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Diskussion über Stalinismus


(@eltabano)
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Was ist Stalinismus

Einleitung

Ich will in dieser Einleitung versuchen, den Begriff „Historische Kategorie“ klar zu definieren. Mein Ziel ist es, zu beweisen, dass die revolutionäre Praxis in Deutschland unmöglich ist, ohne sich ernsthaft mit den Objekt „Stalinismus“, der zu dieser „historische Kategorie“ gehört, auseinander zusetzen und ohne die historische Erbe des Stalinismus zu verstehen. 

 

Ziel dieser Broschüre ist es, Richtlinien zu zeigen, 

  • wo der historische Faden des Stalinismus heute zu suchen ist
  • warum der Stalinismus entstanden ist
  • welche Verantwortlichkeit wem dabei zukommen
  • und wie kann man ihn bekämpfen/überwinden

 

Historische Kategorien

 

Es gibt verschiedene Definitionen, was eine Kategorie ist. 

Im allgemeinen wird „Kategorie“ definiert als „Klasse“ von Objekten (oder Personen), die „von Natur her“ verbunden sind. 

Wenn man in der Umgangssprache das Wort „Kategorie“ benutzt, z.B. die Kategorie Künstler oder „das  gehört zu einer anderen Kategorie“, will man damit sagen, dass es eine Ansammlung von Objekten (oder Personen) gibt, die etwas gemeinsam besitzen, das sie unterscheidet von Rest der existierenden Objekte oder Personen. 

 

Die Mathematik hat versucht, den Begriff Kategorie klar zu definieren, und ich werde diese mathematische Definitionen benutzen, weil sie am eindeutigsten sind.

 

Was ist eine Kategorie

Eine Kategorie ist also eine Ansammlung , eine „Klasse“ von Objekten (die auch Personen oder Ereignisse sein können), die etwas gemeinsam haben, und dieses „Gemeinsame“ erlaubt es, diese Objekte von anderen Objekten im „Universum“ zu trennen. 

Es sollte klar sein, dass diese Trennung zwischen „Objekte im Universum“ dem Zwecke der Analyse dient und nicht dem Zwecke der Entfremdung oder der Unvollständigkeit.

 

Dieses „Gemeinsame“ ist also eine Eigenschaft, die diese Objekte -jedes einzelne- besitzen und die als Abstraktion alle diese Objekte nicht unbedingt gleichsetzt, aber in einer (klar definierten) Form verbindet.

 

Je klarer diese Verbindung zwischen Objekten einer Kategorie definiert ist, desto klarer wird die Kategorie definiert sein.

 

Ich will das Beispiel der Mathematik nicht weiter verfolgen, aber benutzen.

 

Theoretische Dissertationen über Kategorien will ich anderen überlassen, es gibt sowieso Besseres über das Thema, als das, was ich da schreiben könnte.

Zuerst, bevor ich mich mit die „stalinismus Kategorie“ beschäftige, will ich mit einer noch nicht definierten „Kategorie der Geschichte“ auseinander setzen. 

 

historische Kategorien und historische Ereignise

Als erstes ist es notwendig, über den Begriff „historische Kategorie“ und dessen Objekte, die „historische Ereignisse“ (die „Objekte“ unserer „historische“ Kategorie) Klarheit zu gewinnen. 

 

Was ist also ein Ereignis, das historischen Charakter hat, was ist im Gegensatz eines, das keinen historischen Charakter hat, welche Kriterien gibt es, um ein aktuelles Ereignis als „historisch“ zu definieren?

 

Streng gesehen ist vorerst jedes Ereignis „historisch“, und sei es nur, weil es innerhalb eines Zeitablaufs geschieht. 

 

Solch eine Definition nützt uns aber wenig, und ich will versuchen, anhand von Beispielen zu zeigen, was den Namen „historisches Ereignis“ verdient.

 

Mit anderen Worten: je klarer die Definition eines „historischen Ereignisse“ ist, desto klarer wird dann, wann dieses Ereignis zu diese „historische Kategorie“ angehört oder nicht.

 

Eine sozialistische Revolution z.B. in Russland ist zweifelsohne ein historisches Ereignis. Dagegen, die Entscheidung eines Bewohners Berlins, eine bestimmte Strasse zu überqueren, ist –fast immer- kein historisches Ereignis. 

 

Es liegt nahe, zu sagen, dass ein Ereignis, damit es historischen Charakter hat, eine Wirkung haben muss auf das Geschehen und das Handeln einer großen Menge Personen. Das Schreiben eines Buches, z.B. „Das Kapital“ von Karl Marx, ist z.B. auch ein historisches Ereignis, obwohl es in seiner Zeit von sehr wenigen Personen gelesen wurde und seine Wirkung erst später deutlich wurde. 

 

Um es kurz zusammenzufassen, ein Ereignis muss, damit es als historisch verstanden wird, eine spätere („historische“) Wirkung auf eine große Anzahl von Personen ausüben. 

 

Hier wird klar, dass eine „exakte“ Definition eines „historischen Ereignisses“ von Zeit und Massenmenge abhängig ist, weil die Einschätzung, inwieweit eine bestimmte Anzahl von Personen in einer bestimmten Zeit beeinflusst wird, beliebig erweitert oder reduziert werden kann.

 

Und trotzdem gibt es die, die „historischen Ereignisse“. Wie kann man sie erkennen, produzieren, verhindern?

 

Um weitergehen zu können, ist es also notwendig zu klären, erstens, wann ein „historisches Ereignis“ wirkt, und zweitens wie es wirkt, besonders in dem Sinne, ob ein solches historisches Ereignis Wirkung auf das tagtägliche Geschehen hat, unabhängig davon, ob sich die Teilnehmer des Geschehens dessen bewusst sind.

Hinweis für Mathematiker

Hinweis

Mathematisch gesehen (und nur als Hinweis für Interessierte) handelt es sich hier um einen Funktor (Negation) in die Kategorie „Geschichte“. Dieser Functor hat die Eigenschaft, dass er zweimal angewendet (die Negation der Negation) das PRODUKT des ursprünglichen Objekts mit seiner Negation erzeugt.

 

Produkt, weil (Objekt) und Neg (Objekt) NICHT Untermengen von Neg(Neg(Objekt)) sind, sondern Projektionen (siehe irgendein gutes Buch über Mathematik-Kategorientheorie).

 

Übrigens, in einer Kategorie mit solcher Struktur hat jedes Objekt eine „Aufhebung“ (Übungsaufgabe fuer mathematik-Studenten)

 

Bei solchen mathematischen Spielereien sollte man aber gleich warnen. Eine zusammenhängende Definition der Kategorie der Geschichte auf dem Papier dient höchstens als Anregung, solches Schema –teilweise sehr Hegelsche Schema- sollte mit Inhalten gefüllt werden

Als Anregung sollte es uns aber nützen.

 

Beispiele historische Ereignisse

Erstes Beispiel: Südamerika

Ich will absichtlich hier zuerst ein Beispiel bringen, das mit der Realität Europas wenig zu tun hat, und das mit der Eroberung Lateinamerikas durch die Spanier beginnt. 

 

[zitat Marx]

Der Ausgangspunkt der Entwicklung, die sowohl den Lohnarbeiter wie den Kapitalisten erzeugt, war die Knechtschaft des Arbeiters. Der Fortgang bestand in einem Formwechsel dieser Knechtung, in der Verwandlung der feudalen in kapitalistische Exploitation. Um ihren Gang zu verstehn, brauchen wir gar nicht so weit zurückzugreifen. Obgleich die ersten Anfänge kapitalistischer Produktion uns schon im 14. und 15. Jahrhundert in einigen Städten am Mittelmeer sporadisch entgegentreten, datiert die kapitalistische Ära erst vom 16. Jahrhundert. Dort, wo sie auftritt, ist die Aufhebung der Leibeigenschaft längst vollbracht und der Glanzpunkt des Mittelalters, der Bestand souveräner Städte, seit geraumer Zeit im Erbleichen.

 

Spanien war damals aber nicht nur ein kapitalistisches Land in der „ursprüngliche Akkumulationsphase“, sondern dazu ein dekadentes kapitalistisches Land, und diese Eigenschaft, nämlich seine Dekadenz, brachte es in das heutige Lateinamerika mit. 

 

Im südlichen Kegel Lateinamerikas existierte das Inka-Reich, das bis zum Maule-Fluß (Chile) herrschte. Die anderen Indio-Stämme, die innerhalb des Inka-Reiches lebten, standen also unter der Herrschaft der Inkas, und das mehrere Jahrhundert lang. 

 

Ohne davon zu wissen, eroberten die Spanier mit relativer Einfachheit –und oft mit der Unterstützung dieser unterworfenen Indios, die die Inkas hassten- das Territorium des Inka-Reiches und versuchten dann im südlichen Chile weiter als bis zum Maule-Fluß einzumarschieren. 

 

Die Geschichte des Kampfes zwischen Spaniern und Araucaniern, einem halb-barbarischen Volk südlich des Maule-Flusses, das im Vergleich zu den Inkas ein niedriges Zivilisationsniveau hatte, ist eine Geschichte von 300 (dreihundert!) Jahren Krieg.

 

Aufgrund des historischen Ereignisses, dass die Araucaniern die Inkas nicht unterworfen worden waren, leisteten eben diese Araucanier den fremden Eroberern den erbittersten Widerstand. 

 

Dessen waren sich weder die Spanier noch die Araucanier Bewusst.

 

Aber weiter. Eine der Konsequenzen diese 300-jährigen Krieges –des längsten Krieges der Geschichte auf der Welt- war, dass den Spaniern im Süden eine andere Infrastruktur aufgezwungen wurde als im Norden. 

 

Da die Spanier aufgrund ihres dekadenten Kapitalismus nur Geld oder Gold wollten, um die Kosten des Staates zu decken, organisierten sie im besetzten Gebiet die Ausbeutung der Rohstoffe und Bergminen mit Hilfe sklavischer Formen der Produktion (die Spanier nannten diese Art Sklaverei „encomiendas“). Eine sklavische Form, die sehr wohl innerhalb der kapitalistischen Produktionsweise möglich war.

 

Die Spanier rotteten die Indios durch eben diese 300jährige Überausbeutung aus.

 

Eine andere Entwicklung fand in Mittelamerika statt. Dort herrschten nicht die Inkas, sondern die Mayas, die die Herrschaft über andere Völker ausübten. 

 

Die Eroberung des Maya-Reiches kostete keinen 300jährigen Krieg, wofür es verschiedene Gründe gab, aber wichtig ist es zu wissen, für die Zwecke dieses kleinen Beispiels, dass in Mittelamerika die Indios nicht so dezimiert wurden wie im südlichen Kegel Lateinamerikas.

 

Bis dahin historische Fakten. Offensichtlich historische Ereignisse, die auf den ersten Blick wenig zu tun haben mit der späteren Geschichte Lateinamerikas. 

 

Aber als das 20. Jahrhundert eine Epoche von Aufständen und Revolutionen mit sich brachte, entwickelten sich zwei ganz verschiedene Arten von Bauernbewegungen in Südamerika: einerseits die Bauernbewegung von Pancho Villa und Emiliano Zapata in Mexiko, und anderseits Räuberbanden in Südchile („Cuatreros“, das Wort kommt von „cuatro“=“vier“, also „zu viert“). 

