Der Clou der fallenden Profitrate – Ergänzungen zu Jan Müllers „Dark Winter”

Beitrag von „ungesund hallo“ 

Anlässlich eines Artikels von Walter Grobe, Wie idyllisch und wie abstrakt darf eine Freie Linke sein?, fragt „die Redaktion“ des Freien Funken: „Wir orientieren uns an Theorien, die vor 50 bis 150 Jahren zu den Verhältnissen der Zeit gepasst haben. Wie realistisch ist das?“ Das Folgende ist ein Versuch, verstaubte Theorien mit Gegenwartsrealismus und „theoretische Ausarbeitungen“ mit „realistischen linken Strategien“ (Walter Grobe) zum Zusammenklang zu bringen. Für die Algebra, die dabei ins Spiel kommt, und die Geduldszumutung bitte ich um Entschuldigung.

 

In Dark Winter – Thesenpapier zur Coronakrise vertritt Jan Müller die These, „dass der Kapitalismus als Produktionsweise aufgrund des Gesetzes des tendenziellen Falls der Profitrate in eine schwere, vermutlich unüberwindbare Krise geraten ist“.

Bezogen auf den Kapitalismus Nordamerikas und größerer Teile Europas (Ad hoc-Kurzbezeichnung: „Altkapitalismus“) möchte ich aus Jan Müllers These das „vermutlich” streichen und behaupten: Der Altkapitalismus als Produktionsweise steckt in einer unüberwindbaren Krise, wobei sich sowohl die Krise als auch ihre Unüberwindbarkeit mit Hilfe des Gesetzes des tendenziellen Falls der Profitrate erklären lassen – sogar, wenn die Profitrate gar nicht fällt oder nicht unbedingt zu fallen bräuchte.

„Unüberwindbarkeit“ soll heißen: Zur Überwindung der Krise kommen nur nichtkapitalistische Lösungen in Frage – außer einer Neofeudalisierung/Faschismus eine autoritäre oder demokratische Entprivatisierung von Produktionsmitteln oder auch eine Entfaltung nichtkapitalistischer Warenproduktionen, jedoch nicht die (Wieder-)Herstellung eines Konkurrenzkapitalismus nach dem Motto: durch Entmachtung der „Oligarchen“ und Entmonopolisierungen des Kapitals, vielleicht noch etwas praktizierter Modern Money Theory, flutscht der Laden wieder. Der aktuelle Systemumbruch ist gerade die Folge davon, dass der Laden nicht mehr flutschen kann. Aus purer Gier und Beklopptheit stürzt die schöne Pseudodemokratie mit durch Brot und Spiele ruhig gestelltem Arbeitsvolk nicht zusammen.

In einer ähnlichen Situation der ausweglos scheinenden Krise steckte der Altkapitalismus allerdings schon einmal. Nach dem (durch den?) Zweiten Weltkrieg konnte er sich prächtig berappeln; daher eine angemessene Vorsicht gegenüber Unüberwindbarkeitsbehauptungen.

1. Kapitalzusammensetzung

Bei der wachsenden organischen Zusammensetzung des Kapitals (Kapitalzusammensetzung) c / v scheint es um etwa folgendes Problem zu gehen: Immer mehr Kram wird maschinell und automatisch hergestellt, während die Bedeutung der menschlichen Arbeitskraft im Produktionsprozess abnimmt. Da letztere die einzige Profitquelle ist, sinken die Profite.

Doch steht im c / v das c, das konstante Kapital, nicht für „Maschinen, Technik usw.“, sondern ebenso wie das v, das variable Kapital, für „menschliche Arbeit“. Sowohl c als auch v sind Wertangaben. c repräsentiert die zur Reproduktion von Produktionsmitteln aufgewandte Arbeitskraft und v die zur Reproduktion von Arbeitskraft aufgewandte Arbeitskraft.

Eine wachsende Kapitalzusammensetzung c / v sagt aus, dass ein zunehmender Teil der wertbildenden menschlichen Arbeitskraft für die Reproduktion von Produktionsmitteln aufgewendet wird, während der zur Reproduktion von Arbeitskraft aufgewandte Teil relativ abnimmt. Über die insgesamt zur Erzeugung einer gewissen Warenmenge eingesetzte wertbildende menschliche Arbeit sagt sie nichts.

Mit und ohne abnehmende Gesamtarbeit senkt laut Marx eine wachsende Kapitalzusammensetzung tendenziell die Profite und eine sinkende Kapitalzusammensetzung senkt die Profite tendenziell nicht. Dies, obwohl steigendes v ebensogut wie steigendes c die Profitrate senkt. (Erhöhen wir in Jan Müllers Rechenbeispiel, anstatt c von 300 auf 400, das variable Kapital v von 100 auf 200, kommt ebenfalls eine gesenkte Profitrate heraus: m / (c+v) = 100 / (300 + 200) = 100 / 500.)

Zu verstehen, weshalb die menschliche Arbeit des c für den Profit „böse“ ist und die menschliche Arbeit des v nicht, ist ein Schlüssel zum Verständnis der heutigen Weltlage – und zum Verständnis des Imperialismus’ gleich mit.

