antikapitalistische Bewegungen von unten nicht etwa von rechten Gruppen angreifen zu lassen, sondern von „linken“. Das hat Vorteile. Gerade wenn es um die Anwendung illegaler Gewalt geht.

In manchen linken Diskussionszirkeln hat sich die Bezeichnung „Transatlantifa“ eingebürgert für das Phänomen, dass sich hinter vielen „linken“ Fassaden oft eine gesteuerte de-facto extrem rechte Agenda verbirgt. Diesen Kräften sollte der Markenname „Antifa“ nicht einfach überlassen werden. Er muss ihnen abgesprochen werden. „Transatlantifa“ als Begriff hat den Vorteil, dass er semantisch selbsterklärend ist.

„Antifa“ ist NICHT Antifa. „Antifa“ ist TRANSATLANTIFA.

Lass dich nicht instrumentalisieren!

Pedro Kreye
(Nemetico)


Dieser Beitrag erschien zuerst auf Nemeticos Politblog. Der Freie  Funken veröffentlicht ihn mit freundlicher Genehmigung des Autors hier wieder.