 

Die historische Bedeutung einer Bauernbewegung in Mittelamerika, mit der Unterstützung der Indios, die einen Anspruch besaßen auf das „historische“ Erbe des Eigentums der Erde, die ihren Vorfahren gehört hatte, und die ebenfalls historische Bedeutung der Tatsache, dass in Chile (bis Maule-Fluß) keine Bauernbewegung mit Indio-Unterstützung möglich war –die Indios waren dezimiert- sind Tatsachen, die wenn man sie vergisst, den eigenen Tod bedeuten können. 

 

Selbst Che Guevara, der eine Revolution mit Unterstützung der Indios in Bolivien anstrebte, war die Tatsache nicht klar, dass es zwei ganz verschiedene Dinge sind, mit den Resten einer doppelt-dezimierten Rasse und Kultur eine Revolution vorantreiben (also mit den Incas) zu wollen oder mit einer Bauern- und Indiobewegung, die eine historische Vergangenheit hatte (und noch hat) wie in Mittelamerika. 

 

Ich will hier damit nicht sagen, dass dieser Faktor der einzige wäre, warum das Guerilla-Modell in Lateinamerika scheiterte, aber es ist zweifelsohne einer der Faktoren , die ein Revolutionär wie Che Guevara hätte besser analysieren müssen.

 

Aber, und um eine Abrundung dieses kleinen Beispiels zu geben, und um gerecht zu sein gegenüber der historischen Bedeutung von Che Guevara, einem Revolutionär, der unseren Respekt und unsere Aufmerksamkeit verdient, sollte man sich auch fragen, ob es eben auch historische Zwänge waren, die Che Guevara und seine Anhänger daran hinderten, diese Analyse der Agrarstrukturen in Lateinamerika anzustellen.

 

Und dieser historische Zwang ist in der revolutionären Sozialisierung und Politisierung Che Guevaras und der damaligen Generation von Revolutionären in Lateinamerika zu finden.

 

Vor der kubanischen Revolution gab es zwei Jahrzehnte lang nur die stalinistische Theorie, dass die Länder Lateinamerikas „halbfeudalen Charakter“ hätten, und dass deswegen die Revolution zuerst eine „kapitalistische Etappe“ durchmachen müsse. Diese im nachhinein vom Stalin erfundene Theorie, die den Interessen von Klassenkollaboration der damaligen Bürokratie diente, behauptet dass weil die Revolution in „Etappen“ laufen müsse, und eine Etappe die bürgerliche, kapitalistische Etappe ist, deswegen einen Bündnis mit der „Nationalbourgeoisie“, eine „Volksfront“ ansgestrebt werden sollte, die eben diese „kapitalistische“ Etappe erfülle, und den Sozialismus als zweite Etappe zu verstehen habe. Zweite Etappe, die einmal möglich wird, wenn diese „Nationalbourgeoisie“ in das „halb-feudale Land“ ihre „historische Funktion“ erfüllt. 

 

Die historische Funktion der europäischen Bourgeoisie war, die Welt zu industrialisieren, die historische Funktion dieser „Nationalbourgeoisie“ in die „halb feudale Länder“ sollte ebenfalls –laut diese stalinistische Theorie-  sein, ihre nationale „Mikrowelt“ zu industrialisieren. 

 

Eine solche stalinistische Theorie (die aufgrund des Terrors, den die Stalinisten gegen alle Formen der linken Opposition erfolgreich übten, die einzige beachtete Theorie war), bewirkte unter anderem, dass kein Intellektueller der 40er und 50er Jahre sich ernsthaft mit der Frage des historischen Erbes der Inkas auseinander setzte. 

 

Für 2 Jahrzehnte war die offizielle Doktrin, dass die Spanier eigentlich einen „halb“ Feudalismus, den der Inkas (über „asiatische Produktionsweise“ zu reden, war verboten, da trotzkistische Abweichung) durch einen anderen Feudalismus, ihren eigenen, ersetzten (über den internationalen Charakter der Bourgeoisie zu reden, war ebenfalls eine trotzkistische Sünde).

 

Und um dieses kleine Beispiel abzuschließen: Das historische Ereignis des Sieges und der Entwicklung des Stalinismus ist für Che Guevara nicht nur die Quelle eines analytischen Fehlers, sondern auch der Grund, warum er gescheitert ist. 

 

Der Verrat der kommunistischen Partei Boliviens, die ihm jegliche Hilfe versagte, und die dunkle Geschichte, welche Rolle Monje, der Chef der KP Bolivien bei den Denunziationen spielte, sind Bestandteil der Tragödie und des historischen und sehr reellen Verrats des Stalinismus an den revolutionären Bewegung Lateinamerikas. 

 

Das heißt, dass dieses „historische Ereignis“ –der Stalinismus- sehr wohl eine Rolle Spielte und immer noch in einem Kontinent spielt, der so weit entfernt ist von den Ursprüngen der Tragödie der Bürokratisierung der russischen Oktoberrevolution.

 

Diese Beispiel –das ohne Zweifel undokumentiert und unvollständig ist- will ich benutzen, um zwei ganz kleine Schlussfolgerungen zu ziehen.

 

Schlussfolgerungen

  1. Schlussfolgerung: Die Existenz von historischen Ereignissen beinhaltet nicht das Bewusstsein davon. 

Nicht jedes historische Ereignis ist bewusst in den Köpfen der Protagonisten der Geschichte, und trotzdem wirken sie, eingebettet in das sozial-politische Erbe, das sie hinterlassen, auf das Vorwärts –und Rückwärtsgehen des Massen- Bewusstseins, auf Geschehnisse, die sehr oft - wenn man mit dieser Kategorie zu arbeiten nicht gewohnt ist – als „Zufälle“ erschienen.

 

Ein historisches Ereignis braucht also nicht bewusst zu sein. Es wirkt offensichtlich auch auf „historische“ Art und Weise auf das tagtägliche Geschehen, und diese Tatsache allein reicht, um das Miteinbeziehen von Elemente dieser Kategorie in eine „konkrete Analyse einer konkreten Situation“ zu fordern. 

 

  1. Schlussfolgerung: Die Ereignisse historischen Charakters beeinflussen Mittelbar und Unmittelbar das historische Werden und schaffen auf diese Art und Weise neue historische Ereignisse.

 

Dieser dialektische Zusammenhang zwischen historischen Ereignissen gibt dieser Kategorie eine Struktur, d.h. mehrere Objekte dieser Kategorie produzieren ein neues Objekt, das nicht die Summe der vorherigen Objekte ist, sondern sich in die Vergangenheit „projiziert“. 

 

Beispiel Deutschland 

Vorgeschichte.

Wir wollen versuchen, mit Hilfe der oben definierten Begriffe einige Punkte der deutschen Geschichte zu analysieren, die für das Erarbeiten einer revolutionären Politik in Deutschland wichtig sind. 

 

Fangen wir an mit der historischen Tatsache, dass Deutschland als Nation verspätet in das kapitalistische Zeitalter hineingeboren worden ist und deswegen keine Kolonien hatte, in denen es den Prozess der ursprünglichen kapitalistischen Akkumulation durchlaufen konnte. 

 

Diese „Spätgeburt“ ist auch eine historische Ursache dafür, dass die Arbeiterbewegung in Deutschland von Anfang an eine politisch orientierte Bewegung war, und dass die deutsche Bourgeoisie keine erfolgreiche bürgerliche Revolution durchführte, und das sie deswegen ein Bündnis mit dem Feudalismus suchte.

Aber darüber später.

Die 60 Jahren

Aber auch die Bewegung der 60er Jahre des 20. Jahrhunderts, die sich die Ideale des Sozialismus und die marxistische Weltanschauung wieder aneignen wollte, hat aufgrund dieser verschiedenen historischen Ereignisse mit einer Bewegung angefangen, die internationalistischen Charakter hatte (Vietnam). 

 

Wieso?

 

Vom historischen Standpunkt her ist es verständlich, dass diese neue Generation (die 68), die nicht nur eine historischen, sondern einen physischen Bruch mit der alten Generation von Revolutionären erlebte, erstens nichts mit Forderungen ökonomischen Charakters anfangen konnte (SPD und Reformisten zusammen mit Stalinisten haben auf diesem Terrain die volle Kontrolle gehabt), sondern da anfangen würde, wo die Geschichte eine Wende erlebt hatte, nämlich bei dem Komplex „Invasionen, Selbstbestimmungsrecht der Nationen, Internationalismus-Frage“.

 

Die erste Episode sind die Arbeiterstreiks in Westdeutschland 1947, als die Arbeiterschaft mit Streiks und Massendemonstrationen gegen die in ihren Augen von den Besatzungsmächten verschuldeten Hungerrationen, aber auch für die Verstaatlichung der Kohlengruben stimmte. 

 

Diese Aktionen nahmen schließlich ein solches Ausmaß an, dass die Militärregierung ein generelles Streik –und Demonstrationsverbot- erließ. 

 

Als auf dem Höhepunkt der Massenmobilisierungen im April 1947 im Landtag von Nordrhein-Westfalen die bürgerlichen Parteien zusammen mit der SPD wiederholt Verstaatlichungsanträge der KPD niederstimmen, trieb diese den Kampf nicht voran, z.B. mit eine Kampagne für Arbeiterkontrolle der Industrie oder durch die Einleitung von Massenstreiks, die die Alliierten zu diesem Zeitpunkt empfindlich getroffen hätten, sondern wiegelte die Bewegung ab, in der Meinung, eine Zuspitzung „könnte nur dazu führen, die Bündnismöglichkeiten oder Arbeiterklasse einzuengen, sie in die Isolierung und breite kleinbürgerliche und bürgerliche Kreise erneut in die Verstickung reaktionärer Politik zu treiben“...(Zitat KPD).

 

Im März und April 1947 streikten Hunderttausende; die Streiks weiteten sich von Tag zu Tag aus und wurden immer militanter. 

 

Höhepunkt in der britischen Zone war ein zweitägiger Streik, an dem sich 334.000 Arbeiter und Angestellte beteiligten. Auch in der amerikanischer Besatzungszone kam es ein großem Umfange zu Streiks und Massendemonstrationen.

 

Die Reaktion sowohl der Besatzungsmächte als auch der Gewerkschaftsführung war kapitalismus-typisch.. Die britische und amerikanische Militärregierung drohte unverhohlen mit Belagerungszustand und Standrecht. 

 

Die von der Bürokratie dominierten Gewerkschaftsführung ihrerseits trat den Massenaktionen zunächst dadurch entgegen, dass sie den Teilnehmern an „wilden Streiks“ mit einem Ausschlussverfahren drohte...

 

zweites Beispiel Deutschland 1953

Die zweite Episode ist der „Fall Beria“ 1953. Stalin war gerade gestorben, und Beria mit Malenkow hatten die Machpositionen in der UdSSR. 

 

Von März bis Mitte Juni wurde eine Reform nach der anderen in der Sowjetunion durchgeführt, der Stalin-Kult wurde teilweise abgeschafft, Anfänge einer Kritik gegen die bürokratischen Verwaltungsstrukturen  wurden erhoben, eine breite Amnestie für politische Gefangene wurde beschlossen, alte Beamte wurden entlassen, mit der Begründung, dass sie ihre Macht missbraucht hatten. Eine Revision der Pläne in der Wirtschaft wurde angeordnet. In Europa fing die Malenkow-Regierung an, die Möglichkeiten eines Rückzugs aus Deutschland zu untersuchen.