2. Zusammenhang von konstantem und variablem Kapital

Der Wert der menschlichen Arbeitskraft ist durch die Arbeitszeit gegeben, die zur Herstellung all der Waren (Güter und Dienstleistungen) nötig ist, die zur Reproduktion der Arbeitskraft erforderlich sind.

Welche Waren in welcher Menge genau als zur Reproduktion der Arbeitskraft erforderlich gelten, ob zum Beispiel unbedingt elektrische Zahnbürsten oder das Nichtverhungernlassen Erwerbsloser dazu gehören müssen, hängt von politischen, gewerkschaftlichen, historischen … vielen Aspekten ab. Speziell die Maßnahmen, die ergriffen werden, um Arbeiter:innen [1] von Revolutionen abzuhalten, sei es durch Polizeiterror oder Schulen oder Fußballmeisterschaften oder Wohngeld oder Angstkampagnen, sind ein Bestandteil des zur Reproduktion der Arbeitskraft nötigen Aufwands. Staats- und Stiftungsausgaben für diese Dinge lassen sich im hochentwickelten Kapitalismus zum größten Teil dem variablen Kapital v zurechnen. Es ist Geld, das Kapitalist:innen via Steuern, Steuerhinterziehung, Lohnnebenkosten, Spenden … zur Reproduktion der Arbeitskraft ausgeben bzw. das vom Mehrwert des Gesamtkapitals abzuziehen ist.

Im idealen Kapitalismus entspricht v dem Wert der insgesamt eingesetzten Arbeitskraft, wenn auch die Preise für unterschiedliche Arbeitskraft-Sorten (die Löhne) wie bei anderen Waren nicht unbedingt deren jeweiligem Wert entsprechen. So werden leicht ersetzbare Arbeitskräfte wertmäßig notorisch unterbezahlt, weil sie höchstens unmittelbar nach Kriegen nicht im Überangebot sind. Entweder sterben ihre menschlichen Träger wie viele im Frühkapitalismus oder sie bekommen den zu ihrer Reproduktion nötigen Lohn indirekt ausbezahlt, beispielsweise als Wohngeld.

Vom Wert der Gesamtarbeitskraft hängt der Mehrwert m ab, d.h. der Wert der Arbeit, die sich das Gesamtkapital unbezahlt aneignet. Eine unbezahlt zur Mehrwertschöpfung angeeignete Durchschnittsarbeitsstunde repräsentiert dieselbe Wertquantität wie eine bezahlt abgeleistete Durchschnittsarbeitsstunde. Beträgt die Mehrwertrate m / v beispielsweise 20 %, ist damit gemeint: = 0,2 • v.

Der Mehrwert m ist nach Marxschem Begriffsverständnis immer irgendwas mal v:
m = x • v.

Die in einem Wirtschaftssystem insgesamt eingesetzte Arbeitskraft hat einen Wert von v + m.

Eine Produktion im Wert von c + v + m mit einem v = 0, d.h. ganz ohne Arbeiter:innen, würde keinen Mehrwert abwerfen: c + 0 + x• 0 c.

Aber es kommt noch schlimmer!

„Der Wert des konstanten Kapitals, zum Beispiel von Maschinen, lässt sich […] auf den Wert der Ware Arbeitskraft zurückführen, der zu ihrer Produktion eingesetzt wurde.“
(Jan Müller: Dark Winter)

 

Beträgt der Wert der Arbeitskraft, der zur (Re-)Produktion von Maschinen usw. eingesetzt wird, Null, d.h. werden Produktionsmittel ganz ohne Arbeiter:innen (re-)produziert, muss demnach auch der Wert des konstanten Kapitals c Null sein.
0 + 0 + x• 0 = 0.

3. Menschliche Arbeit

Ein Null-Arbeitskraft-Zustand, in dem „die Arbeit in unmittelbarer Form aufgehört hat, die große Quelle des Reichtums zu sein“ (Karl Marx), ist leider noch nicht erreicht.

Die Ansicht, ein Zustand arbeitslosen Wohlstands stünde Kurz bevor, hängt vielleicht damit zusammen, dass ihre Vertreter:innen zu wenig mitbekommen, wie viel Schweiß und Mühe in den unzähligen Dingen stecken, die sie umgeben, mit denen sie gekleidet sind und die sie sich einverleiben.

Jede Gehwegplatte, auf die wir in den Städten treten, hat jemand dort hingelegt. Für jede Taste, auf die wir beim Texteschreiben tippen, haben Menschen in diversen Minen herumgewühlt. Die meisten Früchte, die wir essen, hat jemand manuell vom Baum oder Strauch gepflückt. Mit jedem Shirt, das wir bekleckern, haben sich Menschen befasst: beim Sähen und Ernten der Baumwolle, beim Beobachten und Warten von Spinn– und Schnittmaschinen, beim Nähen, Färben, Verpacken und Transportieren, beim Verkauf.

