Die deutschen Opfer…
 
Benachrichtigungen 
Alles löschen

Die deutschen Opfern des Stalinismus ‑in der Sowjetunion ermordete deutsche Kommunisten und Sozialisten in den 1930er Jahren


(@andremueller)
Mit­glied Mod­er­a­tor
Beige­treten: Vor 5 Monaten
Beiträge: 12
The­men­starter  

Ich ver­füge über ein umfan­gre­ich­es Archiv zu dem The­ma (Texte +Videos ) , von dem ich aus Platz­grün­den hier nur einen kleinen Ein­blick geben kann , alle Biogra­phien der Opfer sind his­torisch bestätigt.

Allein in der „Deutschen Oper­a­tion des NKWD ” 1937 wur­den ins­ge­samt min­destens  8000 deut. Arbeit­er,  Sozial­is­ten +Kom­mu­nis­ten in der SU von Stal­in und seinen Leuten ermordet oder langjährig in Lager ges­per­rt, darunter fast 400 führende Kad­er der KPD , und das halbe Zen­tralkom­mi­tee der KPD von 1929

 

++++

Wie ein genetis­ch­er Faden durchziehen die Geschichte des deutschen Kom­mu­nis­mus „weiße Fleck­en“, Kom­mu­nis­ten also, deren Biografien und teils sog­ar deren Leben von der Partei aus ihrem kollek­tiv­en Gedächt­nis aus­gelöscht wur­den. Dieses brisante The­ma fasste der Mannheimer His­torik­er Her­mann Weber an, dessen Buch im Früh­jahr 1989 zuerst in Frank­furt am Main, dann 1990 in Ost-Berlin im Ch. Links Ver­lag erschien.

Es geht Weber dabei wesentlich um die Stal­in­schen Säu­berun­gen deutsch­er Kom­mu­nis­ten in der Sow­je­tu­nion in den 1930er-Jahren. Er ermit­telte 305 ermordete und ver­schol­lene deutsche Kom­mu­nis­ten sowie 40 in der Sow­je­tu­nion ver­haftete, die es geschafft hat­ten, zu über­leben. Erschossen wurde beispiel­sweise Hans Kip­pen­berg­er, langjähriger Kan­di­dat des Zen­tralkomi­tees der KPD und Leit­er des parteieige­nen Nachrich­t­en­di­en­stes. Über­lebt hat­te Susanne Leon­hard, die bere­its dem Spar­takus ange­hört hat, in die Sow­je­tu­nion emi­gri­erte, von 1936 an bis 1948 ver­haftet und in Arbeit­slagern war. 1949 floh sie aus der DDR in die Bun­desre­pub­lik.

Im Ergeb­nis zeigte sich für Weber, dass von den 43 Spitzen­funk­tionären der KPD „mehr Per­so­n­en der Stal­in­schen Säu­berung zum Opfer [fie­len] als dem Ter­ror Hitlers“.++++

https://www.kommunismusgeschichte.de/lesen/liesmich/article/detail/hermann-weber-weisse-flecken-in-der-geschichte-die-kpd-opfer-der-stalinschen-saeuberungen-und-ihre-rehabilitierung

 

Siehe auch das Buch „Deutsche Kom­mu­nis­ten ” , darin die Biografien von ca. 1400 deut. Kommunisten.

+++++

„Die Emi­gra­tion in der Sow­je­tu­nion wurde für viele KPD-Leit­er zur Todes­falle. Mit Sicher­heit sind sie schw­er­er gestor­ben, als ihre Genossen in Hitlerdeutsch­land. Aus dem Polit­büro von 1929 wurde ein Kom­mu­nist von den Nazis ermordet (Ernst Thäh­mann), aber vier (Leo Flieg, Heinz Neu­mann, Her­mann Rem­mele, Fritz Schulte) fie­len den Säu­berun­gen in der Sow­je­tu­nion zum Opfer.
 
