COINTELPRO & Transatlantifa

von Pedro Kreye

Vorbe­merkung der Redak­tion: Dieser Beitrag erschien zuerst auf Nemeti­cos Polit­blog. Der Freie  Funken veröf­fentlicht ihn mit fre­undlich­er Genehmi­gung des Autors hier wieder.

Ich möchte mich mit diesem Artikel vor allem an diejeni­gen Leser wen­den, die sich weit­ge­hend als „links denk­end“ oder „links füh­lend“ ein­schätzen. Heute sind viele ein­st­mals so wohldefinierte Begriffe ins Rutschen gekom­men sind.

Es gibt Leute, die der Auf­fas­sung sind, dass die Begriffe „links“ und „rechts“ über­holt seien und deswe­gen zu ver­w­er­fen seien.

Dieser Mei­n­ung bin ich aus­drück­lich nicht. Im Pro­pa­gan­da-Sprech vor allem dem der Main­stream-Medi­en haben diese Begriffe oft ihre ursprüngliche Bedeu­tung ver­loren, oder die Bedeu­tung der Begriffe wurde ger­adezu ins Gegen­teil umgepolt.

Verkürzt aus­ge­drückt: Wo „links“ dranste­ht, ist manch­mal oder oft gar nicht mehr „links“ drin, und wo „rechts“ dranste­ht, gar zu oft auch nicht wirk­lich „rechts“.

Das schafft viel Verwirrung.

April diesen Jahres machte ich mich auf, die soge­nan­nten „Hygiene-Demon­stra­tio­nen“ in Berlin zu beobacht­en. Es han­delte sich um Men­schen entwed­er mit dem Grundge­setz in der Hand oder mit impro­visierten Papp­schild­chen mit antikap­i­tal­is­tis­chen Losungen.

Eigentlich eine Ansamm­lung „link­er Vögel“. Main­stream-Medi­en und hal­bamtliche Regierungsagen­turen wie der Volksver­pester (oder so ähn­lich) behaupteten aber, da wären „Rechte“ am Werk. Ich ver­traue und ver­traute meinen Sin­nesor­ga­nen mehr als irgen­dein­er Pro­pa­gan­daplat­tform. Aber so drastis­che Lügen müssen einen Grund haben. Es geht let­ztlich um Instrumentalisierung.

Ich habe seit 1971 an vie­len Demon­stra­tio­nen gegen den Viet­namkrieg teilgenom­men, gegen AKWs, für Nicaragua, gegen die Irak-Kriege und natür­lich auch gegen die NPD.

Es wäre übri­gens in den 70er und 80er Jahren absurd gewe­sen, wenn irgen­deine „Antifa“ gegen die Anti-AKW-Demos demon­stri­ert hät­ten. Warum aber wäre das damals unmöglich gewe­sen? Weil die Kern­grup­pen an linken Aktivis­ten, die die Demos gegen AKWs organ­isierten, sich weit­ge­hend über­schnit­ten mit den jenen, die auch Anti-Nazi-Demos („Antifa“) durchführten.

Ich war selb­st auch mal „Antifa“, etwa als Teil ein­er in asi­atis­chen Kampf­s­portarten trainierten Gruppe, die sich in den 80ern mit Skin­heads kon­fron­tieren musste. „Antifa“ war nie eine Organ­i­sa­tion, „Antifa“ war ein Thema.

2020 erlebten wir, dass als „die Antifa“ mask­ierte Ver­mummte sich auf­führten wie Hil­f­spolizis­ten, um die seit April 2020 entste­hende Bewe­gung gegen die C‑Maßnahmen zu „bekämpfen“.

Ich möchte beto­nen: „Antifa“ ist ein Label, eine Marke, und zwar eine ungeschützte. Eine Fake-Antifa ist daher nicht schw­er zu konstruieren.

Jed­er verdeckt arbei­t­ende Appa­rat, ob geheim­di­en­stlich oder pri­vat (auch das gibt es), hat keine Prob­leme, ein paar Young­sters in schwarze Klei­dung mit „Has­skapp“ zu steck­en, um Krawall zu machen. Der Begriff „Quer­front“ wurde von irgen­deinem „Think Tank“ dazu als passender Kampf­be­griff kon­stru­iert. Kein­er aus dem Fußvolk ist in der Lage, diesen Begriff in seinem his­torischen Kon­text zu ver­ste­hen oder gar zu erk­lären. Muss auch nicht sein. Es reicht, wenn sie glauben, sie wären „gegen rechts“.

Ein Stich­wort, das sich für mich deshalb sofort auf­drängte, lautete COINTELPRO ( → Such­mas­chine). COINTELPRO ist die Abkürzung für COUNTERINTELLIGENCE PROGRAM und war ein Maß­nah­menkat­a­log für die Strate­gie der amerikanis­chen Bun­de­spolizei FBI, die in den Jahren 1956 bis 1971 zum Ziel hat­te, die damals über­all in den USA auf­s­prießen­den Bewe­gun­gen von unten (Black Pan­ther, Bewe­gung gegen den Viet­namkrieg), vor allem aber linke und sozial­is­tis­che Organ­i­sa­tio­nen gezielt zu zer­set­zen und zu zer­stören. In diesem Zusam­men­hang wur­den – neben Mord und Totschlag – auch „sophis­ti­cat­ed“ Meth­o­d­en ange­wandt wie Unter­wan­derung durch Ein­flus­sagen­ten, die gezielte Spal­tung von Grup­pen, das Aus­lösen tödlich­er Feind­schaften. Das gipfelte sog­ar in der Grün­dung „eigen­er Grup­pen“ (link­er Fake-Organisationen).