 

Baumwollfaser-Qualitätssortierung für gehobene Ansprüche: ein Fall für Neuro-Fuzzy-Automaten,
deren Entwicklung/Herstellung im Vergleich zur Handsortierung derzeit vermutlich noch zu viel Arbeitskraft erfordern würde,
um sie im maßgeblichen Zeitfenster profitabel einsetzen bzw. abschreiben zu können.
(Foto: CSIRO, Masken nicht Corona-bedingt)

Oder um ein anderes Beispiel zu nennen: Für hunderte Millionen von Menschen steht daheim kein Waschbecken mit fließend Wasser zur Verfügung. Wie viel Arbeit wird nötig sein, um diesen Bedarf zu decken, um die nötige Infrastruktur an Rohren und Straßen, die Badezimmer und Fabriken und Kraftwerke für den Fabrikbetrieb und für Leitungswasserpumpen zu schaffen?

Weiteres Anschauungsmaterial für die Bedeutung der menschlichen Arbeit bieten Covid-Verordnungen. Durch Nichtarbeit sanken außer Geld- bzw. Lohneinkommen die produzierten Mengen physisch brauchbarer Waren, unter anderem die von Bauholz, Halbleitern, Tee … auch beispielsweise Dienstleistungen zur Betreuung alter Menschen, woran nicht wenige starben.

Aus chronischer Massenerwerbslosigkeit wird leicht geschlossen, dass der Kapitalismus immer weniger ausbeutbare menschliche Arbeit nutzt. Aber die Erwerbslosigkeit sollte – wie Covid-Zahlen – im Zusammenhang gesehen werden.

In den letzten Jahrzehnten nahm die im Kapitalismus geleistete wertbildende menschliche Arbeit in unvorstellbarem Ausmaß zu. Seit 1990 stieg die absolute Zahl der Erwerbstätigen in der Welt um rund 1 Milliarde Menschen; in den USA stieg sie in diesem Zeitraum um rund 30 Millionen und in Deutschland um über 4 Millionen Menschen (Weltbank Labor force, totalUSAGermany).

Zugleich sinkt der Anteil der Erwerbstätigen an der Gesamtbevölkerung und können wir mit immer weniger Arbeitskraft immer mehr Kram produzieren.

 

Anteil der weltweit Erwerbstätigen an der Weltbevölkerung zwischen 1990 und 2020 (Weltbank)
Von 2019 auf 2020 ist ein deutlicher Einbruch zu sehen: Corona-Verordnungen.

 

4. Mehrwertrealisation

In einer gesamtwirtschaftlichen Produktion, die in einem gewissen Zeitraum einen Wert c + v + m erzeugt, lässt sich das c etwa so untergliedern:

c1 Wert der Produktionsmittel, die unmittelbar der Herstellung von Konsumtionsmitteln dienen

c2 Wert der Produktionsmittel, die der Herstellung von Produktionsmitteln dienen, die unmittelbar der Herstellung von Konsumtionsmitteln dienen

c3 Wert der Produktionsmittel, die der Herstellung von Produktionsmitteln dienen, die der Herstellung von Produktionsmitteln dienen, die unmittelbar der Herstellung von Konsumtionsmitteln dienen

… und immer so weiter.

Die 1. Ebene, die Produktionsmittel zur unmittelbaren Herstellung von Konsumtionsmitteln herstellt, erzeugt einen Wert von c1 = c2 + v1 + m1. Die Produktionsmittel im Wert von c2 kaufen die Kapitalist:innen von anderen Kapitalist:innen (oder Kapitalen, denn die persönlichen Eigentumsverhältnisse sind eigentlich egal).

Die 2. Ebene, die Produktionsmittel c2 zur Herstellung von Produktionsmitteln herstellt, die der unmittelbaren Herstellung von Konsumtionsmitteln dienen, erzeugt einen Wert von c2 = c3 + v2 + m2. Ihre Produktionsmittel im Wert von c3 kaufen die Kapitalist:innen von anderen Kapitalist:innen.

Die 3. Ebene, die Produktionsmittel c3 herstellt, erzeugt einen Wert von c3 = c4 + v3 + m3. Ihre Produktionsmittel im Wert von c4 kaufen die Kapitalist:innen von anderen Kapitalist:innen.

… und immer so weiter.

Beim Kauf von Produktionsmitteln realisieren Kapitalist:innen den Mehrwert, der bei der Produktion der Produktionsmittel der jeweils nächsten Ebene entsteht.

Kapitalist:innen der 1. Ebene realisieren den Mehrwert m2 der 2. Ebene. Preis/Wertentsprechung vorausgesetzt, zahlen sie beim Kauf der Produktionsmittel c2 einen Geldbetrag, der einem Wert von c2 = c3 + v2 + m2 entspricht. Kapitalist:innen der 2. Ebene realisieren den Mehrwert m3 der 3. Ebene, indem sie einen Geldbetrag zahlen, der c3 = c+ v+ m3 entspricht usw.