Von 59 ehe­ma­li­gen Polit­büro Mit­gliedern (Pol­büro) wur­den drei in den Kämpfen 1919 ermordet, sechs fie­len dem Hitlert­er­ror und sieben (wahrschein­lich acht) dem Stal­in­ter­ror zum Opfer. Beson­ders bemerkenswert ist die Tat­sache, dass die jüdis­chen Kom­mu­nis­ten und KPD Funk­tionäre (Fritz David und Moses Lur­je) in dem Prozeß gegen Sinow­jew und Kamen­jew 1936 geste­hen mußten „Agen­ten der Gestapo und Trotzkis“ zu sein. Die anderen KPD Funk­tionäre wur­den meist still und heim­lich um die Ecke gebracht. 
 
Wed­er ein Hans Kip­pen­berg­er (Leit­er des Mil­itär ‑Appa­rats der KPD), noch ein Her­mann Schu­bert (bis 1935 führend im Polit­büro), wur­den vor ein öffentlich­es Gericht gestellt. Wäre Heinz Neu­mann 1934 von der Schweiz an Hitlerdeutsch­land aus­geliefert wor­den, statt Asyl in der Sow­je­tu­nion zu erhal­ten und von den Nazis umge­bracht wor­den, hätte man nach ihm in der DDR einige Schulen und Straßen benan­nt. Nach­dem er aber ein­fach in Ruß­land ver­schwand, wurde er zur Unper­son erk­lärt, über die nicht gesprochen wurde. In der offiziellen DDR Geschichte wurde ihm besten­falls die alleinige Ver­ant­wor­tung für die ultra­linke Poli­tik der KPD vor 1933 zugeschoben. 
 
Ließt man die Biogra­phien der in der Sow­je­tu­nion ermorde­ten deutschen Kom­mu­nis­ten, dann fällt fol­gen­des sofort auf, meist wur­den in der Sow­je­tu­nion Funk­tionäre ermordet, die ein eigenes Pro­fil hat­ten und demzu­folge mit ein­er Por­tion Selb­st­be­wußt­sein aus­ges­tat­tet waren. Entwed­er han­delte es sich um gute und bekan­nte Red­ner oder sie hat­ten sich in der KPD- Geschichte irgend­wann ein­mal oppo­si­tionell betätigt.
 
Daneben gab es auch einige stets lin­ien­treue Funk­tionäre, die in der dama­li­gen Moskauer Atmo­sphäre ein­fach denun­ziert wur­den. Über­lebt hat das Exil in Ruß­land der arbeit­same, mit­telmäßig begabte Appa­ratschik, vom Typ Ulbricht oder das alte Schlachtroß Wil­helm Pieck, der bis drei zählen kon­nte, es aber oft verbarg.”

 

Weit­ere promi­nente KPD-Führer , die von Stal­ins NKWD ermordet wur­den waren z.B. der „Robin Hood ” aus dem Vogt­land, der berühmte Volk­sheld Max Hoelz (ertränkt in der Oka) , der Chef des RFB , Willy Loew , Hugo Eber­lein , ver­mut­lich 1940 auch der rote Medien­zar und ein­flussre­ich­ster Geg­n­er Hitlers, Willy Münzen­berg aus Erfurt und viele hun­derte andere .

 

ein klein­er Ein­blick in das Kli­ma der Denun­zi­a­tio­nen, Angst und Morde in Moskau 1937 im ange­hängten Spiegel-Artikel von 1994

weit­ere Infos und Links zur KPD-Geschichte und Geschichte der SU vor 1945 auch im FL-Geschichtskanal 

https://t.me/stalinismus_geschichte

Dieses The­ma wurde geän­dert Vor 3 Monat­en 5 mal von andremueller

Zitat
(@karel)
Mit­glied Admin
Beige­treten: Vor 6 Monaten
Beiträge: 34
 

Und warum passierte das. Wer war ver­ant­wortlich für den großen Ter­ror, die „Jeschowtschi­na”, wer beendte sie, worum ging es in diesem „Bürg­erkrieg inner­halbt der Partei”, wie Losur­do diese tragis­che Zeit zusammenfasst.