 

Seit dem Zeitpunkt, zu dem General Chuikow aus Berlin herausgebracht wurde, erfuhr die gesamte Politik der Pieck-Ulbricht-Regierung eine Wende. 

  • Die „Mauer“ zwischen West und Ostdeutschlands wurde fast abgeschafft. 
  • Die Arbeitspolitik wurde radikal geändert, der Kampf zwischen Regierung und Kirche gedämpft, und die Kirche stellte ihre Privilegien wieder her. 
  • Die Kollektivierung der Landwirtschaft wurde gestoppt. 
  • Die Bauern, die aus Ostdeutschland geflüchtet waren, wurden zur Rückkehr eingeladen, um ihr Eigentum wieder zu nehmen. 
  • Das Privatkapital wurde eingeladen, zur Industrie und zum Handel zurückzukehren.

 

Vom marxistischen Standpunkt aus hatten diese Schritte keinen anderen Sinn, als Teil einer Politik zu sein, die das Ziel hatte, Deutschland unter kapitalistischer Herrschaft wiederzuvereinen und die Besatzungstruppen zurückzuführen.

 

Am 10. Juni 1953 stellte die Sowjetunion ihre diplomatischen Beziehungen mit Österreich wieder her und proklamierte das Ende der Besatzungsregierung in diesem Land. Und am selben Tag verzichtete die Sowjetunion mit Pauken und Trompeten auf ihre Ansprüche gegenüber der Türkei, die Ansprüche, die eine so wichtige Rolle für den Anfang des kalten Krieges gespielt hatten.

 

Es gab natürlich Gegner dieser neuen Politik innerhalb der Bürokratie, und diese gewannen die überhand nach dem Arbeiteraufstand am 16. und 17. Juni 1953.

 

Unsicherheit innerhalb der Bürokratie bewirkte also sofort die Möglichkeit eines Arbeiterprotestes in Ostberlin. 

 

Konkret: 

  • eine verunsicherte Volkspolizei, die nicht sicher war, ob eine Demonstration nicht vielleicht doch vom Politbüro der SED organisiert war, und die deswegen nicht sofort reagierte, 
  • zusammen mit Verwirrung im Westen, die z.B. erlaubte, dass Ostberliner Arbeiter durch das reaktionäre RIAS-Radio zum Streik in Ost –und West- Berlin aufriefen (nachträglich wurde in der RIAS-Organisation der Fehler erkannt, und seitdem dürfen streikende Arbeiter keine Streikaufrufe durch RIAS verbreiten), 

 

sind der Rahmen, in dem der Arbeiteraufstand in Ostdeutschland am 16. und 17. Juni 1953 zu analysieren ist.

 

 

Schlussfolgerungen

Schlussfolgerung  für diesen Beispiel:

Die Verspätung des Entstehens der deutschen Nation hat auch einen dialektischen Gegensatz, die Geburt des Marxismus als Wissenschaft und den Internationalismus als Folge davon.

 

Wir stellen die Arbeitshypothese vor, dass der Internationalismus (klar, nicht nur in Deutschland aber besonders in Deutschland!) aus historischen Gründen unmittelbarer Bestandteil der praktischen Arbeit der Revolutionäre ist. 

 

Das ist mehr als eine leere Aussage, die eine alte Wahrheit sagt, sondern bedeutet dass die Agitation, Propaganda und Organisationsarbeit für eine revolutionäre Organisation mit dem Internationalismus anfängt. 

 

Es bedeutet auch z.B. eine grundlegende Stellungnahme bezüglich des deutschen Nationalismus, auch gegenüber solchen Positionen, die „von links her“ nationalistische Parolen (z.B. gegen die Besatzungstruppen oder bezüglich der Einheit Deutschlands) verbreiten, die aber die internationale Dimension in ihrer voller Bandbreite nicht einbeziehen. Internationalist in deutschland zu sein bedeutet Antiimperialist zu sein.

Der Internationalismus als Bestandteil einer revolutionären Politik und der buerokratisierten KP als Bestandteil einer konterrevolutionären Politik

 

Wir wollen hier anhand eines zweiten Beispiel über vergangener Politik in Deutschland versuchen, diese historischen Faktoren (die verspätete Geburt Deutschlands als Nation, und dessen revolutionäre Konsequenz, den proletarischen Internationalismus)

  •  in den konkreten Analyse deutscher politischer Ereignisse
  •  und dann der Stalinismus als internationale Erscheinung charakterisieren.

Zuerst die historischen Rahmen:

 

der historische Rahmen

Die alliierten Kapitalisten

Mit dem Einmarsch in Deutschland der Alliierten einerseits und der Roten Armee anderseits endete der 2. Weltkrieg. Deutschland wurde aufgeteilt zwischen Imperialisten anderer Länder und Stalinisten, Stalinisten die die bürokratische Degeneration des ersten Arbeiterstaates der Geschichte verkörperten. 

 

Die letzteren haben in ihrem Gebiet (sowjetische Besatzungszone) mit der Umstrukturierung der Produktionsform angefangen. Sie haben es „sozialismus“ genannt, aber sie haben lediglich Formen der lokalen Planwirtschaft angewendet, um in das internationale kapitalistischen System weiter integriert zu sein.

 

Hier darf man sich nicht täuschen, und man muss unterscheiden können zwischen den Plänen und Absichten der Imperialisten und die Erben Stalin, also die KPs und dem, was als Ergebnis –erzwungen durch historische Gesetze- herauskommen ist.

 

  • Amerikaner, Engländer und Franzosen haben ein und dasselbe Ziel bei dem Einmarsch in Deutschland gehabt: die Wiederherstellung der kapitalistischen Produktionsweise, die durch den Krieg zerstört war. 
  • In der Tat ist mit riesigen Investitionen (Marshall-Plan) und der zusätzlichen Nichtanerkennung der noch übrigen Reste von Kapital, das in deutschen Kapitalistenhänden war (Währungsreform), ein neuer Markt für den sterbenden Kapitalismus entstanden. 
  • Das zerstörte Europa sollte noch mal in den Kreis Produktions-Konsum-Ausbeutung der Menschen integriert werden. 

 

Der Teil von Deutschland, den sie besetzt hatten, war besonders geeignet. Als Herren eines zerstörten Territoriums konnten sie investieren und klauen in der schamlosesten Art und Weise in der Geschichte Deutschlands. Millionen hungernder Kriegsopfer wurden überausgebeutet, nagelneue Maschinen wurden installiert, die übriggebliebene Industrie ist ersetzt worden, Technologie aus Amerika, England und Frankreich ersetzte die Reste der Technologie und Industrie des 3. Reiches.

 

Die Rolle der Stalinismus

In der sowjetischen Besatzungszone setzten die Stalinisten die Verstaatlichung der Industriereste, der Banken und der Erde, die drei Quellen der Mehrwerts durch. 

  • Durch bürokratischen Zentralismus entstand so eine (staatlich dirigierte) Pseudoplanung der Wirtschaft, Pseudoplanung, weil sie innerhalb der weltweiten kapitalistischen Marktgesetzte „koexistieren“ wollte. 
  • Die DDR wurde unter andere Länder als ein „Satellitenstaat“ der UdSSR aufgebaut, ihre Industrialisierung ging im Schneckentempo vorwärts, im Einklang mit den Sachzwängen der stalinistischen Bürokratie. 
  • Diese Planung, Produkt bürokratischer Entscheidungen und eingezwungen in das kapitalistische Weltsystem, wurde durch die Ausbeutung der Arbeiterklasse und die Repression der Bevölkerung durchgesetzt, mit der Konsequenz, dass sie weder die Ergebnisse erzielte noch erreichte, die eine Räteplanwirtschaft im Kampf gegen die kapitalistische Marktgesetze erzielt und erreichte hätte, sondern nur deformierte und verkrüppelte Industrialisierungserfolge innerhalb des kapitalistischen Weltsystems erreicht wurden.
  • Die Produktionskapazität diese Industrialisierung erreichte nie die Produktionskapazität der Kapitalismus anderen Länder.
  • Die stalinistische Bürokratie hat historisch bewiesen, dass sie nicht „der beste Räpresentant“ der Kapitalismus ist.

Vergleich mit den Alliierten Kapitalistengebiet

In dem Alliiertengebiet lief die Sache etwas anders, Ein paar Fakten zur Erinnerung: 

 

Erstens das Bedürfnis von Amerika, England und Frankreich, nicht nur Konsumgüter zu exportieren, sondern auch Lizenzen, Know-How und Produktionsmittel. 

 

Dieses Bedürfnis, begründet in der Konkurrenz untereinander, in der Konkurrenz gegenüber der deformierten verkrüppelten, aber trotzdem bedrohlichen lokalen Planwirtschaft der sowjetischen Besatzungszone und in der kurzfristigen Vision eines in Ewigkeit kontrollierten Deutschlands erlaubte, dass die alten deutschen Kapitalisten, damals Träger der nationalsozialistischen Diktatur, wieder Profit machen konnten. 

 

Der deutsche Kapitalismus wurde nicht nur mit ausländischem Kapital wiederhergestellt, sondern ist (und nicht nur aufgrund der höheren Produktionskapazität der neuen Maschinen, Im Vergleich mit den fast 200 Jahre alten Maschinen anderer Länder, sondern auch aufgrund der horrenden Überausbeutung der Arbeitskraft) als neue ursprüngliche Akkumulation des Kapitals in Deutschland zu verstehen. 

 

Der deutsche Kapitalismus und die deutsche Industrie wurden also mit neuen Technologien „verspätet“ wiederaufgebaut.

 

Dieser Prozess des Aufbaues eines Industriestaates (der sich den Vorstellung anderer imperialistischer Länder sogar widersetzte, z.B. Besatzungsland Frankreich mit seinem Vorschläge eines „Agrardeutschland“ zu errichten) bedeutete in der Zeit von 1945 bis in die 50er Jahre hinein das ständige Wachstum der Produktionskapazität der Bundesrepublik. 

 

Das fixe Kapital wuchs, und neue alte Märkte wurden von Kapitalisten aller Länder besetzt. 

(Wie immer bezahlten die Arbeiter die Kosten dieses „Wirtschaftswunders“. Die Geschichte der Arbeiterbewegung in der BRD zwischen 1945 und 1955 ist eine Geschichte, die wir uns aneignen müssen, wenn wir die nachträglichen Ereignisse verstehen wollen).

 

Einige Punkte sollen hier noch erwähnt werden. Die Zerstörung der Arbeiterorganisationen während des Nazi-Regimes, die Zerstörung der Industrie und damit der Arbeiterklasse als solche, und die Zerstörung der kommunistischen Hoffnung aufgrund des Verrats der KPs (Potsdam, Yalta-Abkommen sind so zu verstehen) machten aus diesem jahrzehntelangen Arbeiterkampf einen verzweifelten, isolierten Kampf beinahe auf verlorenem Posten.