Der Wert des konstanten Kapitals der Gesamtproduktion beträgt
c = c1 + c2 + c3 + …

Je größer c im Vergleich zum v der Gesamtproduktion wird, desto weniger Arbeit kann gesamtwirtschaftlich unbezahlt bleiben. Zwar eignen sich die Einzelkapitale Mehrwert m1, m2 usw. an, aber da dessen Realisation durch andere Einzelkapitale geschieht, sinkt mit wachsender Kapitalzusammensetzung c / v gesamtwirtschaftlich der Anteil unbezahlt bleibender Arbeit und damit tendenziell die gesamtwirtschaftliche Profitrate m / (c + v).

Bei Einführung neuer Technologien wie Dampfmaschinen, maschineller Maschinenproduktion usw. entstehen neue Mehrwertproduktionen m1, m2 usw., bisher verbunden mit einem Zustrom neuer Arbeitskraft aus nichtkapitalistischen Bereichen, für deren „Produktion“ der Kapitalismusnichtaufzukommen brauchte, sowie oft neuen Naturmaterialien, die vorher ungenutzt „herumlagen“. Durch diese Neukapitalbildung sieht für den Kapitalismus und oft auch für Arbeiter:innen eine Weile alles prima aus – bis irgendwann aus irgendeinem hervorstechenden Anlass oder auf schleichenden Wegen herauskommt, dass das Gesamtsystem keinen für weiteres Wachstum ausreichenden Profit abwirft. Dies erklärt grob die in Jan Müllers Thesenpapier aufgeführten Langen Wellen.

Marx nennt die menschliche Arbeit, die c repräsentiert, „tot“ und die menschliche Arbeit, die v repräsentiert, „lebendig“. Nur die lebendige Arbeit ist Quelle des Profits.

„Da die Masse der angewandten lebendigen Arbeit stets abnimmt im Verhältnis zu der Masse der von ihr in Bewegung gesetzten vergegenständlichten Arbeit, der produktiv konsumierten Produktionsmittel, so muss auch der Teil dieser lebendigen Arbeit, der unbezahlt ist und sich in Mehrwert vergegenständlicht, in einem stets abnehmenden Verhältnis stehn zum Wertumfang des angewandten Gesamtkapitals. Dies Verhältnis der Mehrwertsmasse zum Wert des angewandten Gesamtkapitals bildet aber die Profitrate, die daher beständig fallen muss.“ (Das Kapital III, S. 223)

5. Reformen

Das Hauptproblem des Kapitalismus ist bis auf Weiteres nicht ein Bedeutungsverlust menschlicher Arbeitkraft in der Produktion an sich, sondern das Bezahlenmüssen eines wachsenden Teils der in der Warenproduktion verausgabten Arbeitskraft.

Wenn die wachsende Kapitalzusammensetzung c / v dem Kapitalismus Ärger macht, indem sie zur Bezahlung eines wachsenden Teils der Arbeit zwingt, dann lasst uns doch das technologisch bedingt wachsende c durch eine Erhöhung von v ausgleichen!

Auf diesen Gedanken laufen so ziemlich alle sozialen Reformvorschläge hinaus, die seit Bestehen des Kapitalismus vorgebracht werden.

Marx-orientierte Linke werfen im Chor mit Kapitalist:innen dagegen ein: wachsendes v senkt den Mehrwert m und also die Profite.

Aber weshalb sollte das der Fall sein, wenn doch m = x • v ist?
Wird das v auf der rechten Seite der Gleichung größer, sollte doch auch das m auf der linken Seite der Gleichung größer werden! In etwas herkömmlicherer Ausdrucksweise: Steigt die zahlungsfähige Nachfrage der Lohnabhängigen, dann entstehen zusätzliche Produktionen und mit ihnen zusätzlicher Mehrwert, so dass der Profit zunimmt.

Hier schlägt dasselbe Problem zu wie bei der wachsenden Kapitalzusammensetzung: Letztlich müssen bei wachsendem v die Kapitalist:innen den Mehrwert realisieren, der in den durch die zusätzliche Nachfrage entstehenden Produktionen erzeugt wird. Was weiter oben mit den c+ c2 … vorgeführt wurde, lässt sich genausogut mit v+ v+… + m+ m² … anstellen.

Kauft sich ein Lohnarbeiter Wimperntusche, bezahlt er (Preis/Wertentsprechung vorausgesetzt) den Kapitalist:innen, die mit deren Produktion befasst sind:
cWimperntusche + vWimperntusche + mWimperntusche

mWimperntusche ist im Lohn enthalten, den der Arbeiter von einer Kapitalistin erhält.

Gesamtwirtschaftlich kann durch Lohnerhöhungen, bezahlte Arbeitszeitverkürzungen, gentechnische Massenexperimente, gute soziale Netze und dergleichen der Betrag der unbezahlt bleibenden Arbeit nicht zunehmen, auch wenn für einzelne Kapitalist:innen zusätzliche Profitmöglichkeiten und dadurch für Arbeiter:innen zusätzliche Arbeitsplätze entstehen.