Warum wur­den viele inhaftiert, manche hin­gerichtet? Wie sah es um die Beweise, die Akten­la­gen aus, die Schuldgeständ­nisse, die real existieren­den Verschwörungen?

Ein­fach so ohne his­torischen Kon­text in den Raum gestellt, ist das wirk­lich kaum einen Deut bess­er als die Geschichtschrei­bung, die die frz. Rev­o­lu­tion verurteilt, weil vielle­icht ein paar unschuldige guil­lo­tiniert wurden…die dann aber auch nie erwäh­nt, dass die kon­ter­rev­o­lu­tionäre Allianz schon unweit von Paris stand, die Girondins sich mit den Englän­dern ver­bun­den haben usw.

 

So ohne Kon­text, ohne Ver­such ein­er ERk­lärung der Umstände und Her­ausar­beitung der Ver­ant­wortlichkeit­en für den Ter­ror und seine Ursachen, trägt das ganze wenig zum Ver­ständ­nis bei.

Es gab Leute, die den Kap­i­tal­is­mus restau­ri­erne wollen und dazu auch mit den Deutschen pak­tiert hät­ten und haben…so unge­heuer­lich manchen die Vorstel­lung scheint: kann es nicht sein, dass manche der „Schauprozesse” vielle­icht in ihrem Urteil nicht ganz daneben lagen?

Darf man sich der Frage offen und wis­senschaftlich näh­ern oder sie gar nicht stellen?

 


AntwortZitat
 Joe
(@joe)
Active Mem­ber
Beige­treten: Vor 3 Monaten
Beiträge: 12
 

Vielle­icht soll­test du mal genauer hin­se­hen. Wenn du noch immer nicht weißt daß dafür Jeshow und Jago­da ver­ant­wortlich waren und Stal­in diese Bei­den nach Ent­deck­ung ihrer Ver­brechen mit dem Tod bestraft hat, dann frische bitte deine Geschichtsken­nt­nisse auf.

Ein Link­er sein bedeutet Kom­mu­nist zu sein. Und das wiederum sind Marx, Engels, Lenin und Stalin.

Auch die Doku­men­tarfilme auf dem youtube Kanal von KIDeutsch­land sind hil­fre­ich wer nicht Lesen möchte.

Diesen blog mit ca 2500 Artikeln aus Zeitun­gen, Büch­ern usw. sollte man stets vor­rangig lesen. Zu fast jedem The­ma find­et man hier etwas.

https://sascha313.wordpress.com/2019/09/03/bill-bland-stalin-mythos-und-wirklichkeit/

 

Diese r Beitrag wurde geän­dert Vor 3 Monat­en von Joe

AntwortZitat
(@omen-nominandum)
Active Mem­ber
Beige­treten: Vor 3 Monaten
Beiträge: 10
 

Wir beurteilen die franzö­sis­che Rev­o­lu­tion nicht nach den Reden von Robe­spierre, Saint-Just oder Babeuf, obwohl da auch Gutes und Rev­o­lu­tionäres drin­ste­ht. Man sollte auch die rus­sis­che Rev­o­lu­tion nicht nach den Schriften Lenins oder Trotzkis beurteilen, son­dern nach dem, was sie bewirkt hat – genau so, wie es der his­torische Mate­ri­al­is­mus fordert und wie man es im Falle der franzö­sis­chen Rev­o­lu­tion oder jed­er andern auch tut.