 

Die zwei Episoden dieses Kampfes, die wir hier schildern wollen, werden uns in der Einschätzung dieser Periode helfen können. Diese Episoden zeigen mit aller Deutlichkeit

  • wie die Masse der Arbeiterklasse versucht hat, sich zu wehren, 
  • wie die Führungen der Parteien und insbesondere der Parteien die von der stalinistischen Bürokratie dominiert waren, ihre eigene Basis unterdrückt haben, 
  • wie stark das explosive Potential der Arbeiterklasse in Deutschland war, 
  • und wie Nazismus, Stalinismus (verstanden als Bürokratie) und Wiederaufbau –die drei Katastrophen Deutschlands, alle drei historische Ereignisse und alle drei internationale Ereignisse- eine entscheidende Rolle spielten.

 

Schlussfolgerungen

Die Analyse der Arbeiteraufstand 16. und 17. Juni

  •  Die oben erzählten Episoden zeigen mit aller Deutlichkeit die Bereitschaft der Massen in beiden Teilen Deutschlands, zu rebellieren. 
  • Beide Episoden zeigen auch deutlich die unmittelbaren Beziehungen zwischen deutschen Ereignissen und internationalen Ereignisse, besonders was stalinistische Politik angeht.
  • Beide Episoden sind ein Beispiel für einen Analyse-Ansatz der Geschichte Deutschlands im internationalen Rahmen.

 

Wir wollen aber auf dieser erste Schlussfolgerung –Internationalismus und Kampf gegen Stalinismus (als Bürokratie verstanden) sind untrennbar von einer revolutionärer Politik- weiter aufbauen:

 

Hinweis

Diese kurze Schilderung zweier Episoden sollte uns also später nützlich werden für das Verstehen eines Subprodukts der Verspätung der Geburt Deutschlands als Nation:

 

Das Subprodukt heißt: Diese unmittelbaren Beziehungen zwischen deutschen Ereignissen und internationalen Ereignissen begleiten unserer Meinung nach die Entwicklung Deutschlands in jedem seiner historischen Ereignisse, 

  • vom ideologischen Überbau durch die verschiedenen Bevölkerung-Schichten
  • bis zur Analyse der Parteien, die heute das politische Leben Deutschlands bestimmen.

 

 

 

Unsere Arbeitshypothesen

Wir wollen jetzt einen –von der theoretischen Darstellungsweise her unerlaubten- Sprung in der Analyse machen, und unsere zwei Arbeitshypothesen

  • Internationalismus ist historischer und vor allem unmittelbarer Bestandteil einer revolutionären Politik in die ganze Welt aber insbesonderen Maas in Deutschland
  • Stalinismus spielte und spielt immer leider (also als historische Kategorie) eine konterrevolutionäre Rolle in die Politik in Deutschland und in die ganze Welt und.

auf die heutige konkrete Wirklichkeit anzuwenden versuchen.

 

speziell: Deutschland

Die Sondereigenschaften eines wiedervereinigten imperialistischen Deutschlands

 

Vorgeschichte

Die zyklischen Krisen des Kapitalismus wurden in den 50er Jahren beschleunigt durch die Krise der Revolutionen in China und Kuba und ein Jahrzehnt lang durch das Wiedererwachen der Arbeiter und rebellierenden Bewegung.

 

Es war die Zeit des Che Guevara, der Hoffnung und der Wiederentdeckung der revolutionären Gewalt. Der Gipfelpunkt war Ende der 60er Jahre (1968) mit den Arbeiter –und Studentenrevolten- im Mai und der großen Depression des Dollars aufgrund der Energiekrise erreicht.

 

All das zeichnete eine Wende im Kräfteverhältnis zwischen den verschiedenen imperialistischen Zentren; die Bundesrepublik fing an, eine relativ unabhängige Rolle auf dem internationalen Schlachtfeld der Imperialistendiebe zu spielen.

  • Einer Tendenz zur Autonomie der deutschen Konzerne gegenüber den amerikanischer entwickelte sich.
  • Diese Tendenz, die die Bundesrepublik konkurrenzfähig gegenüber den anderen großen Imperialisten zu machen versuchte, aber gleichzeitig die Überreste der Vergangenheit (historische Kategorie!), die unter anderem der BRD verbietet, direkt in ihrem Territorium Waffen zu produzieren (insbesondere Atomwaffen), zeichnete die Entwicklung der Industrie in der BRD.

 

Das bedeutet nicht nur, dass die BRD verspätet in die Konkurrenz mit anderen Imperialisten eintrat, sondern auch, dass sie verspätet in die Wirtschaftskrise hineinmarschiert ist.

 

 

Die Rolle der Kapitalisten

Nationalismus und Internationalismus ist ein Problem ersten Ranges, dass nicht nur Revolutionäre in ihren Idealen beschäftigt, sondern –und besonders- die Bourgeoisie, die in der BRD ihre Hochburgen hat.

 

Ziel einer Schicht dieser deutschen Kapitalisten war es, ein wiedervereinigtes Deutschland zu erreichen, und das bedeutete für sie, die DDR unter dem Banner des Kapitalismus zurückzuerobern.

 

Ein kapitalistisches wiedervereinigtes Deutschland hat –unter anderem- die Tendenz zur Konkurrenz mit den USA und Japan und letztendlich den (vorerst) Wirtschaftkrieg mit beiden auf die Tagesordnung gesetz, besonders dann, wenn der deutsche Imperialismus Europa beherrscht.

 

Gleichzeitig wird in die verspätete Krise in (auf dieser kapitalistischer Art vereinigtes) Deutschland auch eine rabiate, von existierenden Erfahrungen der Konfrontation anderer Länder geprägte deutsche Bourgeoisie und ebenfalls eine von internationalen Erfahrung geprägte Arbeiterklasse geben.

Die deutsche Bourgeoisie wird besonders brutal werden.

 

Diese Perspektive der deutschen Bourgeoisie, Produkt der Verspätung, die die Bundesrepublik Deutschland bezüglich des Hineinmarschierens in die Wirtschaftskrise zeigt, ist etwas, was man nicht auf die leichte Schulter nehmen kann!.

 

Konkret bedeutet das: Während die Amerikaner in eine Finanzkrise nach der anderen hineingeraten, genoß die BRD eine Zeitspanne (bis in die 80 Jahre, wo der Neoliberalismus die kapitalistische Welt und damit auch Deutschland eroberte), in der ihr Industriekapital immer noch ein wichtiger Machtfaktor ist.

 

Die Bundesrepublik ist also aufgrund dieser Verspätung in der Geschichte –zusammen mit Japan und letzte Zeit China- eine der ersten Industrienationen der Welt geworden. Damit verbunden ist das Bestreben der BRD, nach neuen Märkten zu suchen, und so ist es zu verstehen, dass die BRD ein solch aggressives Interesse an dem wirtschaftlichen Einmarsch in die Ostblockländer hat.

 

die Rolle der Stalinisten

Eine der Konsequenzen der Krise des Stalinismus ist nicht nur der totale Bankrott der „realexistierenden stalinistischen Länder“, sondern auch eine ganz eigenartige Wirkung auf das Spätkind der imperialistischen Metropolen, die BRD.

 

Wenn man die verschiedenen Erscheinungsformen der Krise des Stalinismus beobachtet –z.B. wenn man die Krise des Stalinismus in Rumänien, Polen oder der DDR miteinander vergleicht-, ist es offensichtlich, dass die Krise des Stalinismus in der DDR für das Land eine ganz andere Wirkung haben wird als die Krise des Stalinismus in Rumänien.

 

Im Falle z.B. Rumäniens wird dies bedeuten, dass dieses Land in mittelbarer Zukunft eine Halbkolonie (möglicherweise des deutschen Imperialismus) sein wird, mit allen Erscheinungen von Unterentwicklung wie die der Halbkolonien, die wir als Dritte-Welt-Länder kennen.

 

Im Gegensatz dazu wird die DDR Teil einer imperialistischen Metropole sein (diese Aussage bedeutet nicht im geringsten, dass es die Arbeiterklasse in der DDR leichter haben wird; eine solche Integration in eine imperialistische Macht wird selbstverständlich auf Kosten der Arbeiterklasse der ex-DDR gehen!)

 

Und eben diese Wiedervereinigung

  • Produkt des Scheiterns des Stalinismus
  • und des verlorenen Krieges,
  • der wiederum Produkt der damaligen Bestrebungen Deutschlands nach Kolonien war,
  • was seinerseits das Produkt der verspäteten Geburt Deutschlands als kapitalistische Nation war

 

eben diese Widervereinigung eines verspätert in die Wirtschaftskrise hineingeratenen Deutschland wird den deutschen Imperialisten die Chance geben, wirtschaftlich im gesamten Ostblock einzumarschieren. Osteuropa wird für ein imperialistisches vereinigtes Deutschland das, was Lateinamerika für die früheren amerikanischen Herren der Welt war.

 

Jedoch –und analog zu der Geschichte des amerikanischen Imperialismus- sind die Verflechtungen, die Deutschland dank der DDR in Osteuropa erreicht hat, nicht nur eine Chance für die Imperialisten.

 

Die Verflechtungen, bedingt unter anderem durch die Überausbeutung der Arbeiterklasse auf kontinentaler Ebene (was auf uns zukommt), bedeuten auch für die Revolutionäre in Europa eine Chance, eine internationale Organisation aufzubauen.

 

Schlussfolgerungen

Die Verspätung der Geburt Deutschlands als kapitalistische Nation, eine Verspätung, die bewirkt, dass es auch verspätet in die Wirtschaftskrise hineinmarschiert, ist eben eine Verspätung und nicht eine Verschonung von der Krise. Diese Krise (Finanzblase) hat in aller Deutlichkeit auch in Deutschland und in ganz Europa das kapitalistischen System erschüttert.

 

Mit dem Wachsen eines Wirtschaftsimperiums wachsen auch die internationalen Verflechtungen des deutschen Kapitals, die deutsche Wirtschaft wird noch empfindlicher als vorher auf die Weltschwankungen der Wirtschaft reagieren.

 

  • Die imperialistische Vorherrschaft Deutschlands in ganz Europa, Ost und West, die koordinierten imperialistischen Aktivitäten die sie jetzt noch stärker ausüben, zwingen die Revolutionäre ganz Europas und der ganzen Welt zum Aufbau einer internationalen Partei, die der koordinierten imperialistischen Strategie gegen das Proletariat eine koordinierte Strategie und Gegenangriff im revolutionären Sinne entgegensetzen kann.    
  • Die Verflechtungen des internationalen Kapitals, die jetzt verstärkt vom deutschen Imperialismus dominiert werden, machen eine isolierten Kampf in einem Lande des europäischen Kontinents unmöglich. Sogar ein Streik im Rahmen des kapitalistischen Systems, z.B. für die Verbesserung der Lebensbedingungen, de auf den nationalen Rahmen beschränkt bleibt, ist zur Niederlage verurteilt.
  • Eine oberflächliche „koordinierte revolutionäre Strategie“ ist aber nicht mehr als eine Karikatur, wenn sie sich auf „schwesterliche Beziehungen zwischen Parteien“ beschrankt, notwendig ist eine internationale Strategie, eine internationale Organisation, die sich in ihrer Dynamik zur internationalen Partei entwickelt.
  • Diese internationale Organisierung der Kämpfe des Proletariats muss, eben aufgrund des historischen Rahmens, in dem sie heute wieder geboren werden kann, mit einem unnachgiebigen Kampf gegen des Stalinismus in all seinen Erscheinungsformen anfangen.
  •  
  • Jedes Zugeständnis jeder Glaube an die Reformierbarkeit des Stalinismus wird diese notwendige Bildung einer internationalen Organisation unmöglich machen, und das nicht nur aufgrund des realen Verrats, den der Stalinismus immer wieder verüben wird, sondern auch aufgrund der historischen Ursprünge dieser neuen Epoche in der Geschichte des Kampfes der Revolutionäre und der Klasse des Proletariats gegen die Unterdrückung.

