von Redak­tion Freier Funke

 

Blick­en wir einige Tage zurück. Am Rande des Champignons League Spieles des FC Bay­ern München am 20.10.2021 bei Ben­fi­ca Liss­abon (0:4) wurde bekan­nt das der dop­pelt geimpfte Bay­ern-Train­er Julian Nagels­mann auf­grund eines pos­i­tiv­en Sars-Cov­‑2 Testergeb­niss­es nicht an der Seit­en­lin­ie seine Mannschaft coachen kon­nte son­dern stattdessen mit einem sep­a­rat­en San­itäts-Pri­vat-Jet des FC Bay­ern zurück nach München flog um dort seine ihm ange­ord­nete Quar­an­täne zu verbringen.

 

 

 

Nach skan­dal­trächti­gen Mel­dun­gen der Bild-Zeitung wur­den im Zusam­men­hang mit dieser Mel­dung  bekan­nt das fünf Profi-Spiel­er des FC Bay­ern noch nicht geimpft seien, wobei diese alle­samt kernge­sund waren.

Ein­er dieser promi­nen­ten Ungeimpften so wurde kol­portiert war der 26 jährige Nation­al­spiel­er Joshua Kim­mich. Nach dem Bun­desli­gaspiel FC Bay­ern vs TSG Hof­fen­heim (4:0) am 23.10.2021 befragte Sky-Reporter Patrick Wasserziehr noch am Spielfel­drand inquisi­torisch warum er sich nicht habe impfen lasse wo doch im Sta­dion 2G (nicht Gehor­sam und Genötigt son­dern Geimpft und Gene­sen) Regeln gel­ten wür­den . Kim­mich nahm dazu Stel­lung, betonte das er auf einen anderen Impf­stoff warte und ihm die kaum unter­sucht­en Langzeit- bzw. Spät­fol­gen der mRNA- / Vek­tor-Imp­fun­gen zu riskant seien. Er liesse sich aber regelmäs­sig auf Coro­na testen und außer­dem sei die Ansteck­ungs­ge­fahr im Freien rel­a­tiv ger­ing. Sein soziales Engage­ment für Opfer der Coro­na-Maß­nah­men stelle kein Wider­spruch dazu dar. Eiine solche unbe­deu­tende kleine Episode wäre eigentlich nor­maler­weise kein­er weit­eren Erwäh­nung wert, zumal es sich wie allen anderen Men­schen um eine pri­vate Entschei­dung eines promi­nen­ten Fuss­ball­spiel­ers han­delte. Aber weit gefehlt … Nicht nur das Wasserziehr inquisi­torisch nicht lock­er lassen wollte, ent­stand eine unfass­bare Het­z­jagd und öffentliche Stim­mungs­mache das man sich wirk­lich schon fra­gen muss in welchen poli­tis­chen Kli­ma wir inzwis­chen angekom­men sind.

 

Kein irgend­wie geart­eter Promi­nen­ter bzw. Möchte­gern-Promi­nen­ter fehlte nun bei der immer wieder bis ins Uner­meßliche durchgewühlten Diskus­sion. Von Ver­ant­wor­tung und Beispiel­wirkung sowie dem ange­blich so skan­dalösen Auss­cheren von Kim­mich aus der Impfge­mein­schaft war nun die Rede als ob von seinem Impf­s­ta­tus der Gesund­heit­szu­s­tand der Nation bzw. das frühe oder spätere Ende der Corona‑P(l)andemie abhinge.

 

Nein heutzu­tage wird kein­er öffentlich durch die Strassen getrieben oder an einem irgend­wie geart­eten Scheit­er­haufen ver­bran­nt, aber virtuell nehmen solche Het­z­jag­den schon gefährliche Züge an und erin­nern in ihrer aus­gren­zen­den Progrom­stim­mung an dunkel­ste Zeit­en der Vergangenheit.

 

Natür­lich fehlt es an keinem Virolo­gen der gebetsmüh­le­nar­tig wie ein Mantra wieder­holt das Äng­ste vor ver­meintlichen Spät­fol­gen abso­lut unangehracht seien, weil sie wis­senschaftlich kein­er­lei Grund­la­gen hät­ten. Bei teleskopiert und in sehr kurz­er Zeit entwick­el­ten neuar­ti­gen Impf­stof­fen auf gen­tech­nis­ch­er Basis kann man solche Aus­sagen nur als pro­pa­gan­dis­tis­chen Euphemis­mus beze­ich­nen. Als ob es die Narkolep­siefälle infolge des Schweine­grip­pen­impf­stoffes Pan­demix nie gegeben hätte, die auch erst ein Jahr nach den Ver­imp­fun­gen vor allem in GB und Schwe­den auftraten.