Die rus­sis­che Rev­o­lu­tion hat

  •  die Akku­mu­la­tion von Kap­i­tal forciert
  • die Aus­beu­tung der Arbeit­erk­lasse, d. h. die Lohnar­beit, inten­siviert und ausgeweitet:

           – durch direk­te und indi­rek­te Lohnsenkung
           – durch die Ein­beziehung von Frauen in die Lohnar­beit (erzwun­gen durch Lohnsenkung)
             (Dies fand beze­ich­nen­der­weise auch die Anerken­nung west­lich­er His­torik­er. „So war inzwis­chen eine zunehmende Zahl von         Fam­i­lien­mit­gliedern — vor allem Frauen — erwerb­stätig, so dass das Fam­i­lien­bud­get entsprechend aufgebessert wurde.”[R. Lorenz, Die Sow­je­tu­nion, FWG 31, S. 353])

           – durch Zwangsar­beit
           – durch die Zer­störung vorkap­i­tal­is­tis­ch­er Pro­duk­tion­sweisen:
           –  Ver­wand­lung von Bauern in Lohnar­beit­er
           –  gewalt­same Sesshaft­machung der Nomaden und Halb­no­maden Sibiriens und Turkestans 

Die Bolschewi­ki baut­en im Kampf gegen die impe­ri­al­is­tis­chen Staat­en Europas und die USA einen unab­hängi­gen Nation­al­staat auf.

Die Mit­tel zu diesem gewalti­gen Sprung nach vorne wur­den beschafft

  • durch die Enteig­nung des Adels, der Kirche und – wesentlich­er Antrieb des Antikom­mu­nis­mus – des aus­ländis­chen Kap­i­tals. (Was es im zaris­tis­chen Rus­s­land an großem indus­triellem Kap­i­tal gab, war in der Hand des Aus­lands. (Lenin))
  • durch Nichtzahlung der Staatss­chulden des Zarismus
  • durch die Ver­staatlichung des Außen­han­dels und somit die Tren­nung des Lan­des von der „Weltwirtschaft” der USA und Westeuropas.

Die weni­gen sozialen Maß­nah­men der Bolschewi­ki (Ein­führung eines Gesund­heitssys­tems und ein­er Renten­ver­sicherung) kamen — zunächst jeden­falls — nur ein­er Min­der­heit zugute. Die UdSSR war nie ein Sozial­staat; trotz der Sozialkürzun­gen in den wes­teu­ropäis­chen „Wohlfahrtsstaat­en” und sozialpoli­tis­ch­er Verbesserun­gen in Rus­s­land unter der Regierung Putin liegt das rus­sis­che Sozial­sys­tem hin­ter Wes­teu­ropa zurück.

Die Maß­nah­men der Bolschewi­ki waren notwendig zum Auf­bau des Kap­i­tal­is­mus in Rus­s­land, nicht des Sozial­is­mus: Die Ver­staatlichung der Indus­trie und des Außen­han­dels und Plan­wirtschaft ändern nichts an der kap­i­tal­is­tis­chen Pro­duk­tion­sweise. Sie sind aber notwendig zur Errich­tung eines unab­hängi­gen Nationalstaats.

Die rus­sis­chen Sozialdemokrat­en, ob Men­schewi­ki oder Bolschewi­ki, waren von ihrer sozialen und poli­tis­chen Herkun­ft „Nar­o­d­ni­ki”, bürg­er­liche Rev­o­lu­tionäre, die auf der Suche nach dem „rev­o­lu­tionären Sub­jekt” die Arbeit­erk­lasse ent­deck­ten. (Willy Huhn, Trotz­ki — der ver­hin­derte Stalin)

Lenin war kein Arbeit­er, son­dern Advokat, der „Stan­dard­beruf” des bürg­er­lichen Rev­o­lu­tionärs; die Führung der Bolschewi­ki (wie der Men­schewi­ki) stammte über­wiegend aus dem Bürg­er­tum; echte Arbeit­er gab es in der Führung nur wenige und nur in den ersten Jahren der Rev­o­lu­tion. (Mjas­nikow, Schl­jap­nikow von der „Arbeit­erop­po­si­tion” z. B.)