 

Nie wieder bürokratische KPs: Nirgendwo!

Die Analyse der politischen Fehler des Stalinismus wurde brillant beschrieben von Trotzki, Rakowski und anderen Intellektuellen der damaligen linken Opposition.

 

Der Analyse der Bewegung gegen Stalinismus und Bürokratie in China, in der damaligen Sowjetunion, in der damaligen DDR und anderen Ländern des „real existierenden Stalinismus“ sind heute im Rahmen eines erneuten Aufwachen der Massenbewegung dringend notwendig.

 

Das wollen wir hier nicht wiederholen, aber es gibt  einen besonderen Grund, warum wir ausgerechnet mit einem Überblick über die marxistische Kategorie der Asiatische Produktionsweise anfangen wollen. 

 

Die Ähnlichkeiten zwischen der asiatischen Produktionsweise und der stalinistischen Auffassung der Planwirtschaft sind verblüffend. So verblüffend, das Intellektuelle wie Rudolf Bahro und Kämpfer wie Cohn-Bendit in ihren besten Zeiten auf diese Kategorie gestoßen sind. 

 

 

der Stalinismus ist eine konterrevolutionäre historische kategorie. (Das heißt nicht das Stalin "Schuld" gewesen sein soll!!)

 

Wir wollen hiermit eine Perspektive für die Revolutionäre beschreiben, die eben die Unterscheidung zwischen Stalinismus und die asiatische Produktionsweise zur Grundlage hat.

 

Was wir jetzt analysieren wollen, soll die erste praktische Anwendung der Räte Wirtschafts-Strukturen an unserer Kritik an Stalinismus sein. 

 

Wir wollen erinnern an die Auseinandersetzung zwischen Trotzki und Stalin bezüglich der Rolle des Geldes. In seinen Buch "Die verratene Revolution" kritisiert Trotzki, daß die Bürokratie das allgemeine Äquivalent (das Geld) von seinem Warencharakter lostrennen wollte. Mit der Begründung, daß die sowjetische Gesellschaft schon eine sozialistische sei, und mit der dazu im Widerspruch stehenden Argumentation, daß das Geld als Zählerfunktion den Zwecken der Planung dienen sollte, fixierten die Stalinisten den Preis der Waren bei "offiziellen" Preisen, d.h. bei vom Zentralapparat der Bürokratie diktierten Preisen.

 

Trotzki kritisiert in seinem Buch „Verratene Revolution“, daß damit zwangsweise der Schwarzmarkt gefördert wurde, und daß der Bürokratie dadurch einer der wichtigsten Informationsmechanismen über die Produktionskapazität der UdSSR verloren ging. Hätte man das Geld in seiner Funktion als Preis belassen (also als Bestandteil der WARE), hätte man ein realistisches Werkzeug zur Analyse der wirtschaftlichen Entwicklung der Produktion in der UdSSR gehabt. Die Planung der Wirtschaft, sagt Trotzki, hätte man mit anderen Mitteln als mit dem Einfrieren der Preise erreichen können.

 

Uns geht es hier nicht darum, die Auseinandersetzungen zwischen Trotzki und Stalin zu wiederholen, sondern um eine Analyse der real stattgefundenen Versuche, in verschiedenen Regionen der Welt bürokratisch kontrollierte planwirtschaftliche Modelle durchzuführen. 

 

Eine oberflächliche Interpretation des Marxismus würde folgende These erstellen:

 

Weil die zentral-bürokratische Planwirtschaft innerhalb des kapitalistischen Systems eine Tatsache ist oder zumindest war (Länder des "real existierenden Stalinismus"), sei die These, der Kapitalismus ließe nicht zu, dass eine andere Produktionsweise gleichzeitig neben ihm existieren könne, falsch. 

 

In Wirklichkeit hat der "Realexistierende Stalinismus" ein halbes Jahrhundert lang versucht, seine Theorien in die Praxis umzusetzen, und hat heute "zur völligen Liquidierung der sozialen Errungenschaften der proletarischen Revolution" geführt (Trotzki [Verratene Revolution]). 

 

Aber das reich uns nicht.

 

Für das Verstehen der Bürokraten und deren Mentalität müssen wir uns daher mit der Analyse der stalinistischer Wirklichkeit befassen. 

 

Für unterentwickelte Länder wie das damalige Russland, China und auch für den Fall Kuba gilt, dass eine Massenbewegung, die in einer gewaltsamen Revolution ihren Höhepunkt fand, im Laufe der Entwicklung die despotisch-asiatischen Staatsstrukturen nicht verhindern konnte. 

 

Stalinismus: Planwirtschaft-Abart innerhalb der Kapitalismus?

 

Der Stalinismus hat in diesen Ländern Maßnahmen zur bürokratischen Planung der Produktion eingeleitet und gleichzeitig die Staatsstrukturen unter seine Kontrolle gebracht. 

 

Hier ist vielleicht notwendig nochmal zu betonen: auch dann, wenn die besten aller besten Marktanalysen bzw. Verbraucheranalysen oder Produktionsanalysen erstellt werden, macht die Zentralverwaltung der Bürokratie einen Unterschied zwischen abstraktem Wert von WARE und dem Preis einer WARE. Preis und Wert sind in der bürokratischen Planwirtschaft auch –genauso wie im Kapitalismus- unterschieden.

 

Bucharin nannte dieses Bedürfnis (Trennen zwischen Wert und Preis) "Sozialistische Urakkumulation".

 

Aber auch ein brillanter linksoppositioneller Bucharin (er war in Wirklichkeit Rechtsoppositioneller!) hätte in der DDR nichts anderes machen können, als so gut er kann, einen Preis festzulegen und dann diesen Preis von oben, mittels der Zentralen Verwaltung, zu diktieren.

 

Das Ergebnis des (historischen?) Versuchs ist heute der Zerfall der bürokratisch gelenkten Planwirtschaft, besiegt vom Kapitalismus.

 

Der Grund für diese Niederlage liegt unserer Meinung nach weniger in dem direkten Zugriff auf die Unterstrukturen der Wirtschaftskategorien (etwa: "den Preis der Ware Arbeitskraft auf dem Markt legen wir willkürlich niedriger fest als den Preis ihrer Produkte"), sondern mehr in der URSACHE, warum dieser direkte Zugriff jedesmal anarchischer wurde. Wir wollen dies mit einem Beispiel verdeutlichen.

 

Es handelt sich dabei um eine Stahlfabrik in der Ex-DDR vor der Wiedervereinigung. Die Zentralbürokratie beschloß, daß die DDR erstklassigen Stahl produzieren sollte. Eine Ingenieurabteilung eines VEB in Leipzig bekam den Auftrag, italienischen Stahl zu analysieren, um ihn kopieren und eventuell verbessern zu können.

 

  1. Schritt: Die Ingenieurabteilung analysierte den italienischen Stahl. Die Analyse ergab "x Prozent Eisen, y Prozent Kohle, etc.". Einen Teil konnten die Ingenieure innerhalb der festgelegten Zeit nicht analysieren, und der Bericht drückte aus (möglicherweise verschlüsselt, denn die Berichterstattungskunst in der Ex-DDR war ein Zusammenspiel zwischen politischer Vertuschung und analytischer Arbeit), daß5% der Stahlkomposition noch unbekannt seien.

 

Der Bericht ging durch die bürokratischen Kanäle zu einem anderen VEB, der den Stahl herstellen sollte. Dort arbeitete der Kollege Müller, erfahrener Stahlarbeiter, intelligent, Kommunist, der mit allen Kräften für den Sozialismus arbeiten wollte.

 

Dieser Kollege Müller bekam also den Bericht. Als er nach diesen 5% unbekanntem Material fragte, antwortete sein Vorgesetzter: "Tuen sie... na, mal sehen, das da, drauf. Es wird schon gehen".

 

Genosse Müller konnte sich sogar ausrechnen, daß es Pfusch geben würde. Er überlegte sich die Sache und stellte fest, daß es besser sei, wenn er mitmacht, weil er dann nachträglich auf die Verbesserung der Zusammensetzung und auf den Bericht Einfluß nehmen könnte.

 

Die Produktion wurde zu 50% fehlerhaft. Kein Wunder. Bis hierhin der konkrete Vorfall.

 

Wie hätte diese Sache in der stalinistischen Planwirtschaft weitergehen können? Fantasieren wir ein wenig weiter und nehmen wir an, daß Genosse Müller noch nicht resigniert hat und daß er versucht, den Bericht mit diesen 5% Unbekanntem zu verbessern.

 

Der Vorgesetzte macht aber nicht mit (oder irgendein Vorgesetzter in der Hierarchie). Wenn der Vorgesetzte zugibt, daß vorauszusehen war, dass fehlerhafte Produkte erzeugt würden, wird er bestraft.

 

Nehmen wir weiter an, daß Genosse Müller hartnäckig ist und die Ingenieurabteilung in Leipzig auf eigene Regie besucht. Zusammen mit einem Ingenieur (auch ein ehrlicher Mensch) schreibt er einen Bericht, den die beiden weiterleiten wollen.

 

Die Vorgesetzten lehnen dies ab; keiner fühlt sich verantwortlich.

 

Genosse Müller sucht andere Kollegen, andere Ingenieure auf und übt organisierte Kritik und Druck auf die oberen Instanzen der Bürokratie aus.

 

Endergebnis: Irgendwann wird Genosse Müller bestraft, weil er versucht hat, eine unerlaubte politische Tendenz zu bilden.

 

Wir wollen die Systemmerkmale dieses Beispiels nacheinander analysieren, aus der Sicht der Räte-Planwirtschaftstheorie.

 

Erstens: Die Zentralverwaltung bzw. Bürokratie legt von außen eine Frist für die Fertigstellung –also für die Produktion- des Berichts fest. 

 

Das entspricht einem direkten Zugriff auf Unterstrukturen der Produktion, ohne dafür sich zu kümmern ob doch nicht unterstruktur-eigene Methoden gibt, die zu benutzen wären, ohne die zu überschreiben. 

 

Zweitens: Auch in dem Stahlbetrieb wurde ein unerlaubter Zugriff auf Produktions-Unterstrukturen gestartet (die Annahme des Berichts wurde erzwungen). 

 

Drittens: bei der Bilanz der produktion wurde die Arbeitsverteilung nicht rätekonform geführt (der Vorgesetzte nahm die Kritik im Betrieb nicht ernst, also die Kompetenzen des Arbeiters wurden abgeschaltet). 

 

Viertens: bei der Erstellung der Produktionskosten wurde 'das da' willkürlich gewählt, ohne auf dessen Herstellungskosten zu achten (also wieder Mißachtung der Kompetenzen von Produktionss- Unterstrukturen - Räte...). 