Ohne die Problematik des Bezahlenmüssens eines allzu großen Teils der gesamtwirtschaftlich verausgabten Arbeitskraft durch die Kapitalist:innen selber und den dadurch bedingten Profitverlust für das Gesamtkapital wäre es völlig unverständlich, weshalb sich Kapitalist:innen und Arbeiter:innen seit 250+ Jahren systematisch in die Wolle kriegen sollten. Wir hätten schon lange einen supertollen Kapitalismus hinbekommen, der im Innern und nach außen friedlich ist, allen Menschen ökologisch verträglichen Wohlstand sichert und den „Oligarchen“ die gewünschte Anzahl Villen, Wasserstoffraketen und Kreationen der Haute Couture liefert. Bisher sind wir immer nur fast und nur in einigen Weltgebieten an so einen Kapitalismus herangekommen. Wie bei den Langen Wellen laufen die Dinge mit gewerkschaftskämpferisch gehobenem v1, v2 … und m1, m2 … eine Weile prima, aber bisher krachte es im Sozialemarktwirtschaftsgebälk immer irgendwann ganz fürchterlich.

6. Imperialismus und Geld aus dem Nichts

Das bisher Dargelegte besagt: Der Kapitalismus kann in keinem Fall gesamtwirtschaftlichen Profit abwerfen, denn in der einen oder anderen Weise sind es immer Kapitalist:innen, die den Mehrwert anderer Kapitalist:innen realisieren, sei es durch direkte und indirekte Lohnzahlungen oder Produktionsmittelkäufe oder auch Einkäufe für den eigenen Konsum. Auf das Gesamtkapital bezogen kann keine Arbeit unbezahlt bleiben.

Erstmalig machte auf diesen Unstand Rosa Luxemburg 1913 in ihrem Buch Die Akkumulation des Kapitals aufmerksam. Dafür kassierte sie von allen Seiten Backpfeifen – mit wenigen, nur durch gezielte Ausgrabungsarbeiten auffindbaren Ausnahmen wie Georg Lukács 1920 im Aufsatz Klassenbewusstsein (S. 81, Anmerkung 27) oder Richard Sorge 1922 vor seiner Tätigkeit als sowjetischer Spion in seiner Zusammenfassung der Akkumulationsfrage „für die Arbeiterschaft“ oder Lucien Laurat alias Otto Maschl, Mitbegründer der Kommunistischen Partei Österreichs, 1930 in L’accumulation du capital d’après Rosa Luxemburg.

Im Prinzip kann der Kapitalismus nur mit zwei – kombinierbaren – Lösungen für das Problem des Bezahlenmüssens sämtlicher Arbeit aufwarten:

  1. Pah! Dann wird eben gesamtwirtschaftlich kein Profit gemacht!
  2. Außersystemische „soziale Formationen“ (Luxemburg) werden zur Bezahlung von Arbeit, zur Realisation von Mehrwert, herangezogen.

 

Unbezahlt bleibende Arbeit, realisierter Mehrwert, dient außer der Konsumtion der Kapitalist:innen Wachstumsinvestitionen. Ohne unbezahlt bleibende Arbeit bedeuten Wachstumsinvestitionen an der einen Stelle im Wirtschaftssystem Verluste an anderen Stellen im Wirtschaftssystem – entweder Mehrwertverluste für Kapitalist:innen oder Senkungen von v oder beides. Das Gesamtsystem steckt in einer chronischen Wachstumskrise fest, einer Krise der Akkumulierbarkeit von Kapital im Unterschied zu gewöhnlichen Konjunkturkrisen der Kapitalakkumulation.

Wachstum braucht der Kapitalismus aufgrund seiner Produktionslogik Geld – Ware – mehr Geld. Springt am Ende nicht mehr Geld heraus, wird gar nicht erst produziert. Damit es nicht zum dominoartigen Totalabsturz kommt, muss die Illusion von Profiten, von „mehr Geld“, zunehmend mit heißer Luft aufrecht erhalten werden.

Außersystemische (inländische oder ausländische) „soziale Formationen“ können dem Kapitalismus nur zu „echten“, wertbasierten Profiten verhelfen, indem sie wertbildende Arbeit leisten. Nicht jede beliebige menschliche Arbeit bildet aus Marx-orientierter Sicht Wert – weshalb manche, unter der Bezeichnung „Landnahme“ laufende Konzepte nur auf deklarativem Gebiet etwas mit Karl Marx und Rosa Luxemburg zu tun haben.