Das heißt nicht, dass der Sozial­is­mus in der Sow­je­tu­nion ein­fach ein Betrug, „Kulis­senschieberei” war, wie der Linkskom­mu­nist Otto Rüh­le schon 1920 schrieb. Wäre Lenin nur ein Schar­la­tan gewe­sen, hätte er keinen Erfolg gehabt. Die Bolschewi­ki kon­nten auf Grund­lage der rus­sis­chen Pro­duk­tionsver­hält­nisse nichts anderes als einen staatlich gelenk­ten Kap­i­tal­is­mus auf­bauen. Für Rus­s­land war das Sozial­is­mus, die Vorstufe zu einem fer­nen Paradies namens Kommunismus.

Den rus­sis­chen Kom­mu­nis­ten war auch sehr bewusst, dass die Sow­je­tu­nion wenig mit dem Kom­mu­nis­mus zu tun hat­te. Lenin selb­st spricht in Bezug auf den Staat­sap­pa­rat der jun­gen SU von einem „abscheulichen zaris­tisch-bürg­er­lichen Gemisch”. Mit dem Kampf gegen „Bürokratismus” und „Bona­partismus” hofften sie, eine „Entar­tung” der Sow­je­tu­nion ver­hin­dern zu kön­nen. Auch Lenin forderte die Kon­trolle der SDAPR(B) durch die parteilosen Arbeit­er, genau wie die Arbeit­erop­po­si­tion. Diese dachte allerd­ings an eine echte Kon­trolle, nicht an eine Propagandaveranstaltung.

Auch die wes­teu­ropäis­chen Kom­mu­nis­ten hat­ten höhere Vorstel­lun­gen vom Sozial­is­mus als die SDAPR(B) – KPdSU. Infolgedessen spal­teten sich unabläs­sig kom­mu­nis­tis­che Grup­pen von der rus­s­landtreuen „Kom­mu­nis­tis­chen Welt­be­we­gung” ab. (Linkskom­mu­nis­ten, Trotzk­isten usw.)

Die „Fehler”, welche die kom­mu­nis­tis­chen Rev­o­lu­tionäre an der Poli­tik Lenins oder Stal­ins fest­stell­ten, und die ange­blich den Unter­gang des Sozial­is­mus her­beiführten, waren natür­lich keine Fehler, son­dern Aus­druck von Klass­en­in­ter­essen: den Inter­essen der herrschen­den Klasse der Sowjetunion.

Diese Klasse hat mit der aus marx­is­tis­chen Trak­tat­en berüchtigten „Kap­i­tal­is­ten­klasse” gemein­sam, dass sie von der Aus­beu­tung der Lohn­ab­hängi­gen lebt. Der Unter­schied beste­ht nur in der rechtlichen Aus­gestal­tung des Aus­beu­tungsver­hält­niss­es.
Diese herrschende Klasse „Bürokratie” zu nen­nen, wie Trotz­ki und die Mehrzahl der Linksradikalen es getan haben, ist bere­its eine Ver­harm­lo­sung: Bürokrat­en sind keine Herrschen­den, son­dern Diener ein­er herrschen­den Klasse. Die rus­sis­chen Bolschewi­ki waren aber eine herrschende Klasse.

Das kann man schon daran erken­nen, dass die „Oli­garchen”, die nach west­lich­er Sprachregelung heute die rus­sis­che Föder­a­tion beherrschen, nichts anderes sind als die ehe­ma­lige Kom­so­mol-Führung, inzwis­chen natür­lich ergänzt durch orig­inäre, völ­lig „unkom­mu­nis­tis­che” Halsabschneider.