 

Fünftens: Die Bürokratie unternahm nicht nur einen direkten Zugriff auf die Produktion - Unterstrukturen (Frist von außen festlegen), sondern verbot zusätzlich eine in die Unterstruktur integrierte interne (alzo dezentrale) Kontroll-methode für die Produktion (das Ingenieurbüro konnte nicht gegen diese Fristenentscheidung protestieren).

 

Diese direkten unerlaubten Zugriffe haben zweierlei Konsequenzen: zum einen vermehren sie das Chaos in der Zentralen Verwaltungsstelle, und zum zweiten verhindern sie, daß die verschiedenen Abteilungen vernünftig funktionieren können.

 

Im Kapitalismus würde das nicht passieren.

 

Die Ingenieurabteilung einer Firma würde mittels eigener, interner Strukturen einen Bericht erstellen und dessen Lieferfristen festlegen, die Abteilung Stahlproduktion würde einen unvollständigen Bericht empört ablehnen.

 

Bis dahin sind wir "pro-kapitalistisch", und in der Tat hat der Kapitalismus bewiesen, daß er beim produzieren der bürokratischen Planwirtschaft überlegen ist.

 

Aber nur bis dahin.

 

Ein Ingenieur in einem Betrieb im heutigen vereinigten Deutschland würde nie einen solchen Bericht für eine andere Fabrik schreiben, weil er nicht für ein anderes Unternehmen arbeiten darf.

 

Mehr noch, das andere Unternehmen ist möglicherweise die Konkurrenz.

 

Die Existenz von Konkurrenzbetrieben, letztendlich die Existenz des Privateigentums verhindert, daß die kapitalistischen "Module" auf die Ressourcen anderer Module Zugriff haben, das bedeutet, sehr oft muß man “das Rad noch mal entdecken”, also die Produktion wird eingeschränkt aufgrund der Einschränkung bei der Bedarf-Planung (Bedarf an Know How, was Teil der KONSUM in das produzierenden Betrieb ist).

 

Aus der Sicht der Rätestrukturen betrachtet, findet dadurch im Stalinismus ein schwerwiegender Fehler in der Hierarchisierung der Unterstrukturen für die Produktion vom Werte statt.

Die Zentralbürokratie wollte der "Vorfahr" aller Betriebe sein (also die Fristen, die Produktionszeiten, die Preise, die Methoden diktieren) - noch schlimmer, selbst und direkt diktieren, also auf die „Untermodule“ in der Produktion direkt zugreifen-, wollte aber gleichzeitig der direkte nicht Virtuelle "Nachkomme" aller Betriebe sein (um in Objektorientierte Sprache zu sprechen), weil sie diese Verwaltungs- oder "Vorfahren"-Funktion verwechselte mit dem "Überbau" (der Staatsmacht), sie wollte keine komplexere Struktur erlauben als sich selbst.

 

Im "idealsten" Falle (für wen ideal?), auch dann, wenn die Arbeiterklasse „abgeschafft“ würde (und die Bürokratie selbst die Arbeit machte), würde es zum Konflikt kommen, weil sie sich rekursiv selbst befehlen müßte (Chaostheorie? es wäre interessant, die Zyklen der stalinistischen Konjunktur von der Chaostheorie her zu analysieren!).

 

Zuerst was passiert mit Preise und Wert im Kapitalismus

Kein Kapitalist will Pleite machen. Um den Preis seiner Waren so festzulegen investiert er Geld in Marktanalysen, betreibt Spionage bei der Konkurrenz etc., mit den Ziel daß er gleichzeitig verkaufen und einen Gewinn erzielen kann.

Der Kapitalist erstellt im Grunde durch "statistische Methoden" der Preis folgendermaßen fest:

 

Der Preis einer konkreten Ware ist:

der abstrakte Wert von WERT "Arbeitskraft die ich gekauft und realisiert habe" (also, für den Kapitalisten die Produktionskosten plus den Kosten der Arbeitszeit, die wiederum eben "Arbeitszeit * Qualifikationskoeffizient" entspricht) multipliziert mit einem sozialen Faktor, der, soviel es der Markt erlaubt, größer als 1 sein sollte (damit Gewinn entsteht, weil dann der Preis größer als die Produktionskosten wird).

 

Der Kapitalist hat jedoch keinen Einfluß darauf, wie die Konkurrenz diesen Koeffizienten festlegt.

 

Er kann nur die Preise seiner eigenen Waren festlegen. Wenn aber ein einzelner Kapitalist den Preis seiner Waren zu lange hoch hält, bedeutet das für ihn, daß er in der Konkurrenz mit anderen Kapitalisten Nachteile hat.

 

Kurz: Der Kapitalist entscheidet nicht willkürlich über den Preis seiner eigenen Waren, dieser Preis ist nicht von seinem Willen abhängig, sondern vom Gesetz von Angebot und Nachfrage der kapitalistische Gesellschaft.

 

Mehr noch, Marx weist darauf hin, daß auch die Schwankungen des Preises vom Gesetz von Angebot und Nachfrage der kapitalistischen Gesellschaft abhängig sind, aber dass der Preis rund um den realen Wert (der abstrakte Wert von Wert der Arbeitskraft) schwankt.

 

Die Quelle des Profits ist nicht ein Betrug mit den Preisen, sondern (hauptsächlich) die Tatsache, daß die Arbeitskraft eines Arbeiters auch eine Ware ist.

 

Wir wollen hier nicht die Zirkulationsgesetze des Kapitals darstellen (dafür ist ja "Das Kapital" da!), was uns hier interessiert, ist, daß der Kapitalist eine "Methode" hat, um den Preis seiner WAREN festzulegen.

 

Interessant bei dieser Methode ist die Tatsache, daß kein Kapitalist der Welt die Entwicklung der Preise festlegen kann, er kann nur erkennen (mittels statistischer Analysen und Marktanalysen), daß der Preis sich geändert hat.

 

Die Methode zur Erkennung (Festlegung in diesem Sinne) des Preises einer Ware muß er jedesmal neu anwenden.

 

Die zyklischen Krisen des Kapitalismus gehorchen auch Gesetzen, die der Kapitalist als solcher nicht beeinflussen kann.

 

Wichtig ist hier festzuhalten: Der Kapitalist entscheidet nicht willkürlich über den Preis.

 

Mag er Pleite machen und einem anderen Kapitalisten Platz lassen, oder mag er Marktanalysen erstellen und anderen Konkurrenten überlegen sein - er nimmt sich (mittels Marktanalysen) Informationen, die "gesellschaftlich vorhanden sind", und wendet sie an.

 

Was passiert mit Preis und Wert im Stalinismus

 

Das Ergebnis des (historischen?) Versuchs, Preis und Wert der Ware bürokratisch zu lenken, ist heute der Zerfall der bürokratisch gelenkten Planwirtschaft, besiegt vom Kapitalismus.

 

Wie wiederholen: Der Grund für diese Niederlage liegt unserer Meinung nach weniger in dem direkten Zugriff auf die Rätestrukturen die in der Wirtschaftskategorien regieren sollte (etwa: "den Preis der Ware Arbeitskraft auf dem Markt legen wirwillkürlich niedriger fest als den Preis ihrer Produkte"), sondern mehr in der URSACHE, warum dieser direkte Zugriff jedesmal anarchischer wurde. 

 

Bürokratische Verwaltung in realexistierenden Stalinismus verglichen mit Privateigentum

 

Es ist an dieser Stelle wichtig, einen kleinen Exkurs zu machen, der den Unterschied zwischen Verwaltung und Privateigentum klärt.

 

Es geht hier nicht um das "Gefühl", das die Bürokratie haben kann - etwa sie sei die Besitzerin der Produktionsmittel-, sondern um die genaue Klärung, ob sie tatsächlich die Produktionsmittel innerhalb der Länder des Realexistierenden Stalinismus besitzt, unabhängig sogar von ihrem Bewusstsein davon. 

Zum ersten wollen wir klären, ob die Bürokratie eine Beziehung zu den Produktionsmitteln hat, die vergleichbar wäre mit der Beziehung der Kapitalistenklasse zu den Produktionsmitteln im Kapitalismus. 

Das ist nicht der Fall! 

der Entscheidende Unterschied

Betrachten wir, was passiert, wenn ein solcher, noch nicht verkaufter, noch funktionierender Ex-DDR Betrieb einen Produktionsauftrag (Stahl liefern) bekommt. 

Konkret, wenn ein früherer Abnehmer (sagen wir ein Betrieb in der UdSSR) schriftlich Produkte bestellt. 

Der Betrieb hat also einen Auftrag. 

Er muß zuerst produzieren, dann liefern, und dann bekommt er Geld für die produzierte WAREN die das Betrieb verkauft. 

 

Das Geld, das dieser Betrieb auf diese Art bekommt, wird dafür benützt, Löhne, Rohstoffe, Kosten und eventuelle Schulden zu bezahlen, im Idealfalle soll ein Plus bleiben, das dieser Betrieb als "Gewinn" betrachten kann, und mit dem neue Investitionen finanziert werden sollen.

 

Dieses "Gewinn" kann auch eingesetzt werden, um die Löhne der Angestellten zu erhöhen.

 

Wir wollen hier die klassische Frage, WER über die Verwendung des möglichen Gewinns entscheidet (eine vom Arbeiter gewählte bzw. beauftragte Finanzierungsleitung oder eine vom Kapitalisten, Besitzer oder der früheren SED-Verwaltung beauftragten Abteilung) nicht wiederholen.

 

De facto war tatsächlich in der DDR einige Zeit lang sogar ein Machtvacuum, das eine organisierte revolutionäre Arbeitnehmerschaft hätte benutzen können. Wir wollen aber die reale Entwicklung analysieren.

 

Zuerst muß dieser Betrieb, der (was Macht angeht) in der Grauzone ist, und der einen schriftlichen Auftrag (aus der UDSSR) hat, WAREN produzieren, wenn er mit einen Gewinn rechnen will. 

 

Für die Produktion muß der Betrieb aber außer Arbeitskraft und Maschinen -wie unqualifiziert bzw. veraltet auch immer- Rohstoffe und Energie zur Verfügung haben.

 

Das heißt: Auch dann, wenn die Arbeiter ihren Lohn aus sozialen und politischen Gründen immer noch bekommen (lassen wir hier das Thema Lohnmenge und Besitzverhältnise zur Seite) braucht dieser Betrieb immer noch Energie, Material (also konstantes Kapital) und die Qualifikation der Arbeiter.

 

Eine zentrale Verwaltung, die -wie früher in DDR-Zeiten- gut oder schlecht Energie und Material liefert, hat solche Rohstoffe, Energie, Maschinen nicht einfach so. 

 

Der Betrieb muß also Energie und Material als WAREN kaufen, und zwar auf dem kapitalistischen Markt in kapitalistischen Ausland!.

 

Vergessen wir nicht, der Betrieb ist nicht verkauft, nicht "reprivatisiert"!

 

Für diesen Kaufprozeß braucht der Betrieb Geld. Er hat aber kein Geld! Insbesondere hat er keine "Devisen" also kein kapitalistisches Geld!

 

Ein kapitalistischer Besitzer würde versuchen, den normalen Weg eines kapitalistischen Betriebs zu gehen, er würde einen Kredit auf der (kapitalistischen) Bank beantragen. 