Die Wege, mit denen der Kapitalismus mit wertbildender Arbeit gefüttert werden kann, für deren Bezahlung die Kapitalist:innen des betreffenden Systems nicht aufzukommen brauchen, sind vielfältig: Raub und Zwangsarbeit, Schuldknechtschaft, wertmäßige Unterbezahlung importierter Rohstoffe und Nahrungsmittel, wertmäßig überzogene Preise für Exportwaren, Exportüberschüsse, Nutzung auswärts (re-)produzierter Arbeitskraft …

Zu den für den Kapitalismus mit unbezahlt bleibender, wertbildender Arbeit versorgenden „sozialen Formationen“ zählt die familiär betriebene Landwirtschaft, die nach dem Prinzip Ware – Geld – andere Ware funktioniert. Da sie bei fehlendem „mehr Geld“ nicht zu produzieren aufhört, eignet sich diese Produktionsform gut zur Bezuschussung des Kapitalismus. Aber relativ zur kapitalistischen Produktion schrumpft der Wertbetrag, den die nichtkapitalistische Landwirtschaft beisteuern kann. Im Altkapitalismus liegt der Anteil landwirtschaftlich Erwerbstätiger an den Erwerbstätigen bei 1 bis 3 % (Our World in Data).

Außer zunächst Sklaverei, Kolonien bzw. Billigeinkauf von Kolonialwaren und Projekte wie die Bagdad-Bahn, bei der anatolische Bäuer:innen Mehrwert der deutschen Stahlindustrie realisierten, halfen nach dem Zweiten Weltkrieg vor allem solche „sozialen Formationen“ dem Altkapitalismus mit unbezahlt bleibender Arbeit, die es schafften, aus dem Elend von Subsistenzproduktionen mit aufgesetztem undiversifizierten Unfertigwarenexport herauszukrauchen und eigene Industrieproduktionen aufzubauen. Staatswirtschaftlich und halbkapitalistisch organisierte, vom Altkapitalismus ausreichend unabhängige Systeme importierten Produktionsmittel und Geldkapital und setzten riesige Menschenmengen in Wert, deren Arbeit die heiße Luft des Globalen Nordens in handgreifliche Waren umformatierte.

7. Folgerungen

Das Bezahlenmüssen sämtlicher wertbildender Arbeit ist nur für den Kapitalismus ein Problem.

Bedarforientierte Produktionen und Produktionen nach dem Prinzip Ware – Geld – andere Ware haben dieses Problem nicht. Mehrprodukt, Produktion über den unmittelbaren Erhaltungsbedarf hinaus, genügt ihnen zum Wachstum. Aber insoweit nichtkapitalistische Produktionen keinen Wert bzw. keine Arbeit aus außersystemischen Quellen einsaugen, wachsen sie deutlich langsamer als kapitalistische.

Daran sind im Prinzip die Staatswirtschaften der Sowjetunion, DDR usw. gescheitert: im Weltmaßstab gesehen war das materielle Lebensniveau in diesen Ländern nicht übel, aber im Vergleich zum Altkapitalismus blieb es zurück und waren die Bananen „zu teuer“.

Daran scheiterten bisher im Prinzip auch Staatsproduktionen innerhalb des Altkapitalismus’: Nichtausbeutung außersystemischer Sozialformationen und Abfluss von Wert in die kapitalistischen Sektoren der Wirtschaft erscheinen als „mangelnde Wettbewerbsfähigkeit“.

Durch Wertübertragungen in den kapitalistischen Sektor verringern inländische Staatsproduktionen den Druck, ausländische Sozialformationen ausbeuten zu müssen. Ab einem gewissen Umfang relativ zum kapitalistischen Sektor können Staatsproduktionen den kapitalistischen Sektor sogar ohne Imperialismus zu Wachstum verhelfen. Umgekehrt sind die Privatisierungsorgien der letzten Jahrzehnte in der EU mit dem Sachzwang einer zunehmend aggressiveren Außenpolitik verbunden, der sich auf verschlungenen Wegen zum Beispiel darauf auswirkt, welche Charaktere im politischen System an die Spitze gespült werden.

Das halbkapitalistische chinesische Wirtschaftswunder beruht auf einer Kombination bisher erwähnter Faktoren: Eingliederung vieler Arbeitskräfte in den Kapitalismus, für deren Produktion das Kapital in der ersten Generation nicht aufzukommen braucht; außersystemische Realisierung von Mehrwert durch Exportüberschüsse; unterstützende Wirkung von Staatsproduktionen.

Für den Altkapitalismus sind die Möglichkeiten des Werteinsaugens relativ zum Wachstumsbedarf dermaßen zusammengeschrumpft, dass die „maßgeblichen westlichen Oligarchen“ auf breiter Front mit der Beseitigung kapitalistischer Wirtschaftsmechanismen durchkommen. Zwar sind Oligarchen:innen darauf eigentlich immer aus, aber der funktionierende Kapitalismusbetrieb verteilt Macht, Reichtum und politische Ansinnen nicht zu Gunsten seiner Beseitigung. Mittestand und Gewerkschaften wirken zum Beispiel in Richtung Monopoleindämmung, Rechtsstaat, Wissenschaftlichkeit und weniger manipulativer Berichterstattung der Tagesschau.