Man sollte allerd­ings die rus­sis­che Rev­o­lu­tion vor „demokratis­ch­er” Kri­tik aus dem West­en in Schutz nehmen:

Die Herrschaft der Bolschewi­ki war kein Ein­bruch der Bar­barei in ein anson­sten kon­ser­v­a­tiv-lib­erales Gemein­we­sen, wie die heuti­gen Her­ren Rus­s­lands ihre Geschichte inter­pretieren.
Der berüchtigte Weißmeerkanal, dessen Bau Zehn­tausende das Leben kostete, geht auf einen vor­rev­o­lu­tionären Plan zurück. (Der Zar hätte sich das allerd­ings nie leis­ten kön­nen.)
Das Lager­sys­tem gab es schon unter dem Zaren, Stal­in hat es nur aus­ge­baut. Auf den in dieser Hin­sicht tra­di­tion­sre­ichen Soloveck­ij-Inseln im Weißen Meer ver­wen­de­ten die Bolschewi­ki sog­ar ehe­ma­lige Weiß­gardis­ten als Wach­per­son­al. (Solsch­enizyn)
Auch das größte Kolo­nial­mas­sak­er der rus­sis­chen Geschichte, die Tötung von 200.000 auf­ständis­chen Kasachen (1916), ist ein Werk des Zaris­mus, nicht der „Roten”.

Das all­ge­meine Star­ren auf Elend und Ter­ror ver­stellt auch den Blick auf die Gründe der rel­a­tiv­en inneren Sta­bil­ität der jun­gen UdSSR. Die alte Elite war tot oder im Aus­land; Loy­al­ität voraus­ge­set­zt, stand zumin­d­est in den ersten zwei Jahrzehn­ten des Beste­hens der Sow­je­tu­nion jedem Befähigten der Auf­stieg offen. „Niedere Herkun­ft”, am besten aus der „Arbeit­erk­lasse” oder der „Bauern­ar­mut”, war von Vorteil, in schrof­fem Gegen­satz zum Zaris­mus mit sein­er antiquierten Stän­de­ord­nung, aber auch zu den wes­teu­ropäis­chen Staat­en. Das war wirk­lich rev­o­lu­tionär, wenn auch nicht von Dauer. Nir­gend­wo auf der Welt wurde (zunächst jeden­falls) das kap­i­tal­is­tisch-sozialdemokratis­che Ver­sprechen von „Chan­cen­gle­ich­heit” und „Freie Bahn dem Tüchti­gen” mehr ver­wirk­licht als in der Sow­je­tu­nion. Da kon­nte man schon über ein paar „Schat­ten­seit­en” hinwegsehen.

Der Ver­such der lenin­schen und stal­in­schen Kom­mu­nis­ten, den Auf­bau eines Nation­al­staats als Sozial­is­mus hinzustellen, führte dazu, dass das Ziel des Sozial­is­mus völ­lig entstellt wurde. Ger­ade in den hochin­dus­tri­al­isierten Län­dern führte er die Kom­mu­nis­ten in die Bedeu­tungslosigkeit. In West­deutsch­land ver­schwand die KPD nach 1945 sang- und klan­g­los — nicht nur als Organ­i­sa­tion, son­dern auch aus dem Bewusst­sein der lohn­ab­hängi­gen Bevölkerung.

Primäre Ursache für das Ver­schwinden ein­er ein­sti­gen Massen­partei war eben keineswegs der Kalte Krieg und das KPD-Ver­bot, und auch nicht der „Ver­rat ehe­ma­liger Kom­mu­nis­ten”. Staatlich­er Ter­ror hat gegen wirk­liche Volks­be­we­gun­gen noch nie etwas aus­gerichtet. Aber die Sow­je­tu­nion war keine Per­spek­tive für die Arbeit­er der fort­geschrit­te­nen Industriestaaten.

Für die Schüler und Stu­den­ten, die Anfang der siebziger Jahre aus ein­er ganz anderen Moti­va­tion (um „die Demokratie zu demokratisieren”) auf den Marx­is­mus ver­fie­len und die KPD wieder­auf­bauen woll­ten, waren die ganz weni­gen alten KPD-Mit­glieder, die es in ihren Grün­dun­gen gab, bere­its Exoten, „Gegen­stand von Anbe­tung”, wie es in einem Kri­tik­pa­pi­er Anfang der siebziger Jahre spöt­tisch hieß.