 

Eine bürokratische Verwaltung des Betriebs kann einen solchen Kredit beantragen. Es handelt sich hier um konstantes Kapital, also um Werte, die nicht verloren gehen bzw. verloren gehen sollten.

 

Nehmen wir an, die kapitalistische Bank lehnt einen Kredit nicht ab.

 

Für die kapitalistische Bank ist die politische Situation beunruhigend, hauptsächlich befürchtet die Bank, daß dieser potentielle Kreditnehmer den Kredit nicht zurückzahlen kann, wenn das Geschäft nicht funktioniert.

 

Endergebnis, der Betrieb -oder die bürokratische Verwaltung- muß der Bank glaubwürdig versichern, daß er über die notwendigen "Geldreserven" verfügt (entweder er hat Geld oder er findet eine Bürgschaft), oder er kann keine Rohstoffe kaufen, und die Produktion findet nicht statt.

 

Behalten wir im Sinn, daß die bürokratische Verwaltung kapitalistische "Geldreserven" -und wenn es in der indirekten Form einer Bürgschaft ist- braucht, die er von vornherein haben muß.

 

Das bedeutet aber nicht mehr und nicht weniger, daß das Produktionsziel weiter ist, einen "Gewinn" in der Form von Geld zu erzielen, den man nachträglich mindestens teilweise investieren kann. 

 

Es ändert sich in keiner Weise, daß die Arbeitskraft weiter eine Ware bleibt, daß die Kosten dieser Arbeitskraft -also das variable Kapital- investiert werden müßen (ansonsten gibt es keine Profitrate mehr!), und daß das Produkt der Arbeit auf dem kapitalistischen Markt verkauft wird.

 

Betrachten wir die Situation von einem nächsten Standpunkt, aus der Sicht der Variante, die meistens funktioniert hat.

 

Wenn sich ein Konzern aus dem Westen -sagen wir der VW- Konzern- einen DDR-Betrieb aneignet, dann eignet er sich das “fixe Kapital” an (das heißt, die Maschinen, die Anlagen, das Erdeigentum also die WERTE) und eignet sich auch die Auftragsbücher (Auch ein WERT) an, in denen mögliche Kunden zu finden sind.

 

Er eignet sich aber auch die Arbeitsverträge an.

 

Was sind das für Arbeitsverträge? Wie haben die Arbeitsverhältnisse vor der DDR-Auflösung ausgesehen?

 

"Die Werktätigen Massen konnten im Rahmen einer gegen sie abgeschlossenen Korporation den ablaufenden arbeitsteiligen Verfügungsprozeß nur punktuell und zufällig beeinflussen, hatten grundsätzlich keinen Zugang zu den Stellen, an denen die Fäden zusammenlaufen, konnten also auch nichts Wesentliches kontrollieren.

 

Sie standen dem konzentrierten Staatseigentum nach wie vor "proletarisch" gegenüber, und da die Gewerkschaften nicht mehr ihre Assoziationen, sondern Assoziationen "für sie" waren, waren sie institutionell gesehen machtloser als zuvor.". (R.Bahro, Die Alternative, S.199)

 

Man kann sicher nicht von einer Beteiligung der Arbeiterklasse an den Schaltstellen der Macht, weder im Betrieb noch auf Staatsebene reden.

 

Ein entscheidender Unterschied ist aber zu bemerken:

 

Der Käufer von Arbeitskraft war in der DDR der Staat selbst.

 

Theoretisch wäre möglich gewesen, daß der Staat als Käufer von Arbeitskraft einen bestimmten Kaufvertrag kündigt.

 

Wenn er aber der einzige Käufer ist, ist die Kündigung eines Arbeiters gleichbedeutend mit einem Todesurteil für diesen Arbeiter.

 

Von woher soll er sonst Geld für den eigenen Lebensunterhalt bekommen, wenn kein anderer Käufer seiner Arbeitskraft da ist?

 

Diesem Arbeiter in der DDR bleibt dann nur eine Wahl: rebellieren. Das weiß der Staat, (und zwar aus historischer Erfahrung!) und deswegen muß er ein Repressionsapparat aufbauen, das eine mögliche Rebellion schwächen kann.

 

Also doch keine neue Klasse!

Die Akkumulation von Kapital ist das Produktionsziel der Bourgeoisie.

Welches Produktionsziel soll eine neue Gesellschaft haben, um sich von dieser kapitalistischen Gesellschaft zu unterscheiden?

 

Es genügt nicht, die Produktionsmittel zu enteignen und eine zentralisierte Planwirtschaft einzuführen, die Geschichte des Stalinismus ist ein bitteres Beispiel dafür.

 

Welche Ziele soll sich eine sozialistische Überganggesellschaft stellen? 

 

Auf jeden Fall NICHT wie sich die stalinistische Bürokratie das vorgestellt hat.

 

Solche Vorstellungen haben den real existierenden "sozialistischen" Stalinismus in den Bankrott gewirtschaftet.

 

Es wurde am Ende doch Kapital akkumuliert, Profit maximiert unter anderem deswegen, weil die Weltgesellschaft auf Akkumulation von Kapital ausgerichtet war und weiter ausgerichtet ist.

 

Schlussfolgerung

 

Wir brauchen also neue, „Räteplanwirtschaftliche“ Methoden für die Kontrolle der Produktion!

 

Wie hätte eine Räteplanwitrschaftlösung (Modularlösung) für diesen Fall ausgesehen?

 

Zum ersten hätte die Ingenieurabteilung in Leipzig ihre eigenen Methoden für die Festlegung der Frist gehabt, wann der (Produkt) Bericht fertig sein sollte.

 

Zum zweiten wären diese lokal-Räte Methoden nicht "irgendwelche Methoden" gewesen, sondern "virtuelle" das heisst Schnittstellen-konforme Methoden. 

 

Beispiel: Wenn die Ingenieurabteilung sagt "wir brauchen 3 Ingenieure 3 Monate lang für die Herstellung der Analyse", würden sie durch diese Aussage einen automatischen Kostenvoranschlag an das zuständige Finanzierungs“modul“ richten, und diese Finanzierungsmodul wurde diesen Kostenvoranschlag im Ernst nehmen. 

 

Der Kostenvoranschlag bedeutet, daß irgendwo in der Rätestruktur "wir brauchen 3 Ingenieure" bedeutet immer noch "wir brauchen 3 Arbeitskräfte mit Ingenieur-Qualifikation", was wiederum als ein standardisierter "Wert-festlegen" Verfahren  (3 Monate, Ingenieurqualifikation) verstanden würde, etc.

 

Wir haben hiermit das erste Element einer Kritik der stalinistischen Methoden, aus der Sicht der Räteplanwirtschaft.

 

In unserem Beispiel hat die Bürokratie mehrmals auf die PRODUKTIONS - Unterstrukturen eines Betriebs direkt zugegriffen ohne sich zu kümmern ob dort schon Methoden  oder Kompetenzen gab: 

  • zum ersten auf die Ingenieurabteilung (die Fristen für die Berichterstellung wurden von der Bürokratie festgelegt),
  • zum zweiten auch auf den Stahlbetrieb (die Annahme des Berichts wurde erzwungen)
  • zum dritten auf die Bilanz (der Vorgesetzte nahm die Kritik im Betrieb nicht ernst).

 

Sind wir deswegen für die "Reprivatisierung der Industrie", d.h. wollen wir die Gestaltung der Methoden "den Marktwirtschaftsgesetzen" überlassen?

 

Keinesfalls. Wir wollen auf einen zweiten Fehler hinweisen, den wir auch mittels der Rätetheorie erkennen können, der durch eine kapitalistische Reprivatisierung nicht zu verhindern wäre.

 

Genosse Müller konnte nämlich in unserer Erzählung keinen Weg finden, wie er gemeinsam mit dem Ingenieur eine Art "Tendenz" oder Kontrollfunktion ausüben konnte (für die Altsprachler: wir erwähnen hier die berühmte "Arbeiterkontrolle der Produktion"). 

 

Damit kann man einen gemeinsamen Fehler beider Systeme (des kapitalistischen und des stalinistischen) erkennen:

 

Untermodule für die Produktion in beide Systeme, der kapitalistische und der Stalinistische, können Informationen schwer austauschen, weder unter sich, noch nach oben, an übergeordnete Module, noch an Untermodule fremder Module (im Kapitalismus ist der Transfer von "Know How" an die Konkurrenz sogar gesetzlich verboten).

 

Wieso kann im Kapitalismus und im Stalinismus  ein "Vererbungsprinzip" oder ein “Referenzprinzip” nicht angewendet werden?

 

Es geht hier um eine brauchbare Definition von „virtuellen Methoden“ oder schnittstellen-artigen Methoden, die weder die Bürokratie hatte noch der Kapitalismus hat.

 

Wenn „Genosse Honecker“ "Produktion von Stahl" sagt, meint er damit, guten Qualitätsstahl zu produzieren, der aufgrund der Produktionskosten auf Weltebene konkurrenzfähig ist.

 

Würde "Genosse Honecker" diese 5% Unbekanntes, dieses "tuen sie ... das da rein, es wird schon gehen" in Kauf nehmen, wenn er davon wüßte? 

 

Wir glauben nein. Er würde sich selbst lächerlich vorkommen.

 

Aber der Vorgesetzte von Müller tut das.

 

Der Arbeitskollege von Müller tut es, ohne mit der Wimper zu zucken.

 

Für diese Untermodule ist das Wort "Produzieren" nicht dasselbe wie für "Genossen Honecker".

 

(Übrigens würde für Genossen Müller im Kapitalismus die Kontaktaufnahme mit einem Ingenieur der Konkurrenz sogar Gefängnis bedeuten.

 

Die Preisgabe von Betriebsgeheimnissen ist eines der größten Verbrechen in der kapitalistischen Wirtschaft.

 

Wir wiederholen aber, daß der kapitalistische Fall in der nächsten Broschüre anhand der Treuhandgesellschaft analysiert wird.)

 

Wir wollen diese "Verständnislücke" mit unserer Schnittstellen - Modulartheorie analysieren. 

 

"Produzieren" bedeutet für die oberen Etagen der Bürokratie eine Prozedur, durch die das Land, die Nation (z.B.) Qualitätsstahl als Endergebnis “zur Verfügung” hat.

 

“Zur Verfügung” heißt für die Bürokratie, wohlgemerkt, daß sie mit diesen Stahl auf der Weltmarkt gute Verkaufspreise erzielen kann, also Profitmaximierung! 

 

Für einen kapitalistischen Betrieb ist das viel direkter, "produzieren" bedeutet für einen kapitalistischen Betrieb "gewinnbringend produzieren". 

 

Für Müller und für seinen Arbeitskollegen bedeutet "produzieren" eben "x Prozent Stahl mit y Prozent Kohle und 5 % von .. 'dem da' zu mischen", also die Realisierung seiner Arbeitskraft, die er schon für einen Lohn verkauft hat. 

 

Auch eine "Prozedur", die aber mit den Vorstellungen der oberen Etagen der Bürokratie oder einer kapitalistischen Betriebsleitung wenig gemeinsam hat.

 

Es handelt sich also um METHODEN, die miteinander wenig zu tun haben, obwohl sie gleich klingen ("produzieren").