Im nicht funktionierenden Kapitalismus treten an die Stelle kapitalistischer Wirtschaftsmechanismen, die quasi automatisch für eine Integration der auseinanderstrebenden Komponenten „Kapital und Arbeit“, „Großkapital und Kleinkapital“, „Landwirtschaft und Industrie“, „Staatsbürokratie und freies Unternehmertum“ … sorgen, mehr und mehr Formen der politischen/ideologischen/zwangsweisen Integration, die auf die jeweilig über den Tisch Gezogenen willkürlich, korrupt und irrational wirken – „eine Art Neofeudalismus“. Der gesellschaftliche und wirtschaftliche Einfluss von Verschwörungen nimmt in dem Maße zu wie der gesellschaftliche und wirtschaftliche Einfluss von sozioökonomischen Automatismen ins Stocken gerät.

8. Aussichten

Die letzten vielleicht ausreichend ergiebigen Saugstellen des Altkapitalismus liegen vor allem in Vorderasien und Afrika. Hier untergraben chinesische Einflüsse die weitere Ausbeutung der Bevölkerungen. Lässt „man“ den Geschäften freien Lauf, werden Länder wie Ghana, anstatt Kakao, demnächst mit chinesischen Kraftwerken gepäppelte Armeen von Schokoladenosterhasen und ‑weihnachtsmännern ins christliche Abendland entsenden, wo die entsprechenden Mehrwertproduktionen wegfallen werden.

Einhalt können dieser Entwicklung neben militärischer Gewalt politische, vermittels Schuldknechtschaften, Mord und Korruption umgesetzte „Governance“-Agenden gebieten. Dass diese sich zum Klima- und Coronakult verdichtet haben, hängt mit vielen nicht unvermeidlichen Faktoren zusammen, doch das ihnen innewohnende apokalyptische Moment wie auch ihre un-bürgerliche Irrationalität und die übergriffige Stoßrichtung gegen individuelle Freiheiten beruhen nicht auf Zufall.

Um den oligarchisch anvisierten Gang in eine Horrorwelt aufzuhalten, ist es nicht erforderlich, die hier dargestellte Zusammenbruchsbehauptung richtig zu finden, mit der Rosa Luxemburg gewissermaßen 100 Jahre zu früh dran war, weil sie die entlastenden Effekte einer nachholenden, schon nicht mehr kapitalistischen, aber noch nicht nach-kapitalistischen Industrialisierung nicht überblicken konnte.

Da wir in einer umfassenden Systemkrise stecken, drängt sich die Erkenntnis, dass es „so“ nicht weitergehen kann, an allen möglichen Stellen des Gesellschaftslebens auf. Entsprechend vielfältig verlaufen die Wege der Menschen in den Widerstand gegen die soziopathischen Machenschaften der „maßgeblichen westlichen Oligarchen“. Gelingt es, deren Macht zu brechen, wird sich früh genug herausstellen, wie weit und in welchen Bereichen die kapitalistische Produktionsweise noch funktionieren kann. Wo sie nicht funktionieren wird – nach Luxemburg im Westen fast überall –, werden wir ohne großes ideologisches Palaver, rein praktisch gezwungen sein, nichtkapitalistische bedarfsorientierte und/oder warenwirtschaftliche Produktionsweisen auf die Beine zu stellen.

Aufgrund der strukturellen und funktionellen Verfasstheit der „maßgeblichen westlichen Oligarchen“, die das Resultat langwieriger sozioökonomischer Entwicklungen ist, beruht der Widerstand gegen sie erzwungenermaßen auf einer individuellen Dickköpfigkeit, auf der Fähigkeit der Einzelnen, den Manipulationskünsten der „Oligarchen“ zu widerstehen – ob die Widerständigen ihre Widerständigkeit nun politisch links oder rechts oder mittig oder inhaltlich konsistent oder total wirr begründen.

Dünnköpfe ent-individualisierbarer Massen leisten keinen Widerstand, sondern gliedern sich im Glauben, damit ihren linken, rechten oder mittigen Weltanschauungen zu entsprechen, auf der Seite der „Oligarchen“ ein, die die politisch-mentalen Bedürfnisse ihrer Mitläufer:innen bedarfsgerecht befriedigen können. Viele der heutigen Mitläufer:innen könnten hoffentlich nur eine enorm lange Leitung haben, was die Einführung neuer Sportarten bei der Polizei wie das Leichtbürgerkegeln als vorausschauende Ertüchtigungsinitiative verständlich macht.

Seiner Wurzel, der individuellen Dickköpfigkeit, entspricht die Organisationsstruktur des Widerstands: viele Einzelpersonen und viele kleine, unzusammenpassende Haufen, von denen die Freie Linke einer oder mehrere ist. Vielleicht werden effektivere Strukturen entstehen, die der Wurzel des Widerstands ebenfalls entsprechen. Organisationsstrukturen und -praktiken, die dieser Wurzel nicht entsprechen und die Widerständige hier und da durchzusetzen versuchen, schwächen den Widerstand.