In der „Drit­ten Welt” dage­gen, in jenen Län­dern also, deren Sit­u­a­tion mit der Sow­je­tu­nion 1917 ver­gle­ich­bar war, z. B. Chi­na, war die Sow­je­tu­nion noch lange ein Erfol­gsmod­ell – und ist es zum Teil noch heute. Wo der Marxismus–Leninismus nach dem II. Weltkrieg einen gewis­sen Massene­in­fluss hat­te, da han­delte es sich um Län­der der Drit­ten Welt: „Kur­dis­tan”, Nepal, Südin­di­en, Peru, Kam­bod­scha und so weit­er. Eben weil es dort nicht um soziale, son­dern um nationale Befreiung ging: Um die Errich­tung eines unab­hängi­gen Nationalstaats.

Der Kom­mu­nis­mus ist nicht gescheit­ert, er hat nie existiert.

Die Okto­ber­rev­o­lu­tion war ohne Zweifel eine Rev­o­lu­tion, nur keine „Arbeit­er­rev­o­lu­tion.” Was in der Sow­je­tu­nion tat­säch­lich aufge­baut wurde, war nicht der Sozial­is­mus, son­dern der Kapitalismus.

Die Sow­je­tu­nion war niemals sozial­is­tisch. Mit dem Abstreifen des „Marx­is­mus” Ende der achtziger Jahre hat die rus­sis­che Rev­o­lu­tion zu sich selb­st gefunden.

Diese r Beitrag wurde geän­dert Vor 3 Monat­en 2 mal von Omen Nom­i­nan­dum

AntwortZitat
 Joe
(@joe)
Active Mem­ber
Beige­treten: Vor 3 Monaten
Beiträge: 12
 

@omen-nominandum Na du bist total ver­peilt. Im Kap­i­tal­is­mus wer­den wed­er Kulak­en noch Konz­erneigen­tümer enteignet und daraus volk­seigene Betriebe gebildet. Aber genau das haben Lenin und Stal­in getan.

Warum hier Trotz­ki, der mit Nazideutsch­land kol­la­bori­erte, hier genan­nt wird ist mir schleierhaft.

Kom­mu­nis­mus hats nie gegeben. Auch die KPD sagt dass Kom­mu­nis­mus erst möglich ist wenn es keine kap­i­tal­is­tis­chen Staat­en mehr gibt. Sozial­is­mus mit Dik­tatur des Pro­le­tari­ats ist der Weg dor­thin. Alles mit Abstu­fun­gen darin.

Wer hier ahnungs­los ist sollte sich erst mal marx­is­tis­ches Basiswis­sen aneignen – vor dem Kom­men­tieren. Die Büch­er dafür gibts online kosten­los oder bil­lig gebraucht.


AntwortZitat
(@omen-nominandum)
Active Mem­ber
Beige­treten: Vor 3 Monaten
Beiträge: 10
 

Warum hier Trotz­ki, der mit Nazideutsch­land kol­la­bori­erte, genan­nt wird, ist mir schleierhaft.

Es han­delt sich um einen Buchti­tel: Willy Huhn, „Trotz­ki — Der ver­hin­derte Stal­in”.
Auch dieses Buch gibt es kosten­los online. 😀 


AntwortZitat
(@andremueller)
Mit­glied Mod­er­a­tor
Beige­treten: Vor 5 Monaten
Beiträge: 12
The­men­starter  

@joe Stal­in und sein Gefolge waren keine Kommunisten,(sondern Stal­in­is­ten ),  denn sie haben massen­haft unschuldige u. ver­di­en­stvolle Kom­mu­nis­ten umge­bracht (hat das was mit Soz. / Komm. zu tun ?, mit dem Huma­nen Kern des Soz.? , mit sicher­heit nein) . Sie haben das Anse­hen der Idee böse besudelt

..geht mir nicht ein , wie erk­lärte Kom­mu­nis­ten die Kom­mu­nis­ten-Mörder vertei­di­gen, das ist doch ein riesen Denk­fehler und Wider­spruch an sich 

Stal­ins wars nicht allein, seine führen­den Mord­kom­plitzen waren neben Jeschow auch Woroschilow, Molo­tow, Kaganow­itsch u.a.