 

Die METHODE "Qualitätsstahl produzieren" ist Produkt einer bewußten Überlegung, einer Strategie, sehr oft einer politischen Strategie (die sehr wohl falsch sein kann, wie sie es in der Geschichte der DDR tatsächlich war!). 

 

Die METHODE "x Prozent Eisen mit y Prozent Kohle mit 5% von .. dem da" ist ein Produkt von... ja, wovon?

 

Das ist das Produkt der Entscheidung eines eingeschüchtertes Individuum, und nicht das Produkt eines Produktions-Modul.

 

Diese Modularvorstellungen erlauben uns hier, die Wurzel der Ideologie der Bürokratie in der kapitalistischen Weltwirklichkeit der Profitmaximierung zu finden. 

 

Aber diese neue „Profitmaximierung“ in die Hände der Bürokratie bekommt ein neues, zusätzlichen Geschmack!

 

Die Bürokratie würde diese letzte Methode ("dem da") als "Boykott" bezeichnen (und z.B. den Vorgesetzten bestrafen), weil sie annimmt, daß dieser Methode Produkt einer Verschwörung ("des Klassenfeinds") ist, Produkt also einer bewußten Überlegung, eines Plans. 

 

Sie glaubt, daß alle Methoden Produkt der Planung sind ("Wir sind schon im Sozialismus..."). 

 

Sie hat tatsächlich (falscherweise Zentral) geplant mittels der Erstellung einer Methode ("die politische Lage -und die Weltmarkt!- erfordert, daß wir erstklassigen Stahl erzeugen..."), und weil sie sich als sozialistische Insel innerhalb der kapitalistischen Welt verstand, konnte sie nicht akzeptieren, daß in ihrem eigenen Reich die Marktwirtschaftsgesetze noch gültig waren, sie glaubte deshalb an einen bösen, planenden "Klassenfeind", der "unten" im Betrieb wühlte. 

 

Die Annahme, daß die Bürokratie diese Anschuldigung nur "erfand", ohne selbst daran zu glauben, läßt unbeantwortet, wieso "die Bürokratie", die aus Menschen besteht, auf solche "Erfindungen", ausgerechnet auf solche Phantasien kommen konnte.

 

Auf der Betriebsebene hatte aber niemand den Boykott geplant. Die "Methode" "x Prozent Eisen mit y Prozent Kohle mit 5% von.. dem da" hat kein böser Agent des Imperialismus geplant. 

 

Diese Methode ist ein Produkt des internen Lebens eines Betriebs und eines jeden seiner Mitarbeiter, die im Rahmen von "Ich will weiter leben" denken, und das als Lohnabhängige und als ausgebeutete Klasse, auch im "inneren Reich" der DDR. 

 

Die Methode "das da und ohne mit der Wimper zu zucken"  ist das Produkt einer inneren Dynamik auf Betriebsebene, die durch den Tatbestand des Verkauf der Ware Arbeitskraft bestimmt wird, und die Bürokratie versteht diese innere Dynamik und diesen Tatbestand nicht, aufgrund ihrer stalinistischen Erziehung, die sie glauben läßt, daß im "sozialistischen halben Land" die Arbeitskraft keine Ware sei, und daß das Geld -und Entgelt- nur "zu Rechenzwecken" da wäre.

 

Aus der Sicht der Modulartheorie betrachtet, findet dadurch im Stalinismus ein schwerwiegender Fehler in der Hierarchisierung der Module statt. 

 

Die Zentralbürokratie wollte der "Vorfahr" aller Betriebe sein (also die Fristen, die Produktionszeiten, die Preise, die Methoden diktieren) - noch schlimmer, selbst und direkt diktieren, also auf die Module direkt zugreifen-, wollte aber gleichzeitig der direkte Nachkomme aller Betriebe sein, weil sie diese Verwaltungs- oder "Vorfahren"-Funktion verwechselte mit dem "Überbau" (der Staatsmacht), sie wollte keine komplexere Struktur erlauben als sich selbst. 

 


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(@icefirehawk)
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Ich hab mir den Text jetzt nicht durchgelesen, aber das Wort "frei" in "Freie Linke" ist für mich dann doch eher mit der idee des Libertären Sozialismus verbunden, also hat mit Stalinismus nix zu tun.


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(@andremueller)
Mitglied Moderator
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@icefirehawkja, natürlich nich..-der sozialismus 1.0  typ stalin war eine Fehlentwicklung , weg von der ursprünglichen Idee und ist deshalb gescheitert, oder war als 1. Soialismus-versuch einfach 100-200 jahre zu früh , die Wissenschaft +technik +damit die Arbeitsproduktivität war noch nich weit genug entwickelt für eine neues Gesellschaftssystem .

Diese r Beitrag wurde geändert Vor 1 Monat 2 mal von andremueller

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 Rostlaube
(@Rostlaube)
Gast
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Beiträge: 2
 

"Was ist Stalinismus" diese Frage kann und sollte jeder erst mit sich selbst auswürfeln.

Wenn es Leute gibt die mit Ihren Vorstellung davon methodisch und gesellschaftswissenschaftlich helfen diesen Begriff eine definierte Größe zu geben. Das wäre etwas worauf ich in meiner über 50 Jahren politischer Tätigkeit vergebens warte. Auch diese Broschüre haftet nichts anderes an als besten falls  die wissenschaftliche Begründung seiner Abneigung von etwas was der Autor "Stalinismus" nennt.

Die 1. Frage müsste lauten, wieso spricht man von Stalinismus. Stalin hat zwar 20 Bände Bücher verfasst, von denen leider nur 13 erschienen sind. Diese beinhalteten aber keine Lehre oder ein Philosophisches Werk. Vielmehr bezogen sich seine Schriften auf die damalig bestehende politische Situation und seinem Wirken. Und das zuweilen durchaus kritisch. Andererseits machte er den auch heute noch gängigen Fehler, im Falle der "Juden" Religionszugehörigkeit und Volkszugehörigkeit zu vermengen.

Leider muss ich erneut feststellen, dass aus welchen Gründen immer, man es der Person Stalin nicht vergönnt, die richtige Person zur richtigen Zeit am richtigen Ort gewesen zu sein.


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(@karel)
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Beigetreten: Vor 2 Monaten
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Man müsste nach all den Jahrzehnten an eine rigoros wissenschaftliche und historische wie dann darauf basierende intellektuelle Auseinandersetzung zu Stalin gelangen, die nicht in alten Dogmatismen aller Art verhaftet ist. Marxistisch im Sinne von kritisch und wissenschaftlich. Dafür müssten sich alle Seiten bewegen, aufraffen und sich an eine Erforschung machen.

Eine Linke die das Anti-Stalin-Paradigma einfach als Dogma akzeptiert, die wiederholt genau die schlechten Seiten dessen, was mit Stalinismus eigentlich kritisiert: die Willkürdiktatur der Partei und Nomenklatura.

Die Linke braucht zwar und hat ihr Dogma, aber ihr Dogma muss das des Antidogmatismus sein.

Diese Aufsatz könnte ein guter Ausgangspunkt für eine offene und nauncierte Debatte sein:

 

https://ojs.library.ubc.ca/index.php/clogic/article/view/191861

https://ojs.library.ubc.ca/index.php/clogic/article/view/191862

 

Das große Problem ist, dass auch die Linke blind Chruschtschew glaubt, der aber selber Stalin gerügt hatte, dass dieser zu milde bei den Repressionen sei.

Vieles in der Geheimrede ist nicht unbedingt wahr und dieses Dokument einer innerparteilichen Auseinandersetzung zur historischen Wahrheit zu verklären hat nix mit kritischer Analyse oder Aufarbeitung zu tun.

Genauso wie Stalin aufgearbeitet werden muss, muss auch alles anderes aufgeklärt werden usw.

 

Mit kommunistischen Grüßen,

Karel


elTabano gefällt das
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(@eltabano)
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Themenstarter  

Genau das ist das Problem mit das begriff "Stalinismus"
Eine Sache sind die Werke und die politische Positionen von Iosif Vissarionovič Džugašvili alias Stalin, und eine andere, wie und womit das Wort "Stalinismus" historisch verstanden wird.

Die politische Positionen von Iosif Vissarionovič Džugašvili sind Thema für Diskussion.

Die INTERPRETATION von solche Positionen sind was anderes.
Für Trotzkisten, stelle euch vor, jemand hört ein Kommentar von Trotzki, in Frankreich hat er die Positionen der damaligen Anhänger bezüglich Leon Blum... Hat so etwas geschrieben wie "unsere mitglieder sollten zuerst lernen, wie man Massenarbeit macht" in ein klarer Kontext von genervt sein von Sektierer...
Und dann entsteht das ganze Unsinn von Entrismus ... siehe Michael Pablo, etc...

Oder die Sekten die immer ein Aufsatz von Gott Trotzki nehmen... etc...

Schrecklich.
Das ist auch mit Iosif Vissarionovič Džugašvili passiert. Heute liest niemend die Originale... 

Lies bitte die Originale!!!


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(@karel)
Mitglied Admin
Beigetreten: Vor 2 Monaten
Beiträge: 26
 

Ich finde das Resultat erstaunlich dünn für so einen langen Beitrag zur Frage des Wesens des "Stalinismus". Es ist im Grunde reine Polemik. Deshalb erlaube ich mir auch polemische Bemerkungen.

 

Was ist Stalinismus? Bürokratismus.

Was ist Bürokratismus? Stalinismus.

 

Wir haben also eine Gleichung zweier politischer Kampfbegriffe.

Was dahinter stehen soll erfährt man nicht.

 

Auf die Geschichte der Sowjetunion wird gar nicht eingangen. So herrscht klar Stalinismus zu Stalins Zeiten, aber auch dann als mit Chruchschow die Antistalinisten die Macht übernommen hatten. Und freilich lange nach Stalins Tot und der Übernahme der Macht durch seine Gegner. Sogar jetzt gibt es ihn noch überall und er muss in alle Ewigkeit bekämpft werden.

So bleibt es doch sehr rätselhaft, worauf der Begriff überhaupt verweist.

Es scheint ein rein polemische Verwendung. Überall, wo gewissen Gruppen nicht an der Macht sind, herrscht Stalinismus oder Bürokratismus, den Trotzki ja schon Lenin vorwarf, als er nicht mehr in den engsten Zirkeln der Macht war.

So reift die Vermutung tatsächlich, dass es nichts als ein reiner polemischer Kampfbegriff ist, denn auf die tatsächliche Geschichte wird ja nicht eingangen.

Was macht man mit den Forschungen von Arch Getty, der die "Großen Säuberungen" als verzweifelte Tat der Parteiführung interpretiert (wohlgemerkt aufgrund von historischen Untersuchungen), mit Hilfe der Basis gegen die Bürokratisierung vorzugehen.

Ist Stalin und die Parteiführung dann nun doch antistalinistisch?

Und wie werden Antistalinisten wie Chruchschtow dann wieder zu stalinistischen Bürokraten?

Irgendwas scheint in dieser Gleichung nicht aufzugehen...zumindest als Grundlage historischer Analyse scheint sie völlig ungeignet, da sie nur Blendwerk über die Geschichte legt.

Was aber wäre der Stalinismus, wenn er kein polemischer Kampfbegriff ist, tatsächlich, das scheint doch sehr unklar bis jetzt.

 


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