 

Sach­lichkeit und evi­denzbasierte Diskus­sion die eigentlich ange­bracht wären scheinen völ­lig ver­loren gegan­gen zu sein, abstruser­weise wird über Tage (ein Ende ist noch nicht abzuse­hen) ger­adezu ein Exem­pel an einem Promi­nen­ten exerziert. Kommt mal alle ein bißchen auf den Boden der Tat­sachen zurück liebe Leute, bei 80% dop­pelt geimpfter Bun­des­bürg­er (RKI) plus 5–10% Gene­sen­er müsste man eigentlich von ein­er Her­den­im­mu­nität sprechen, aber nein der let­zte Ungeimpfte muss wohl noch an die Nadel gebracht wer­den. Ein­fach eine völ­lig unange­bracht­es und über­grif­figes Vorge­hen wo eine ganze virtuell vertretene Nation meint mitab­stim­men zu müssen wie ein einzel­ner promi­nen­ter­er Men­sch gesund­heitlich mit seinem Kör­p­er umgeht.

 

Ziehen wir am Ende mal zwei Ver­gle­iche an denen deut­lich wird wie über­höht und ver­ran­nt die Diskus­sion sich entwick­elt hat. Während die Verurteilung des früheren Profi­fuss­ballers Christoph Met­zelder zu zehn­monatiger Haft­strafe auf Bewährung für den Besitz und die Weit­er­gabe von Kinder­pornografie nur ein paar kurze Mel­dun­gen wert war, wird der Sta­tus „Ungeimpft“ des Fuss­ball-Nation­al­spiel­ers Joshua Kim­mich ger­adezu zum großen Poli­tikum hochstilisiert.

 

Auch die Äußerung der noch amtieren­den Vertei­di­gungsmin­is­terin Annegret Kramp-Kar­ren­bauer, die erst jüngst über die Möglichkeit eines Ein­satzes von Atom­waf­fen gegenüber Rus­s­land schwadronierte war im Ver­gle­ich zu dieser „Tod­sünde“ von Joshua Kim­mich sich (noch) nicht unkri­tisch ein­er gen­tech­nisch basierten Imp­fung zu unterziehen, nicht der Rede wert.

 

Sind dies bloß Ablenkungs­man­över in der öffentlichen Diskus­sion oder soll hier mit ein­er hys­ter­ischen Panikmache jed­er und jede zur Imp­fung gezwun­gen wer­den (da darf kein Pro­mi nebe­nanste­hen) ? Ich denke die Antwort liegt auf der Hand.

 

Als Coro­na-Maß­nah­men- und Impf-kri­tis­che Men­schen, als die wir uns als freie Linke auch ver­ste­hen ist ein zen­trales Moment unseres Selb­stver­ständ­niss­es das jed­er Men­sch für seine gesund­heitlichen Belange und Entschei­dun­gen selb­stver­ant­wortlich sein sollte, der Staat bzw. desssen Gesund­heit­spoli­tik soll­ten dafür nur die Rah­menbe­din­gun­gen liefern. Dies gilt genau­so für promi­nente Profi-Fuss­baller wie Joshua Kim­mich oder Weltk­las­seten­nis­spiel­er wie Novak Djokovic wie für alle soge­nan­nten ein­fachen Men­schen, die Mehrheit der Bundesbürger*innen.

 

PS: erin­nert sich noch jemand an den früheren Fuss­baller Sebas­t­ian Deisler der mit Ende 20 an schw­eren Depres­sio­nen erkrank­te weil er mit dem Erfol­gdruck und der ständi­gen Zurschaustel­lung nicht klarkam oder an Robert Enke der alles zu viel wurde und der sich vor einen Zug gestellt hat ? Bei der großen öffentlichen Trauer­feier für R. Enke wurde damals groß gelobt ein anderes, respek­tvolleres und toller­an­teres Umge­hen auch im Profi-Fuss­ball zu pfle­gen. Bei Betra­ch­tung der Causa Kim­mich muss man lei­der den Ein­druck gewin­nen das davon nicht mehr viel übrig geblieben ist.