Diese r Beitrag wurde geän­dert Vor 2 Monat­en von andremueller

AntwortZitat
(@scilla)
Emi­nent Member
Beige­treten: Vor 3 Monaten
Beiträge: 34
 
Veröf­fentlicht von: @omen-nominandum

Der Kom­mu­nis­mus ist nicht gescheit­ert, er hat nie existiert.

Die Okto­ber­rev­o­lu­tion war ohne Zweifel eine Rev­o­lu­tion, nur keine „Arbeit­er­rev­o­lu­tion.” Was in der Sow­je­tu­nion tat­säch­lich aufge­baut wurde, war nicht der Sozial­is­mus, son­dern der Kapitalismus.

Die Sow­je­tu­nion war niemals sozial­is­tisch. Mit dem Abstreifen des „Marx­is­mus” Ende der achtziger Jahre hat die rus­sis­che Rev­o­lu­tion zu sich selb­st gefunden.

stell Dir vor, Du würdest eine Gesellschaft neu­tral beschreiben, dann würdest Du schauen,

  • wie reich­haltig die Beruf­swelt ist
  • wie groß die Frei­heit der Beruf­swahl ist
  • wie groß die daraus resul­tieren­den sozialen Unter­schiede sind

das Ganze müsstest Du dann einord­nen in die his­torische Entwick­lung im Zuge der Industrialisierung

 

nun habe ich keine große Ahnung über die rus­sis­chen Zustände, aber ich würde ein­fach mal behaupten,

  • daß die Russen zu Beginn des 20. Jahrhun­derts der Indus­tri­al­isierung hin­ter­herge­hinkt sind
  • daß also die Leis­tung der Kom­mu­nis­ten im Hin­blick auf die von ihnen zu bewälti­gen­den Frühin­dus­tri­al­isierung zu bew­erten ist
  • daß der Arbeit­er- und Bauer­staat let­z­tendlich an der Unfähigkeit zum Auf­bau ein­er DIen­stleis­tungssek­tors gescheit­ert ist

 

unsere Gesellschaft scheit­ert aktuell auch (auf­grund ihrer Unfähigkeit zum Auf­bau ein­er Ökol­o­gis­chen Marktwirtschaft)


AntwortZitat
(@omen-nominandum)
Active Mem­ber
Beige­treten: Vor 3 Monaten
Beiträge: 10
 

@scilla So unge­fähr sehe ich das auch. Allerd­ings glaube ich eher an den Fall der Prof­i­trate als an „die Unfähigkeit zum Auf­bau ein­er ökol­o­gis­chen Mark­twirtschaft”. Der Kap­i­tal­is­mus ren­tiert sich nicht mehr.

Zwar ruft man auch heute noch vor den Schreck­en der freien Mark­twirtschaft nach Ver­staatlichung von Betrieben, oder schön­er: nach „Verge­sellschaf­tung”. Aber es wird nicht mehr gelin­gen, dies als eine andere Pro­duk­tion­sweise (Sozial­is­mus) auszugeben. Insofern muss unser heutiger Sozial­is­mus neu begrün­det wer­den und radikaler sein als der der Bolschewi­ki oder der KPD der dreißiger Jahre.

 

Diese r Beitrag wurde geän­dert Vor 2 Monat­en 2 mal von Omen Nom­i­nan­dum

AntwortZitat