In den vom Traditionsmarxismus nicht tradierten Worten von Marx/Engels:

„Es geht aus der ganzen bisherigen Entwicklung hervor, daß das gemeinschaftliche Verhältnis, in das die Individuen einer Klasse traten und das durch ihre gemeinschaftlichen Interessen gegenüber einem Dritten bedingt war, stets eine Gemeinschaft war, der diese Individuen nur als Durchschnittsindividuen angehörten, nur soweit sie in den Existenzbedingungen ihrer Klasse lebten, ein Verhältnis, an dem sie nicht als Individuen, sondern als Klassenmitglieder teilhatten. Bei der Gemeinschaft der revolutionären Proletarier dagegen, die ihre und aller Gesellschaftsmitglieder Existenzbedingungen unter ihre Kontrolle nehmen, ist es gerade umgekehrt; an ihr nehmen die Individuen als Individuen Anteil.“ (Die Deutsche Ideologie)

 

Dadurch, dass der aktuelle Widerstand gegen den „Neofeudalismus“/Faschismus in der Individualität wurzelt bzw. historisch notwendig gar nicht anders kann, als in der Individualität zu wurzeln, wird die Gefahr einer Entstehung neuer Zwangsregime mit neuem Massenanhang bei erfolgreichem Widerstand, wie sie Linke in der „Abgrenzungsfalle“ (Regimekritiker Dracula) an die Wand malen, gering, auch wenn eine zahlenmäßige Mehrheit des Widerstands an den Kapitalismus, an die Nation, an Hierarchien glauben sollte. Eher im Gegenteil:

„Einige zweifeln, dass es um ein revolutionären Prozess geht, (weil es kein revolutionäres Programm gibt oder keine revolutionäre Führung), aber diese Menschen kennen die Dynamik  solcher Massenbewegungen nicht.“ (elTabano)

 

Zudem: Ein Chemie- und Schwerindustriekapital, das mit nationalfaschistischen Schlägerbanden Nützlicheres anfangen könnte als mit einer „Atlantifa“ oder mit bunten CSD-Aufzügen gibt’s in Deutschland nicht mehr. In den USA könnte das anders sein. Diese Fragen wären zu untersuchen.

Möglichst genau und zutreffend herauszufinden, wie heutige Main- und Sidestream-„Oligarchen“ und ‑Faschist:innen ticken, woher sie ihre materiellen und mentalen Kräfte nehmen, aus welchen Motiven und Sachzwängen heraus sie agieren, ist wichtig, zum Beispiel, um ihnen nicht aus Versehen zuzuarbeiten oder den Widerstand gegen Hauptgefahren auf Nebenschauplätzen zu zerreiben.

Die Menschheit steht am Scheideweg: Entweder siegt die Massenmanipulation oder die individuelle Dickköpfigkeit. Entweder werden wir bzw. die Überlebenden zu hübsch angemalten Borg-Drohnen im Dienste einer Oligarch:innenschicht oder wir entwickeln unsere Produktivkräfte weiter, indem wir unsere Individualität entfalten. Die technologische Tendenz zur Abschaffung stumpfsinniger Arbeit, Schöpfung und Evolution und Liebe sind auf der Seite derer, die rufen: Frieden – Freiheit – keine Diktatur!

[1]Zur vielleicht nötigen Rechtfertigung des Genderns mögen Lesende die Bilder, die in ihren Köpfen bei angeblich generischen Ausdrücken wie „Arbeiter“ und „Kapitalisten“ entstehen, mit denen vergleichen, die in ihren Köpfen bei Ausdrücken wie „Arbeiter:innen“ und „Kapitalist:innen“ entstehen. Diejenigen, bei denen im ersten Fall nicht bloß Cis-Männer aufblitzen (wahrscheinlich sind DDR-Sozialisierte da überrepräsentiert), haben kein Gendern nötig. Für die meisten anderen verschwinden durch Nichtgendern Mädchen und Frauen aus den Bauernkriegen und unzähligen historischen und aktuellen Aktionen, die nicht durch Gemälde/Grafiken, Fotos oder Videos dokumentiert sind. Zum Sprachverhunzungsargument: Es ist das angeblich „generische“ Maskulinum, das unsere Sprache verhunzt. Dadurch, dass diese Verhunzung uralt ist, wird die neuere Verhunzung durch Gendern nicht schlimmer als die uralte, wiewohl sie ebenfalls eine ist. Zum Verständlichkeitsargument siehe emprirische Studien, S. 19ff.

1 Kommentar

  1. c.renee

    Na gut, wenn das von der „Obrigkeit“ verordnete Gendern so wichtig ist, stört auch kaum mehr als die moderne Un-Silbentrennung beim Textverständnis. Bei einer alten Proletarierin fällt die Begründung auf felsigen Boden.

    Sei es drum, Trotz der netten Stolpersteine im Text fand ich ihn inhaltlich wichtig. Schade, dass er sich mit diesen anscheinend an das „übliche“ Publikum richtet. Der Text ist eigentlich komplex genug, wozu ihn weiter mit Komplexität aufblähen.

    Da ich weiß, wie empirische Studien zustande kommen (können), beeindruckt mich auch diese nicht.

    Trotzdem bin ich gespannt, was noch zum Thema Kapitalismus kommt. Derzeit scheinen die „Anschläge“ auf die erkämpften Rechte der Arbeiterklasse sich immer mehr zu verstärken.

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