All diese Aktiv­itäten wur­den von der Church-Unter­suchungskom­mis­sion 1971 aufgedeckt, die entsprechen­den „Oper­a­tio­nen“ mussten veröf­fentlicht wer­den. Die entsprechen­den Doku­mente sind im Inter­net frei ver­füg­bar (Englis­chken­nt­nisse nötig). Ihr Studi­um lohnt sich, man bekommt einen guten Überblick über die Instru­men­tarien des soge­nan­nten „tiefen Staates“. Es sind inter­na­tion­al gängige Meth­o­d­en der „Counter-Insur­gency“ (Auf­s­tands­bekämp­fung).

Solche Oper­a­tio­nen wur­den schon Anfang des 20. Jahrhun­derts von der zaris­tis­chen Geheim­polizei Ochrana ange­wandt. Diese erlangte dadurch die Kon­trolle über den ter­ror­is­tis­chen Zweig der Partei der Sozial­rev­o­lu­tionäre und kon­nte ihn nach Belieben für eigene Zwecke ein­set­zen. Die rus­sis­che Rev­o­lu­tion wurde allerd­ings durch der­art „sophis­ti­cat­ed actions“ nicht verhindert.

Ist das alles nur bloß Geschichte?
Ich bin überzeugt davon, dass solche COIN­TEL­PRO-Pro­gramme heute eine Blütezeit wie nie zuvor erleben.

Die impe­ri­al­is­tis­che Pro­pa­gan­da gibt sich mein­er Beobach­tung nach im 21. Jahrhun­dert sehr gern als „links“, „anti­ras­sis­tisch“, „fem­i­nis­tisch“ und „pro­gres­siv“. Das ist pure PR-Strate­gie. Aber es kommt auch zu sys­tem­a­tis­chen Instru­men­tal­isierun­gen von „sich-links-füh­len­den“ Menschen.

Es ist dur­chaus prak­tisch, neue antikap­i­tal­is­tis­che Bewe­gun­gen von unten nicht etwa von recht­en Grup­pen angreifen zu lassen, son­dern von „linken“. Das hat Vorteile. Ger­ade wenn es um die Anwen­dung ille­galer Gewalt geht.

In manchen linken Diskus­sion­szirkeln hat sich die Beze­ich­nung „Transat­lantifa“ einge­bürg­ert für das Phänomen, dass sich hin­ter vie­len „linken“ Fas­saden oft eine ges­teuerte de-fac­to extrem rechte Agen­da ver­birgt. Diesen Kräften sollte der Marken­name „Antifa“ nicht ein­fach über­lassen wer­den. Er muss ihnen abge­sprochen wer­den. „Transat­lantifa“ als Begriff hat den Vorteil, dass er seman­tisch selb­sterk­lärend ist.

„Antifa“ ist NICHT Antifa. „Antifa“ ist TRANSATLANTIFA.

Lass dich nicht instrumentalisieren!

1 Kommentar

  1. Viva la anarquia

    Dazu fällt mir ein, dass die Antifa in den USA genau­so wider­sprüch­lich zu ihrem eigentlichen Zweck, Faschis­mus zu bekämpfen, agiert. Eben­so wie dort ent­standene Grup­pierun­gen mit ver­meintlich link­er Rich­tung wie Black Lives Mat­ter. Inter­es­sant ist auch, dass jene Bewe­gun­gen, deren Ursprung eigentlich in den USA liegen auch bei uns zeit­gle­ich auftreten, obwohl der ursäch­liche Kon­text bei uns fehlt .
    Die glob­ale Orchestrierung wird allein dadurch schon deut­lich. Noch deut­lich­er wird es, wenn man dem Weg des Geldes folgt.

    https://linkezeitung.de/2018/10/09/george-soros-der-antifaschistische-faschist/

    Es dürfte mit­tler­weile bekan­nt sein, dass ver­meintlich linke Grup­pierun­gen von den­jeni­gen instru­men­tal­isiert wer­den, die an der Spitze der Ursachen von uner­wartet vie­len glob­alen Prob­le­men ste­hen. Das ist wiederum ein großes Prob­lem aller wirk­lich linken Bewe­gun­gen. Da der größte Wider­sach­er zu elitären Kreisen in poli­tisch linken Ideen liegt, ist es nahe­liegend, dass dies dur­chaus gewollt ist um den Nährbo­den wirk­lichen Wider­stands zu vergiften.
    Die Stelle, an der sich die links drehende Katze in den Schwanz beisst, liegt aber genau dort, denn die Pro­pa­gan­da der Nazis bein­hal­tete auch die behsuptete Gefahr von jüdis­chen Großbanken, welche das auserko­rene deutsche Volk bedrohen.
    Es Bedarf einiger ide­ol­o­gis­ch­er Flex­i­bil­ität, will die poli­tis­che Linke sich dieses Phänomens der eige­nen Unter­wan­derung bzw Über­nahme annehmen, denn dann müsste sie sich mit jen­er anti­semi­tis­chen Pro­pa­gan­da auseinan­der­set­zen und möglicher­weise eingeste­hen, dass zumin­d­est Teile oder Auszüge daraus wahr sein könnten.
    Das dürfte auch inner­halb echter link­er Grup­pierun­gen für deut­lich spal­tenden Zünd­stoff sor­gen und sie solang mit sich selb­st beschäfti­gen lassen, dass der Zeit­punkt für die Rev­o­lu­tion lei­der ver­passt würde.

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